Vielfalt und Toleranz durch Sprache

Imposantes Gebäude: die Grundschule in Humboldt/Gremberg
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Humboldt/Gremberg – So ist das in diesen Tagen: Da hätte man einen echten Anlass zum Feiern, darf es aber nicht. In der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Westerwaldstraße zum Beispiel freuen sich Schüler, Lehrer und Eltern darüber, dass der Status der GGS als Europaschule kürzlich von der Landesregierung zum zweiten Mal bestätigt wurde. Und dann geht Helga Haldimann auch noch in den Ruhestand - nach 40 Jahren Tätigkeit als Schulleiterin in der Westerwaldstraße.
Aber Corona hat allen Plänen für ein großes Schulfest erst einmal einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht: „Meinen Abschied haben wir im Kreis der Kollegen begangen, mit Masken vor dem Gesicht. Ich hoffe, dass wir die Feier im Herbst nachholen können“, erzählt Haldimann. Einen bewegenden Abschiedsbrief an die Schüler hat sie aber auf die Homepage der Schule gestellt.Eine besondere Schule war die GGS schon, als Helga Haldimann 1990 ihren Dienst in dem imposanten, aus dem Jahre 1910 stammenden Gebäude antrat. Bereits ab 1989 wurde dort, zunächst noch in Kooperation mit einer Förderschule, das „Gemeinsame Lernen“ von Schülern mit und ohne Handicap eingeübt, seit 1996 darf sich die GGS offiziell „Schule für Gemeinsamen Unterricht“ nennen. Heute ist das Konzept unter der Bezeichnung „Inklusive Schule“ in aller Munde.
1996 war Helga Haldimann schon seit einem Jahr Schulleiterin, und ihre GGS entwickelte sich weiter. Seit 2003 hat sie einen bilingualen Zweig, was konkret bedeutet, dass die vierzügige Grundschule in jedem Jahrgang eine Klasse hat, in der Sachunterricht in zwei Sprachen erteilt wird, in Deutsch und Italienisch. Daneben können Schüler aber auch den Herkunftssprachlichen Unterricht in Anspruch nehmen, sie haben dann in zusätzlich zwei bis drei Stunden pro Woche Unterricht in türkischer Sprache.
„Mehrsprachigkeit war uns immer wichtig, damit die Schüler Verständnis und eine Offenheit für andere Kulturen entwickeln“, erklärt Helga Haldimann. Englisch gehört ohnehin zum Pflichtprogramm, AGs für Französisch, Kurdisch oder Spanisch werden ebenfalls angeboten. Dann fiel jemandem auf, dass die GGS mit diesem Profil schon einen Großteil der Anforderungen für das Gütesiegel „Europaschule“ erfüllte. Sie erhielt es 2009 als erste Grundschule Kölns. Wie bei den anderen Europaschulen auch, wird regelmäßig alle fünf Jahre überprüft, ob die Bedingungen erfüllt sind. 2007 kam noch das Präventionskonzept „Gewaltfrei Lernen“ hinzu.
Insgesamt eine pädagogische Ausrichtung, die insbesondere im Stadtteil Humboldt/Gremberg, in dem Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft leben, sinnvoll erscheint. Die 365 – ab dem neuen Schuljahr 391 - Schüler stammen aus 40 Nationen, und Helga Haldimann betont, dass zwar Europa und die europäische Idee noch recht abstrakte Begriffe für Grundschüler sein dürften: „Aber dass ich den Respekt, den ich mir von anderen wünsche, auch für meine Mitschüler aufbringen muss, die vielleicht eine andere Sprache sprechen, das verstehen sie sehr gut.“
Die Schwerpunktsetzungen sind auch über den Stadtteil hinaus attraktiv: „Unsere Schule wird zum Teil von Schülern aus Kalk oder Vingst besucht, einige kommen sogar aus Dormagen oder dem linksrheinischen Köln“, sagt Haldimann stolz. Trotz dieser Erfolge wird ihre Nachfolgerin und bisherige Konrektorin Frauke Solle demnächst eigene Projekt angehen können: „Wir benutzen die Sporthalle des benachbarten Georg-Ohm-Berufskollegs mit, aber eine eigene Halle wäre sehr sinnvoll“, sagt Helga Haldimann.
Auch mit dem letzten Anbau von 2007 sei das Problem nicht behoben: „Wir bräuchten dringend Räume für den Differenzierungsunterricht, und das Personal der Offenen Ganztagsschule hat keinen eigenen Aufenthaltsraum.“
Helga Haldimann, Rektorin

