Fortschritte im Kampf gegen Herzerkrankungen

Talk-Profi Jürgen Domian, Helene Gras Nicknig, 1. Vorsitzende des Fördervereins Hospiz Köln-Porz, und Prof. Dr. Marc Horlitz während der Podiumsdiskussion zum 12. Herz- und Gefäßtag
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Porz – „Es ist erstaunlich, wie rasant sich die Gefäßchirurgie in den letzten zwei Dekaden entwickelt hat“, erklärt Dr. Thomas May, Chefarzt der Gefäßchirurgie im Krankenhaus Porz am Rhein. Sein Vortrag über die neue Angiosuite schließt den zwölften Herz- und Gefäßtag im Porzer Bezirksrathaus ab.
Die hochmoderne Anlage mit „wohnzimmermäßigem“ Ambiente ermöglicht schonende gefäßchirurgische Eingriffe. Arterielle Verschlüsse an verschiedensten Körperstellen können mit teils medikamentenbeschichteten Ballons offengehalten, Blutgerinnsel entfernt oder Tumore durch absichtliche Verschlüsse trockengelegt werden.
Sieben Spezialisten aus dem Porzer Krankenhaus referieren über ihr jeweiliges Fachgebiet, alle befassen sich mit der Prävention und Behandlung von Herz- und Gefäßkrankheiten, der Todesursache Nr. 1 in Deutschland. Neuheiten in der Diagnostik und Behandlung stellen die Referenten vor, sie sprechen aber auch über den Einfluss von Diabetes und Umweltschäden auf die Herz- und Gefäßgesundheit.
Dr. Martin Bansmann startet die Vortragsreihe und beschreibt die neue Kardio-CT als wichtigen Schritt in Richtung eines Super-Diagnostik-Zentrums. Trotz einer wenig belastenden Strahlendosis liefert das Gerät eine breitgefächerte Menge an Informationen und höchste Bildqualität. Dank seiner künstlichen Intelligenz – dem Scanner liegt eine Datenbank zugrunde – dosiert es die notwendige Menge an Strahlen selbst. „Es gibt keine einzige Untersuchung, die nicht gelingt“, begeistert sich der Radiologe für den „Revolution CT“.
Längst haben sich minimalinvasive Katheter-Therapien in der Herz- und Gefäßchirurgie durchgesetzt. Dr. Christian Hoppe referiert über Hightech im Herzkatheterlabor und den deutlichen Rückgang an Bypass-Operationen. Zwar gibt es auch heute noch Krankheitsbilder, bei denen die Bypass-Operation einem minimalinvasiv gesetzten Stent vorzuziehen ist – die sinkende Zahl derartiger Operationen spricht allerdings für sich.
In vielen Fällen sei selbst das Einsetzen eines gefäßstützenden Implantats nicht nötig, erklärt Hoppe. „30 Prozent der Stents sind überflüssig. Nur wenn sich das Blut vor der Engstelle staut, ist ein Stent sinnvoll.“ Konstante Blutdruckmessung ist deshalb während des Eingriffs Routine.
Prof. Dr. Marc Horlitz, Chefarzt der Kardiologie, empfiehlt bereits im Frühstadium von Vorhofflimmern den Besuch beim Spezialisten. Das Leiden, das mit dem ungezügelten Zellwachstum in den Lungenvenen beginnt, ist zunächst gut therapierbar. Wenn die anfallartigen Beschwerden in anhaltende übergehen, wird die Behandlung zunehmend aufwendiger.
Im Kampf gegen den plötzlichen Herztod sind Defibrillatoren das Mittel der Wahl. Dr. Ehssan Berenjkoub rät im Akutfall zum Einsatz automatischer externer Defibrillatoren, die bei einfacher Bedienung Leben retten könnten. Mit einer entsprechenden App seien ihre Standorte leicht zu ermitteln.
Dr. Petra Weßling erläutert die Auswirkungen von Lärm und anderen Stressfaktoren auf die Herz- und Gefäßgesundheit. Unumstritten ist der negative Einfluss von Hitzewellen auf das Herz-Kreislaufsystem, den Anstieg der Todesfälle im Rekord-sommer 2018 sieht sie als direkte Folge der Erderwärmung. „Wir können nur gesund bleiben, wenn unsere Erde auch gesund bleibt“, gibt sie zu bedenken. Wenn die Beschränkung der Erderwärmung auf 1,5 Grad erreicht werden soll, sei ein Umdenken unumgänglich und eine Fahrradtour ins Münsterland umwelt- und gesundheitsverträglicher als ein Flug nach Borneo.
Auch unbequem und wissenschaftlich erwiesen ist der direkte Zusammenhang von Körpergewicht und Gesundheit. „Ohne Übergewicht gäbe es keinen Diabetes Typ 2“, weiß Gastroenterologe Dr. Wolfgang Holtmeier. Eine genetische Prädisposition spiele eine entscheidende Rolle. Dass Diabetes letztlich zum Herzinfarkt führen kann, macht das Thema für die Veranstaltung relevant.
Einen Kontrapunkt zum medizinischen Ringen um das Leben des Patienten setzt die Podiumsdiskussion zu einem würdevollen Sterben. Marc Horlitz, Helene Gras-Nicknig, Vorsitzende des Fördervereins Hospiz Köln-Porz, und Talk-Profi Jürgen Domian sprechen über die Entwicklungen in Palliativmedizin und Hospiz, den ärztlich assistierten Suizid Schwerstkranker und den gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit dem Tod.
Heute sei ein würdiges Sterben in der Palliativmedizin möglich, erklärt Jürgen Domian. Seit der Zeit, in der er als Zivildienstleistender Sterbende ins Badezimmer rollen musste, habe sich viel getan. Den Tod seines Vaters im Mildred Scheel Haus erlebte er deutlich positiver: „Wenn alle Menschen so sterben könnten, wären wir ein großes Stück weiter“, sagt er.
Dr. Petra Weßling
