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An der FuhrSackgasse soll Prostitution stoppen

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Nicht nur ein Spielplatz, sondern auch zwei Kitas grenzen an die Straße An der Fuhr in der Hochhaussiedlung.

Meschenich – Die Straße "An der Fuhr" führt mitten durch die Hochhaussiedlung Kölnberg in Meschenich. Ein Kinderspielplatz, Mittelpunkt der Siedlung, und zwei Kindertagesstätten liegen an ihrem Rand. Mit dem Beschluss, die Durchfahrt durch die Straße zu sperren, will die Bezirksvertretung Rodenkirchen gleich mehrere Probleme lösen. Die Mitglieder des kriminalpräventiven Rates, der sich aus Vertretern von Polizei, Gesundheitsamt, Ordnungsamt, Politik, Hausverwaltung, Kita-Leitung und Sozialarbeitern zusammensetzt, haben den Vorschlag bei einer Besichtigung vor Ort entwickelt. Zunächst soll die Straße testweise für sechs Monate durch Metallpoller oder Betonkästen versperrt werden.

Zum einen kann, wenn die Straße blockiert ist, dort nicht mehr gerast werden. Zum anderen können Lkw-Fahrer ihre langen Gefährte nicht mehr An der Fuhr parken, weil es nicht viel Platz zum Wenden gibt. Einige Kraftfahrer, die vermutlich Verwandte oder Bekannte am Kölnberg haben, übernachten hier und nutzen die Sträucher in der Straße als Mülleimer oder Toilette, heißt es aus dem Gremium. Nicht zuletzt erhoffen sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe, dass auch weniger Freier um die Häuser kreisen.

Sperrbezirk wenig erfolgreich

Sabine Reichert vom Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) ist seit 2011 am Kölnberg tätig, seit der Sperrbezirk auf Meschenich und tagsüber auch auf die Brühler Landstraße erweitert wurde. Sie und ihre Kollegen kümmern sich um eine Gruppe von zehn bis 15 schwerst drogenabhängigen Frauen, die in ihren Appartments Freier empfangen und auch auf der Straße stehen – zur spontanen Anbahnung. „Es ist mit dem Sperrbezirk nicht gelungen, die Frauen zu vertreiben“, sagt Reichert.

Zwar ist seitdem die Prostitution aus dem Meschenicher Straßenbild verschwunden. Der Beschluss wird deshalb als großer Erfolg gesehen, auch zwei Jahre später. Klar war aber schon damals, dass ebendiese Gruppe der drogenabhängigen Frauen ihre Tätigkeit wohl kaum an den nahe gelegenen Wohnwagenstrich am Eifeltor verlegen würde. Die Frauen würden dort nicht akzeptiert, so die Vermutungen, und in das Wohngebiet verdrängt. Versuche, ihnen mit einem Fahrdienst wenigstens den Weg dorthin oder zu den sogenannten Verrichtungsboxen an der Geestemünder Straße in Niehl zu erleichtern, scheiterten mangels Akzeptanz.

Wirkung umstritten

„Die Prostitution wird nicht ganz verschwinden“, sagt Sozialarbeiterin Reichert, „weil die Frauen dort wohnen. Aber auf gar keinen Fall soll das vor dem Gelände der Kita stattfinden“. Sie würden die Frauen zwar darauf hinweisen – jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Für die Kita sei die Sperrung der Straße eine gute Lösung. Die Prostitution lasse sich damit nicht verhindern. „Wir versuchen langfristig, den Frauen Wege aus der Sucht aufzuzeigen und sie vom Kölnberg wegzubringen. Aber das braucht Zeit“, sagt Reichert.

Werner Frötel vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik wird mit seinen Kollegen den Vorschlag prüfen, glaubt aber, dass letztlich nur stärkere Kontrollen die Prostitution verhindern werden. Er gibt zu bedenken, dass die Sackgassen, die durch die Sperrung der Straße entstehen würden, vielleicht die Anbahnung sogar begünstigen könnten. Dies müsse während der Probezeit genau beobachtet werden. Um später die Sperrung bei Bedarf wieder rückgängig machen zu können, müssten die Absperrelemente gut gewählt werden, so Frötel.