Poller RheinuferGrundschüler setzen Larven im Rhein aus

Zusammen für den Maifisch: Die ganze Besatzgesellschaft am Rhein
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Poll – Die Zeiten, als der Rhein vor Maifischen brodelte, sind längst Geschichte. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Alosa alosa, wie er wissenschaftlich korrekt heißt, nicht eben eine Seltenheit in rheinischen Gewässern. „Früher war der Maifisch ein Massenfisch, dann ist er komplett ausgestorben“, erläutert Dr. Andreas Scharbert vom Rheinischen Fischereiverband. Gemeinsam mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz bemüht sich der Verband um die Wiederansiedlung der Spezies. „In diesem Jahr haben wir etwa eine Million Larven besetzt, die geschätzte Überlebensrate liegt bei einem Prozent“, sagt Scharbert. Ziel des Wanderfischprogramms NRW sei es, die Bestände durch Neubesatz so weit zu stabilisieren, bis sie sich selbst tragen.
Freude über den Zuwachs
Dass Poll eine tragende Rolle beim Maifischprojekt zukommt, ist dem ehemaligen Vorsitzenden des Rheinischen Fischereiverbandes, Walter Sollbach, zu verdanken. Inspiriert vom Maispill, das untrennbar mit der Maifisch-Tradition verbunden ist, schlug er 2002 die Wiederansiedlung vor und erwarb so den Ehrentitel „Vater des Maifischs“. Auch diesmal ist er bei der Besatzaktion dabei und freut sich über den Zuwachs der Wanderfischpopulation.
Bei der Gemeinschaftsveranstaltung des Rheinischem Fischereiverband, der Poller Maigeloog, der HIT-Umweltstiftung und der Stiftung Wasserlauf NRW stehen die Nachkommen wilder Maifische aus dem französischen Fluss Garonne im Mittelpunkt. Bevor sie in hiesige Gefilde dürfen, regeln Reihmeister Hans Burgwinkel und Reiner Gube vom Rheinischen Fischereiverband den lebhaften Rednerwechsel am Mikro. Johannes Nüsse, Präsident des Fischereiverbandes NRW, zeigt sich von den Fortschritten des Maifischprojekts begeistert; Umweltministerin Ursula Heinen-Esser betont dessen Bedeutung und steigt, wie Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, in die Gummistiefel. Ein kapitaler Maifisch aus dem Rio Minho belegt eindrucksvoll, zu welcher Größe die kleinen Fischchen heranwachsen können.
Zu Spezialisten herangereift
In durchsichtigen Messbechern sind die Winzlinge gut zu sehen. Besonders die Kinder der GGS Poller Hauptstraße haben ihren Spaß an den Tierchen, die sie nun gemeinsam mit Umweltministerin und Bürgermeisterin in die Freiheit entlassen. Ein Programm des Rheinischen Fischereiverbandes, des Finneprojekts und des Edelkrebsprojekts NRW hat dafür gesorgt, dass sie zu echten Spezialisten in Sachen Rheinische Tierwelt herangereift sind. Als Beweis ihrer Kennerschaft erhalten sie Patenschaftsurkunden aus den Händen von Elfi Scho-Antwerpes und Ursula Heinen-Esser. Für die finanzielle Grundlage des Unterrichts im Freien sorgte die Sparkasse Köln Bonn. Jetzt hoffen alle, dass die kleinen Maifisch-Larven den Weg in die Nordsee finden, dort ein paar Jahre überlegen und dann den Weg zurück in den Rhein finden, um dort zu laichen.
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Neben dem vielgepriesenen Fisch gilt die Veranstaltung einem ganz besonderen Poller Unikat, das die Grundschulkinder vom Poller Wirtshaus an den Rhein geleiten. Zacheies, heutzutage auch Nubbel genannt, soll sein Dasein als gebeutelter Sündenbock beim Schlussakt des Maispills im Rhein beschließen. Das weiß die Umweltministerin geistesgegenwärtig zu verhindern, denn der Lumpenmann ist nicht plastikfrei, kann also dem Rhein nicht guten Gewissens überlassen werden. Ein bisschen schnuppern darf er aber – dafür sorgt Reihmeister Hans Burgwinkel höchstselbst.

