Nachdem in den Westhovener Auen nach Kampfmitteln im Boden gesucht wurde, sind die Wege teilweise zerstört. Anwohner wundern sich über die Aktion.
Ärger in Köln-PorzDer Rundweg in der Westhovener Aue wurde teilweise zerstört

Beim Graben nach Kampfmitteln sind tiefe Löcher im gerade frisch sanierten Rundweg entstanden, die zum Teil gar nicht oder nur unzureichend verfüllt und geebnet worden sind.
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Erholungssuchende in den Westhovener Auen waren sehr froh, als im vergangenen Jahr nach langen, aufwändigen Bauarbeiten der Rundweg frisch saniert war. Mit einer glatten, wassergebundenen Decke lud er gleichermaßen Menschen mit Rollatoren, Kinderwagen, Spaziergänger und Radler ein. Doch nach wenigen Monaten war es vorbei mit der Herrlichkeit. „Kaum war der Weg fertig, wurde er schon wieder zerstört“, sagt Günter Temp, der dort oft mit dem Fahrrad unterwegs ist. Er verweist auf tückische, wassergefüllte Krater, notdürftig aufgefüllte Vertiefungen und schlammige Unebenheiten. An Dutzenden Stellen ist zu sehen, dass hier der Boden aufgebrochen und nur mit mäßigem Erfolg neu geebnet wurde. Schwere Fahrzeuge haben zusätzlich ihre Spuren auf dem für Erholungssuchende gedachten Weg hinterlassen.
Auf Anfrage dieser Zeitung teilt das Presseamt der Stadt Köln mit, dass in der Westhovener Aue derzeit staatliche Kampfmittelüberprüfungen durchgeführt werden. Das Gelände gehörte in der Vergangenheit erst zu deutschen, später zu belgischen Kasernen und wurde für militärische Übungen genutzt. Nach einer Einschätzung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Rheinland der Bezirksregierung Düsseldorf lägen für das Areal Hinweise auf eine mögliche Kampfmittelbelastung vor, machte Stadtsprecher Robert Baumanns deutlich. Wie lange die Untersuchung einschließlich Beseitigung eventuell gefundener Kampfmittel dauern werde, sei noch nicht konkret abzusehen. „Die Kampfmittelüberprüfungen tragen zur Sicherheit der Bevölkerung bei und haben darüber hinaus keinerlei Auswirkungen auf das Naherholungsgebiet“, heißt es in der städtischen Stellungnahme. Zu den Kosten der erst kurz zuvor abgeschlossenen Wegebaumaßnahmen und einer möglichen Kostenübernahme bei einer Wiederherstellung – falls das erfolgen soll – äußert sich das Presseamt nicht.

Der Kampfmittelräumdienst hat in den Westhovener Auen nach im Boden verborgenen Munitionsresten gesucht. Harmlose metallene Fundstücke legen jetzt am Wegesrand.
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Bei allem Verständnis für die Sicherheit der Bevölkerung bleibt die Reihenfolge der Arbeiten für Günter Temp und andere Nutzer des Naherholungsgebietes ein Ärgernis. „Dass in diesem Gebiet Kampfmittelreste vermutet werden, ist ja keine neue Erkenntnis,“ sagt Temp. Seit die Stadt das ehemalige Militärgelände im Jahr 2002 gekauft hat, wurden dort Gebäude abgebrochen, Wiesen angelegt und auentypische Gehölze gepflanzt. Schon 21 Jahre lang ist das Gelände für die Öffentlichkeit freigegeben. Wegen der vermuteten Kampfmittelrückstände war das Betreten außerhalb der ausgebauten Wege immer verboten, wie Nutzerinnen und Nutzer auf Schildern lesen konnten.
Was unter dem Rundweg im Boden verborgen war, wo holprige Verfüllungen an die Grabungen erinnern, liegt jetzt am Wegesrand. Haufen rostiger Eimer, kaum noch erkennbare Fahrzeugteile, Metalldeckel, Drahtrollen und andere Gegenstände aus Metall haben die Detektoren aufgespürt. „Es ist mir unverständlich, warum ausgerechnet jetzt im Bereich der Wege nach Kampfmitteln gesucht wurde. Wenn dort aktuell eine Gefahr bestand, dann gab es die doch wohl auch schon vorher“, sagt Temp und fragt: „Hätte man die Arbeiten nicht durchführen können, ehe für viel Geld die Wege neu befestigt wurden?“ Die mangelhafte Koordination der Arbeiten müssten jetzt die Nutzerinnen und Nutzer ausbaden, die Kosten erneut die Steuerzahler tragen.
