LeukämieKanadierin rettet Porzer mit Knochenmarkspende das Leben

Severin Raudsep mit seiner zehn Monate alten Tochter Emilia
Copyright: Carstens Lizenz
Zündorf/Braunsfeld – Noch fühlt er sich schnell erschöpft. Doch in kleinen Schritten kann Severin Raudsep wieder an sein normales Leben anknüpfen. Vor etwa einem Jahr erhielt der Grundschullehrer die Diagnose Leukämie. Er hatte das Glück, dass in Kanada eine passende Spenderin gefunden wurde, die dieselben genetischen Merkmale aufwies wie der 35-Jährige – denn nur noch eine Stammzelltransplantation konnte sein Leben retten.
Jetzt, rund 180 Tage später, kam eine weitere erlösende Nachricht: Sein Körper hat die neuen Stammzellen zu hundert Prozent angenommen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist er nun von Krebszellen befreit.
„Im Moment arbeiten meine neuen Stammzellen hundertprozentig, aber das heißt nicht, dass das ein Jahr nach der Transplantation auch noch so ist“, schildert Raudsep. Er und seine Familie hätten daher gelernt, geduldig zu sein. Trotzdem freuen sie sich über jeden Fortschritt. „Im Vergleich zum vergangenen Jahr geht es mir deutlich besser“, so der in Zündorf wohnende Pädagoge. Aber es sei noch ein langer Weg, bis er zum Beispiel wieder dreimal pro Woche Volleyball spielen könne, wie er das früher im Verein gemacht hat. Heute sei er bereits froh, wenn er 20 Minuten am Stück spazieren gehen könne. „Ich versuche mich in kleinen Schritten zu steigern.“
Ansteckungsgefahr zu groß
Noch müsse er vorsichtig sein, denn derzeit nehme er sogenannte immunsupprimierende Medikamente. Die schwächen das Immunsystem, um so die Abstoßungsreaktion nach der Transplantation zu kontrollieren. Auch die Nebenwirkungen müssen genau beobachtet werden – zum Beispiel sei seine Haut jetzt trockener und müsse regelmäßig eingecremt werden. So könnten auch keine Keime in den Körper gelangen. Wann er diese Medikamente absetzen könne, sei noch ungewiss. „Meine zehn Monate alte Tochter Emilia hat ein stärkeres Immunsystem als ich“, sagt Raudsep lachend. Bekommt er Besuch, muss sich deshalb jeder zunächst die Hände am Eingang desinfizieren. „Unser Zuhause muss noch möglichst keimfrei bleiben“, so der Lehrer. Weil die Ansteckungsgefahr zu groß ist, darf er auch noch nicht zurück zur Grundschule Geilenkircher Straße in Braunsfeld, an der er vor seiner Krebsdiagnose eine zweite Klasse unterrichtet hat. „Ich vermisse meine Klasse – meine Schüler schreiben mir auch jetzt noch regelmäßig und ich freue mich schon, wenn ich wieder zur Arbeit gehen darf“, schildert Raudsep. Während der Zeit im Krankenhaus haben ihm seine Tochter und der Rest seiner Familie besonders viel Kraft geschenkt. „Da weiß man, wofür man gegen die Krankheit ankämpft“, so der junge Vater. Jetzt habe er die Chance, seine Tochter aufwachsen zu sehen. Die Momente, in denen er mit ihr spielen kann, genießt er daher ganz besonders. „Aber dann brauche ich auch gleich darauf wieder eine Pause“, sagt Raudsep. „Meine Frau scherzt immer, dass sie jetzt zwei Kinder hat.“
2000 Freiwillige spendeten
Auch die Unterstützung seiner Freunde, Schüler und Kollegen haben ihn im Krankenhaus „emotional getragen“, schildert Raudsep. Sie und seine Familie hatten mit Helfern der Deutschen Knochenmarkspender-Datei (DKMS) zu mehreren Typisierungsaktionen in Zündorf und Braunsfeld aufgerufen, zu denen insgesamt rund 2000 Freiwillige kamen. „Ich bin stolz, dass so viele Menschen sich in der Knochenmarkspender-Datei registriert haben – ich habe auch gehört, dass über diese Aktionen bereits zwei weitere passende Spender gefunden wurden“, sagt Raudsep mit einem Lächeln.
Von seiner eigenen Spenderin weiß er bis jetzt nur, dass sie in Kanada lebt und sehr jung ist. „So um die 18 oder 19 Jahre“, sagt der Pädagoge. „Durch die Transplantation habe ich jetzt auch ihre Blutgruppe angenommen.“ Erst nach zwei Jahren dürfe er Kontakt zu ihr aufnehmen – das geben die deutschen Richtlinien vor. „Dann möchte ich mich natürlich gerne bei ihr bedanken und sie nach Köln einladen.“
