Hilfe auf dem Weg ins Erwachsenwerden

Schüler Moshtag ist einer der ersten Bewohner in den frisch renovierten Apartments des Jugendwohnheims.
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Poll – Hell und freundlich sind die neuen Apartments im Jugendwohnheim Bernhard Letterhaus an der Rolshover Straße 587. Und auch wenn die Unterkünfte unter dem Dach des Gemeinschaftshauses nur aus einem Zimmer plus Bad bestehen, sind sie durchaus geräumig. Der Schlafplatz ist in einem Hochbett untergebracht, so dass zusätzlich Platz für eine Kochnische, einen Schreibtisch und einen Kleiderschrank ist.
Zahlreiche Bewohner, Ehemalige, Angestellte des Trägervereins und Nachbarn feierten die Einweihung der 21 neuen Einzelapartments. Gut ein Jahr wurde das aus den 1950er Jahren stammende Dachgeschoss umfangreich saniert. Der Umbau war nötig geworden, da das Dach über keine ausreichende Isolierung verfügte, zudem waren die dortigen Bewohnerzimmer nicht mehr zeitgemäß. „Die Zimmer hatten etwa nur Gemeinschaftsduschen und Toiletten auf dem Gang“, sagt Sonja Hupke, stellvertretende Heimleiterin. Außerdem waren die Zimmer sehr dunkel, da es nur wenige Fenster gab. Jetzt hat jedes Zimmer ein Dachfenster, das den Bewohnern Tageslicht spendet. Die Zimmer sind auch schon fast alle belegt.
Zu den ersten Bewohnern zählt Moshtag. Der 18-jährige Schüler ist vor rund drei Jahren aus Afghanistan geflohen – vor Krieg und Gewalt, wie er erzählt. „Das Apartment ist meine erste eigene Wohnung, in der ich ganz alleine lebe“, sagt der junge Mann. Und das hält er besonders sauber. Jeder Besucher in seinem kleinen eigenen Reich bekommt große Überziehpantoffeln, damit der Boden nicht dreckig wird. Moshtag besucht das Berufskolleg in der Südstadt und holt dort seinen deutschen Schulabschluss nach.

Heimleiter Stefan Müller und seine Stellvertreterin Sonja Hupke unterstützen die Bewohner in allen Lebenslagen.
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Insgesamt gibt es im Bernhard Letterhaus 60 Plätze für Jugendliche im Alter zwischen 17 und 27 Jahren. Hinzu kommen Gemeinschaftsräume, Büros der Angestellten und ein großzügiger Innenhof. Träger des Jugendwohnheims ist der Verein Katholische Jugendarbeit Heimstatt Nikolaus-Groß-Haus. „Wir sind eine Art Jugendherberge mit pädagogischer Begleitung“, erklärt Heimleiter Stefan Müller. Viele der Bewohner werden vom Jugendamt vermittelt, weil sie etwa aus sozial zerrütteten Familien stammen oder im Kinderheim aufgewachsen sind. Im Bernhard Letterhaus finden die Jugendlichen dann ein herzliches Umfeld und bekommen Unterstützung für einen guten Start ins selbstbestimmte Erwachsenenleben. „Wir kümmern uns etwa um die Verpflegung, helfen beim Zimmeraufräumen oder beim nötigen Gang zu den Ämtern“, sagt Hupke. Außerdem gibt es Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder Job.
Spätestens im Alter von 27 Jahren müssen die jungen Erwachsenen das Jugendwohnheim verlassen. „So ist es im Kinder- und Jugendhilfegesetz festgeschrieben“, erklärt Müller. Trotzdem hält die Verbundenheit zu der Einrichtung und seinen Mitarbeitern auch über den Auszug an – oft sogar über Jahre.
Das zeigten die vielen Ehemaligen, die zum Einweihungsfest gekommen waren. Einer davon ist Sascha. Der heute 40-Jährige hat insgesamt acht Jahre in der Poller Einrichtung gelebt, bis zu seinem 25. Lebensjahr. „Das ist eine super Anlaufstelle für Jugendliche, hier habe ich Ruhe, Geborgenheit und viele Freunde gefunden“, erzählt Sascha, der mittlerweile in Bergisch Gladbach lebt. Seine Eltern waren Alkoholiker, deshalb hatte das Jugendamt empfohlen, dass er in das Wohnheim kommt. In seiner Zeit dort hat er das Abitur gemacht, war bei der Bundeswehr und hat eine Ausbildung als Vermessungstechniker absolviert. Heute ist er Vater von zwei Kindern und freute sich, einige bekannte Gesichter aus seiner Zeit in Poll wiederzusehen.
Moshtag
