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Sorge um die Bahnhofstraße

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Porz – Dass glückliche Symbiosen aus Informationsaustausch und geselliger Runde möglich sind, beweist der Bürgerverein Porz-Mitte mit seinem regelmäßigen Stammtisch im Haus Knott. Jeden zweiten Mittwoch treffen sich die enthusiastischen Stadtteilbewohner im Lokal am Friedrich-Ebert-Ufer, um von den Vorsitzenden Sigrid Alt und Anita Mirche auf den neuesten Stand der Entwicklungen im Veedel gebracht zu werden. Vortragscharakter haben ihre Beiträge allerdings nicht, locker und formlos gehen die Informationen über ihre Lippen. Ergänzende Kommentare, Kritik und Anregungen aller Anwesenden sind ausdrücklich erwünscht.

„Früher hatten wir einen Referenten, aber das war ein bisschen trocken“, kommentiert Schriftführer Wilhelm Hammes, „heute berichten die Leute wirklich über ihre Probleme, sie haben gelernt, sich hier zu artikulieren“. Der Rahmen zur freien Meinungsäußerung ist im Haus Knott ideal, im kleinen Saal fühlen sich Vereinsmitglieder und Interessierte wohl.

Gut 30 Porzer diskutieren auch diesmal wieder über Ärgerliches und Erfreuliches, der Dauerbrenner unter den angesprochenen Themen ist zweifelsfrei der Zustand der Bahnhofstraße. Ein Müllberg vor dem 1-Euro-Laden erhitzt die Gemüter, immerhin ist der Betreiber guten Willens, das Problem in den Griff zu kriegen. Der Müll, so heißt es, werde ab sofort zweimal wöchentlich entsorgt. Ungepflegte Grünflächen, beschädigte Rondelle und der wachsende Leerstand von Geschäftslokalen in der Bahnhofstraße beschäftigen die Porzer, die 90-jährige Helga Bachmann beklagt die Rutschgefahr durch feuchte Blätter auf den Trottoirs in Richtung Rhein, für die offenbar niemand verantwortlich ist.

Seit Jahren bemüht sich die AG Grün, ein Ableger des Bürgervereins, um die Attraktivität von Blumenkübeln und Grünflächen, hat Patenschaften vermittelt und freut sich, wenn Anwohner die von ihnen bepflanzten Gefäße im Sommer gießen. Mehrmals jährlich räumt der Verein mit Unterstützung freiwilliger Helfer unter dem Motto „Porz putz(t)munter“ auf.

Zum Grünflächenamt pflegt der Bürgerverein Porz-Mitte regen Kontakt, bei Belangen rund um ihren Ort kennen die Vereinsmitglieder kein Pardon. „In Köln kennt man uns“, scherzt Sigrid Alt, „man liebt uns vielleicht nicht unbedingt, aber damit können wir leben.“ Verbesserungen wie die Neubepflanzung der Grünfläche am Rathaus gehen auf ihre Initiative zurück, auch im karitativen Bereich leisten sie Erstaunliches.

Ständig befinden sich Sigrid Alt und Anita Mirche auf Sponsorensuche, um besonders Projekte für Jugendliche aus sozial schwachen Familien zu fördern. Umso mehr schmerzt es, wenn der Verein an seine Grenzen stößt. „Die Bahnhofstraße ist wirklich nicht mehr schön. Man hat den Eindruck, dass man sich dachte, wir machen die Porzer-Mitte neu, aber Drumherum sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa“, erklärt Sigrid Alt beherzt. Speziell der ungepflegte Zustand der kleinen Bahnhofstraße ist besorgniserregend. Versuche, mit den für die Reinigung verantwortlichen Anliegern zu reden, enden meist mit wenig freundlichen Absagen.

Zwar gibt es Hoffnung, dass das neue Wettbüro an der Ecke Bahnhofstraße/Goethestraße bald schon wieder geschlossen werden kann. Aber auch über eine mögliche Mietnachfolge kursieren schon jetzt wieder beunruhigende Spekulationen.

Mit ihrem Ortsteil zeigen sich die Mitglieder des Bürgervereins Porz-Mitte tief verbunden, die 84-jährige Agnes Stommel erklärt stolz, sie habe nie woanders gewohnt und sei in dem Haus geboren, das sie heute noch bewohnt. Jubilarin Helga Bachmann, die jüngst ihren 90. Geburtstag feierte, ist bis heute täglich zu Fuß in ihrem Veedel unterwegs und hat, wie ihre Mitstreiter, ein wachsames Auge auf alles, was sich hier tut.

bv-porz-mitte.de

Sigrid Alt, Vorsitzende des

Bürgervereins

Sigrid Alt