Abo

Lieber Gesamtschule als Gymnasium

Lesezeit 3 Minuten

Urbach/Eil – Eine zusätzliche Gesamtschule und eine weitere Grundschule in Urbach fordern die Fraktionen von SPD, Grünen und Einzelmandatsträgerin Elvira Bastian von der FDP. Einen entsprechenden Antrag haben die Parteien in der Bezirksvertretung gegen die Stimmen der CDU mehrheitlich durchgesetzt. Es geht um ein Bauvorhaben östlich der Straße Im Falkenhorst. Dort plant die Firma RBL Rheinbauland AG Mehrfamilienhäuser mit 250 Wohnungen sowie eine Kindertagesstätte – und ein Gymnasium, so steht es im Antrag der Verwaltung.

Dafür muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden, was die Verwaltung mit ihrem Antrag beabsichtigt. Gegen neue Wohnungen haben die Politiker nichts einzuwenden, nur die im Text aufgeführte Schulform missfällt den Mandatsträgern von SPD, Grünen und FDP. „Wir brauchen mehr Gesamtschulen“, argumentiert Lutz Tempel, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD. Da an Gesamtschulen deutlich mehr Schüler wegen fehlender Plätze abgewiesen werden mussten als an Gymnasien, sei „dort zwingend eine Gesamtschule“ zu errichten, so die schriftliche Begründung des Antrages.

Im Stadtbezirk gibt es zurzeit nur eine Gesamtschule, die Lise-Meitner-Gesamtschule in Finkenberg. Dort mussten in der Vergangenheit auch immer wieder Schüler abgewiesen werden, weil es nicht genügend Plätze für alle Anmeldungen gab. „Eine Erweiterung der Schule in Finkenberg ist nicht mehr möglich“, sagt Tempel. Deshalb müsse unbedingt eine zusätzliche Gesamtschule her. Das sieht auch Grünenfraktionschef Dieter Redlin so. „Wir wollen da eine Gesamtschule und haben nur jetzt die Chance, das zu fordern.“

Elke Müssigmann vom Stadtplanungsamt hatte vorgeschlagen, lediglich eine weiterführende Schule zu fordern, dann können man im späteren Verlauf der Planung immer noch die konkrete Schulform benennen, so wie sie dann benötigt wird. Das war den Bezirksvertretern des Dreibündnisses aber zu unsicher. In der Folge ist nämlich der Rat für das Vorhaben zuständig, und die Porzer Politiker können nur noch indirekt Einfluss nehmen. „Wir stehen hinter der Verwaltung und wollen die Vorlage durch Änderungen nicht noch verzögern“, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Werner Marx die ablehnende Haltung seiner Fraktion gegenüber den Änderungsvorschlägen von SPD, Grünen und FDP. Die genaue Schulform werde vom Rat bestimmt und die Fachverwaltung habe da den besseren Einblick, so Marx weiter.

Mit dieser Ansicht konnte sich die CDU allerdings nicht gegen die Mehrheit von SPD, Grünen und FDP durchsetzen. Das Dreierbündnis konnte ihren Antrag erfolgreich verabschieden. Neben der Gesamtschule enthält der Antrag auch noch die Forderung nach einer neuen Grundschule. Die sei nötig, damit alle Kinder in dem Gebiet „einen Schulweg unter zwei Kilometern“ haben, heißt es in der schriftlichen Begründung des Änderungsantrages.

Die nächsten Grundschulen sind die Katholische Grundschule Kupfergasse im Zentrum von Urbach und die Gemeinschaftsgrundschule Unter Birken in Eil.

Dieter Redlin. Grüne

Werner Marx, CDU

Mehr Wohnungen als Einfamilienhäuser gewünscht

Ebenfalls gemeinsam geändert haben die drei Parteien eine Verwaltungsvorlage zu einem weiteren Baugebiet in unmittelbarer Nähe in Eil – an der Leidenhausener Straße. Genauer: zwischen dem Friedhof Leidenhausen, der dortigen Kleingartenanlage und der Leidenhausener Straße. Auch dort will die Firma RBL Rheinbauland AG bauen: 150 Ein- und Zweifamilienhäuser. „Wir haben knappen Wohnraum, deshalb sollten wir auf der Fläche mehr realisieren“, so Redlin. Wenn möglich bis zu 250 Wohneinheiten in Form von etwa Einfamilienhäusern mit nur 70 Quadratmeter Wohnfläche oder auch Mehrgenerationenhäusern, so der Vorschlag der drei Parteien. „Einfamiliensiedlungen sind nicht mehr zeitgemäß, wir müssen den Platz besser ausnutzen“, sagt SPD-Fraktionschef Simon Bujanowski. Auch hier war die CDU anderer Meinung. Das Gebiet sei geprägt von Ein- und Zweifamilienhäusern und das wolle man mit zu vielen Wohnungen nicht zerstören, so Marx. Die Christdemokraten kamen gegen die Mehrheit von SPD, Grüne und FDP aber wieder nicht an. Die konnten ihre Änderungen durchsetzen – mehrheitlich gegen das Votum der CDU-Fraktion.

KStA abonnieren