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Vertrauensbasis scheint erschüttert

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Porz – Schaden vom Krankenhaus Porz am Rhein und dessen gutem Ruf abzuwenden, ist das Ziel eines Briefes, den sämtliche Chefärztinnen und Chefärzte, leitende und Beleg-Ärzte der Klinik an den Vorsitzenden des Kuratoriums der Krankenhausstiftung Porz am Rhein, Ralf Unna, geschrieben haben. Die Mediziner nehmen Bezug auf die „sehr ungewöhnlichen Vorgänge im Rahmen der Vorstandswahl des Fördervereins“ und informieren den Kuratoriumsvorsitzenden darüber, „dass wir mit der Wahl von Herrn K. Sovuksu als neuen Vorsitzenden des Fördervereins nicht einverstanden sind“.

Privat-Dozent Henning Krep, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie und Ärztlicher Direktor des Krankenhauses, bezeichnet den neuen Fördervereinsvorsitzenden Kemal Sovuksu als einen „bislang am Krankenhaus völlig Unbekannten“, dessen Motivation für die Kandidatur „bis heute intransparent und daher unglaubwürdig“ sei. Schwerwiegend für das Misstrauen ist dem Schreiben zufolge vor allem Sovuksus Behauptung, viele Ärzte und sogar Chefärzte hätten ihn dazu gedrängt, für dieses Amt zu kandidieren. Dies sei nicht wahr. Dabei seien sogar Chefärzte namentlich benannt worden, „was nicht nur eine Richtigstellung, sondern auch eine persönliche Entschuldigung fordern lässt“, formulieren die Ärzte.

Zahlreiche Krankenhausmediziner und weitere Mitarbeiter seien bei der Fördervereinssitzung anwesend gewesen. Die Tatsache, „dass die Wahl nur durch vielfache Vorlage von Wahlvollmachten neuer, jedoch nicht anwesender Fördervereinsmitglieder ermöglicht wurde, die zwar formal satzungskonform möglich war, hinterließ im Zusammenhang mit den phasenweise tumultartigen Bedingungen bei allen anwesenden Mitgliedern einen katastrophalen Eindruck“, heißt es in dem Brief. Mit Wesen und Zweck eines Krankenhaus-Fördervereins sei dies nicht in Einklang zu bringen. Die „unzumutbaren Umstände der Wahl, die nachweislich unwahre Behauptung hinsichtlich der Aufforderung zur Kandidatur durch mehrere Chefärzte sowie die nicht nachvollziehbare Motivation für das Amt“ ließen „keine gemeinsame Basis für eine Zusammenarbeit erkennen“, machen die 14 Unterzeichner des Schreibens deutlich. Den Kuratoriumsvorsitzenden bitten die Chefärzte, Sovuksu selbst zu befragen, welche Chefärzte ihn zur Kandidatur gedrängt hätten. Weiche er erneut aus oder weigere sich, konkrete Namen zu nennen, würde dies „einen grundlegenden Vertrauensbruch darstellen, der einer vertrauensvollen Zusammenarbeit in jeder Hinsicht widersprechen würde“.

„Uns Ärzten ist daran gelegen, das Kuratorium wissen zu lassen, dass wir in keiner Weise in die Verflechtungen rund um die Fördervereins-Vorstandswahl eingebunden waren“, betont Prof. Marc Horlitz, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Elektrophysiologie und Rhythmologie und stellvertretender Ärztlicher Direktor. Zum Glück hätten die Irritationen rund um die Fördervereins-Vorstandswahl auf den Alltag im Krankenhaus „nicht die geringste Auswirkung“. Dennoch sei es für die Mitarbeiter und viele dem Krankenhaus verbundene Menschen in Porz wichtig zu erfahren, dass nicht die leitenden Ärzte hinter diesen Vorgängen steckten.

„Wir haben bisher eine sehr gute und konstruktive, parteiübergreifende Zusammenarbeit gepflegt“, sagt Krep über das Miteinander im Förderverein und im Beirat. Das müsse zum Wohl des Krankenhauses und der Patienten auch so bleiben. Das Krankenhaus und der Förderverein dürften nicht „Objekt parteiinterner Zwistigkeiten“ werden.

Umstrittene Sitzung

Das Kuratorium des Krankenhauses Porz am Rhein, einziges Organ der Krankenhausstiftung, die Träger des Hauses ist, tagte am 1. Juli unter Leitung von Ratsmitglied Ralf Unna (Grüne). Im Kuratorium sitzen sieben Mitglieder aus Rat und Verwaltung sowie vier Mitglieder aus dem Krankenhaus-Förderverein. Es trifft alle wichtigen Entscheidungen fürs Krankenhaus, unter anderem die Besetzung von Chefarztposten.

Der Tagesordnungspunkt, der sich mit dem Vorschlag für ein neues Beirats-Mitglied aus den Reihen des Fördervereins befasste, wurde von der umfangreichen Tagesordnung genommen und vertagt. Die vier im Kuratorium vertretenen Mitglieder des Fördervereins, die noch aus der vorhergehenden Wahlperiode des Vereins stammen, hatten sich nicht auf Werner Marx (CDU) einigen können.

Marx war bei den turbulenten Wahlen im Förderverein, die durch vorgelegte Stimm-Vollmachten nicht anwesender, neu geworbener Mitglieder entschieden wurde, für einen Sitz im Krankenhausbeirat vorgeschlagen worden. Der Beirat kontrolliert die Geschäftsführung, insofern ist ein Posten in diesem Gremium sehr einflussreich.

Das Vorgehen von Marx und dem mit den selbst von beiden mitgebrachten Stimmen gewählten neuen Fördervereinsvorsitzenden Kemal Sovuksu bei der Vorstandswahl hatte eine Welle der Empörung ausgelöst und für Verunsicherung gesorgt. (bl)