Prozess in KölnVideo von Raser-Unfall schockt Zuschauer im Gerichtssaal

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Raser Unfall aachener Straße

Das Rad des Opfers, Gianluca D., liegt nach dem Unfall im Juli 2015 völlig zerfetzt auf dem Zebrastreifen.

Köln – Etliche Zuschauer durchfuhr der Schreck, manch einer stöhnte auf, eine Frau begann zu schluchzen: Im „Raser-Prozess“ gegen Arman J. (27), wurde am Mittwoch ein Video der Kamera gezeigt, mit der das Immobilienunternehmen Corpus Sireo den Eingangsbereich seines Gebäudes an der Kreuzung Aachener/Innere Kanalstraße überwacht.

Auf dem Film ist der Unfall festgehalten, durch den Gianluca D. (26) am 10. Juli 2015 auf einem Fahrrad ums Leben kam.

Der weiße BMW, an dessen Lenkrad Arman J. saß, scherte aus und raste frontal gegen ihn. Der Fußgänger, der mit an der Ampel gestanden hatte, war knapp vorher zurückgewichen und wurde nicht erfasst. Gianluca D. starb drei Tage später im Krankenhaus.

Vor dem Abspielen des Videos hatte der Vorsitzende Richter Benjamin Roellenbleck vor der Drastik der Bilder gewarnt. Doch Gianluca D.s Mutter blieb als Nebenklägerin im Saal und ertrug es, die Aufnahme zu sehen.

Später hatte sie Gelegenheit, sich über ihren Sohn zu äußern, und sagte gefasst, er sei sehr lebenszugewandt und wegen seiner kommunikativen Art im Viertel „bekannt wie ein bunter Hund“ gewesen.

Log-Daten des BMW als Beweis

Erneut deutlich wurde, dass Arman J. wiederholt mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Innestadt gefahren war. Das belegen beim Fahren des Leih-BMW aufgezeichnete Log-Daten. Demnach beschleunigte er den Wagen so, dass er mal über 80, im Bereich der Lindenstraße sogar über 100 Stundenkilometer schnell war.

Einsilbig äußerte sich im Zeugenstand der Freund des Angeklagten, der bei der Unfallfahrt neben ihm gesessen hatte und sich vorsichtshalber von einem Anwalt helfen ließ.

War überhöhtes Tempo Ursache des Unfalls oder der Umstand, dass die Fahrerin eines Mini vor ihnen abrupt einscherte? Diese Frage könne er nicht beantworten, sagte der Zeuge. „Rein theoretisch hätte ich ihn verklagen können“, äußerte er sich dazu, dass er als Beifahrer seines Freundes mitgefährdet war, „aber dann würde er Selbstmord begehen.“

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