Gruseliges aus dem Stadtgymnasium
Porz – Für einen Poltergeist kann kaum etwas ärgerlicher sein als festzustellen, dass sein Poltern niemandem richtig Angst macht. Genau das passiert dem Gespenst von Canterville, als ins schottische Schloss statt der pleite gegangenen Adelsfamilie plötzlich aufgeklärte Amerikaner einziehen. Die rücken dem unheimlichen Blutfleck in der Halle wacker mit Chemie zuleibe. Die kommen schlaftrunken aus dem Bett, wenn Sir Simons Geist mit Ketten rasselt und bieten ihm patentiertes Schmieröl gegen den Krach an. Die offerieren mitfühlend Medizin, um das schaurige Keuchen abzustellen.
Wie Obergeist Sir Simon und seine vielgestaltige Gespensterschar mit dieser Neuerung umgehen, hat Oscar Wilde unterhaltsam geschildert. Die aktuelle Version des Musikzweigs am Stadtgymnasium verarbeitete sein Werk als Stoff für ein Musical, für das Tina Ternes und Matthias Lösch Text und Musik erdacht haben. Ein beeindruckend großes und begeistertes Ensemble aus Musikern, Sängern, Schauspielern und Akteuren hinter der Bühne setzte die schöne Spuk-Geschichte um.
Das Musical wurde im Pädagogischen Zentrum für die Mitschüler und in zwei öffentlichen Aufführungen auch für Familien und Freunde präsentiert. Weil die Rollen doppelt besetzt waren, kamen viele junge Akteure wechselnd zum Zug. Sie spielten, sangen, tanzten und musizierten die Verwicklungen um einen alten Familienfluch, junge Liebe und die Unterschiedlichkeit, mit der „typische“ Menschen aus der alten und der neuen Welt das Leben meistern.
Sebastian Frey, Angela Schmitz und Simon van de Weyer haben das Mammutprojekt auf den Weg gebracht und geleitet. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Carl-Stamitz-Musikschule/Rheinische Musikschule trug auch in dieser Aufführung schöne Früchte. Allein der vielstimmige Chor und die großen und kleinen Orchester-Ensembles bewiesen den Erfolg intensiver Probenarbeit. Vor prachtvoller Schlosskulisse und in von Eltern mit viel Sinn fürs Detail geschneiderten Kostümen bekamen die jungen Mitwirkenden starken Applaus für ihre frische Darbietung. Vor allem die zu jedem Unsinn bereiten Zwillinge brachten das Publikum zum Lachen. Natürlich kamen schließlich alle Liebenden zusammen und Schloss Canterville wurde erlöst. Und der Fleck? Tja, ob der wirklich dauerhaft weg ist, bleibt wohl Gespenster-Geheimnis.
