Linder BruchEin Erholungsgebiet für Ratten in Köln-Porz

Das Schild Geschützter Landschaftsbestandteil hindert nicht alle daran, ihren Unrat im Linder Bruch abzuladen.
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Lind – Es wurde schon vor Jahren geplant, Bürger wurden angehört, aber passiert ist nicht viel. Schon 1979 hatte der Stadtentwicklungsausschuss die Verwaltung beauftragt, für den Bereich Linder Bruch einen Bebauungsplan aufzustellen, der verhindert, dass das Gelände zugebaut wird. 1981 wurden Bürger dann zur Diskussion des städtebaulichen Planungskonzeptes eingeladen. Die Bebauung der Bruchlandschaft wurde zwar gestoppt, aber ansonsten ist so gut wie nichts realisiert worden.
Es wird viel geredet und geplant
Vielmehr sind die Pläne für eine Festwiese sowie Geh- und Radwege im Sande verlaufen. Dem Naherholungskonzept ist es da ähnlich ergangen wie dem kleinen Dorfplatz an der Viehtrifft, die Versiegelung der Mülldeponie und die Erneuerung von Straßenbelägen: Es wird viel geredet und geplant, aber an der Umsetzung hapert es. Immerhin wurde 2012 vom Amt für Landschaftspflege und Grünflächen ein verbindlicher Pflege- und Entwicklungsplan erstellt. Doch auch dessen Umsetzung bereitet Probleme.
Mitten durch das Linder Bruch führt von der Straße Am Bruch bis zur Kasseler Furt, da wo Köln aufhört und Troisdorf beginnt, ein asphaltierter Weg. Rechts von ihm liegen landwirtschaftlich genutzte Felder, links von ihm, etwa zwei Meter tiefer liegend, erstreckt sich das eigentliche Bruch. Es ist ein naturbelassenes Stück öffentlichen Grüns mit einem Regenrückhaltebecken.
„Um den Raum unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten aufzuwerten“, sagt Alexander Faber vom Amt für Landschaftspflege, „sind Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen vorgesehen.“ Dazu gehört – etwas allgemein ausgedrückt – die Ausdehnung extensiv genutzter Wiesenflächen, die Optimierung der Grünpflege und das Schneiden von Kopfweiden.
Lesen Sie im nächsten Abschnitt, wie sich der frühere Bezirksbürgermeister Hans-Gerd Ervens zum Linder Bruch äußert.
Genau das erfolgt aber nach Ansicht von Hans-Gerd Ervens, dem früheren Bezirksbürgermeister und Anwohner von Lind, nur sporadisch. Der Ostgraben, der das Linder Bruch durchzieht, werde regelmäßig als Müllkippe missbraucht und selten gesäubert. Von der vorgesehenen Renaturierung des Gewässers sei auch nichts zu sehen. „Lind ist eben immer noch das kleine Dorf am Rande von Köln“, sagt er resignierend. Er ist überzeugt, dass es dem Viertel besser gehen würde, wenn es von der Gemeinde Troisdorf verwaltet werden würde. „Aber wir haben ja noch unser Industriegebiet, das gibt Köln bestimmt nicht ab.“
Jahrzehnte alte Pläne wurden bis heute nicht umgesetzt
Nach Ansicht von Ervens sieht das Naherholungskonzept Linder Bruch eine deutliche Aufwertung des Stadtteils vor. „Damals wurde die Verwaltung beauftragt, die Erholungsfunktion der Bruchlandschaft durch Pflegemaßnahmen zu sichern und zu stärken.“ Das Linder Bruch sei als Teil einer geplanten Grünflächenverbindung gesehen worden, die sich vom Bieselwald über den Senkelsgraben bis auf Troisdorfer Gebiet erstreckt. So weit die hochfliegenden Pläne aus den 80er Jahren. Doch umgesetzt wurden sie bis heute nicht.
Und wie lange es noch dauern wird, bis – wie einst vorgesehen – im nordwestlichen Teil des Bruchs ein großzügig geplanter Dorfplatz mit einer Ballspiel- und Festwiese entstehen wird, stehe in den Sternen, klagt Ervens weiter. Dafür, dass sich so wenig tut im Linder Bruch, hat das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen ein einfache Erklärung. Die Umsetzung des Pflegeplans könne nur sukzessive erfolgen, da sich ein Großteil der Grundstücke in Privathand befinde, sagt Faber. „Wir können zunächst nur auf städtischen Flächen arbeiten.“
Erholungsgebiet für Ratten
Doch auch damit hapert es offenbar. Im Ostgraben, der die Bruchlandschaft durchzieht, liegen seit Monaten Wrackteile von motorisierten Fahrzeugen, dümpeln morsche Möbelstücke und staut allerlei mittlerweile undefinierbarer Unrat das Gewässer.
Die Bruchlandschaft ist eher ein Erholungsgebiet für Ratten, die hier fröhlich im trüben Wasser planschen können, als eines für Bürger.
