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Selbstverantwortlich das Bild der Kirche gestalten

3 min

Porz – Ein Garten bietet unzählige Gestaltungsmöglichkeiten, ist Sinnbild des Wandels, ein Kreislauf von Werden und Vergehen. Er bedarf ständiger Pflege. Manchmal, wenn er nicht mehr so recht gedeihen will, muss das eine oder andere Element ausgetauscht werden. Als erste Station beim 1. Porzer Katholikentagtag in St. Josef trifft der kleine Garten im Eingangsbereich den Kern der Veranstaltung. Blumenzwiebeln, Stauden und Gartenwerkzeug stehen bereit, eine Gießkanne ermöglicht das Wässern des Neugepflanzten. Die Frage „Was sollte im Garten in der Kirche in Porz unbedingt wachsen können?“ können Besucher auf Zettelchen beantworten. Es geht um Erneuerung, Umgestaltung, um gangbare Alternativen zum Traditionellen.

Auf dem „Markt der Möglichkeiten“, wie sich der Parcours innerhalb der Kirche nennt, gibt es neben dem Gärtnern mit Saatgut und Wünschen zig weitere Chancen, sich in die Gestaltung einer zeitgemäßen Kirche einzubringen. Zwölf Aushänge, die jeweils zu einem der zwölf Porzer Kirchtürme gehören, laden zu innovativen Notizen rund um die Heimatgemeinde ein. Auf der Sehnsuchtswand aus tief-blauem Stoff formieren sich nach und nach beschriebene Sterne mit Sehnsuchtsgedanken zu einem Sternenhimmel. Von Anfang an ist klar, hier geht es um eine Neuorientierung, bei der die Gläubigen selbst das Zepter mit in der Hand halten, sich einbringen und aktiv werden sollen.

Aktueller Anlass für die Initiative in Porz war der vorzeitige Wegfall zweier Pfarrer-Stellen, nachdem Pfarrer Thomas Rhein im Dezember letzten Jahres verstarb und Pfarrer Karl-Heinz Wahlen versetzt wurde. Die entstandene Lücke hat zur Kooperation aller Pfarren im Porzer Stadtbezirk geführt, soll aber keinesfalls das Aus der einzelnen Pfarrgemeinden bedeuten. Drei Seelsorgebereiche unterliegen seit dem 1. März der Leitung von Pfarrer Berthold Wolff von St. Maximilian Kolbe und fünfzehn weiteren Seelsorgerinnen und Seelsorgern.

.Marc Möres vom Orga-Team und Pfarrer Berthold Wolff freuen sich über einen gelungenen 1. Porzer Katholikentag. An der Mitgestaltung der Kirche in Porz sollen die Gläubigen tatkräftig mitwirken.

Dass ein Notstand ungeahnte Kräfte mobilisiert, bewahrheitet sich einmal mehr in dieser schwierigen Situation. Um die 150 Gläubige sind gekommen, weil sie am Fortbestand ihrer Kirche mitwirken, etwas bewegen wollen. Im Mittelpunkt steht deshalb das Gespräch – das Arrangement zentral formierter Kirchenbänke im Mittelschiff lässt daran keinen Zweifel. Bei verschiedenen Podiumsforen geht es um die Zukunft der Porzer Kirche im Speziellen und der katholischen Kirche im Allgemeinen.

Seelsorger Marc Möres ermuntert als Moderator zum Meinungsaustausch über den Jetzt-Zustand. Der Wandel des öffentlichen Bildes, der Verlust an Glaubwürdigkeit und die daraus resultierenden Kirchenaustritte kommen zur Sprache - aber auch, dass man in Porz eine starke Gemeinde sei und die Pfarren sich gegenseitig befruchten könnten, wie der Austausch bei Chorangeboten bereits zeige.

Gemeindereferentin Stefanie Meyer bringt die Grundtendenz auf den Punkt: „Jeder Einzelne soll sich fragen, „wie will ich Kirche sein?“– und nicht mehr einfach konsumieren.“ Die Gläubigen sollten sich nach dem eigenen Bild von Kirche fragen, denn sie selbst seien ja auch Kirche und zeichneten damit ein eigenes Bild. Auch hier liegt Stefanie Meyer zufolge „eine Chance, wieder glaubwürdiger zu werden.“ Eine Kultur der Selbstverantwortlichkeit ist angestrebt, ein Modell, bei dem Gläubige selbst aus der Komfortzone des Konsumenten in die Position des aktiv Mitgestaltenden übertreten. Bei einem solchen Konzept ist die gemeinsame Planung und Umsetzung unumgänglich.

.Marc Möres vom Orga-Team und Pfarrer Berthold Wolff freuen sich über einen gelungenen 1. Porzer Katholikentag. An der Mitgestaltung der Kirche in Porz sollen die Gläubigen tatkräftig mitwirken.

„Natürlich ist uns klar, dass wir heute noch keine Resultate erzielen“, kommentiert Pfarrer Berthold Wolff. „Zunächst müssen Ideen gesammelt und vor Ort entwickelt werden“. Alternative Gottesdienst-Modelle werden erprobt, die rückläufige Anzahl an Pfarrern soll aufgefangen werden. Über 50 Anmeldungen seien für ein Seminar zur Qualifizierung als Gottesdienstleiter eingegangen. In Kürze dürfte der personelle Engpass einigermaßen entschärft sein. Die rege Beteiligung am 1. Katholikentag wertet Wolff als Auftakt zu konstruktiven Entwicklungen.

Stefanie Meyer,

Gemeindereferentin