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AusstellungPolnische Kunst im Hahnwald

2 min

Galeristin und Sammlerin Daria Kupka-Simon mit einer Skulptur von Tadeusz Lodziana.

Rodenkirchen – Ihre erste Ausstellung hat sie vor mehr als zehn Jahren in der Praxis einer Freundin ausgerichtet – und war erstaunt, wie viel Kunst sie verkauft hatte. „Warum zeigt denn keiner polnische Kunst“, fragte sich die gebürtige Polin, die in Köln studiert hat, „aber ich hatte kein Geld für eine Galerie“. Heute führt Daria Kupka-Simon ihre eigene Galerie, organisiert Ausstellungen für große Unternehmen und besitzt inzwischen selbst eine vorwiegend polnische Kunstsammlung. Fündig wird sie hauptsächlich in Krakau. Mit der dortigen Kulturwelt, etwa der Akademie der Bildenden Künste, pflegt sie einen regen Austausch. Deshalb heißt die Galerie „Ars Crocovia“.

Das Haus im Hahnwald ist für die Kunst gebaut, im Garten stehen Plastiken des Kölner Künstlers Dennis Thies, neben dem altertümlichen Klavier im Wohnraum stehen drei Musikanten des polnischen Naiven Eugeniusz Zegadlo, auf der Galerie und den diversen Emporen Plastiken des 1920 geborenen Bildhauers Tadeusz Lodziana, elegante Frauenkörper mit weichen, glänzenden Oberflächen. Wohnen und Ausstellen sind nicht strikt getrennt, „Kunst ist etwas Selbstverständliches, die Familie gehört dazu, und die Kinder wissen damit umzugehen“, sagt Kupka-Simon. Weil sie weiterhin Ausstellungen für Firmen kuratiert, ist die Galerie nur nach Voranmeldung zu besuchen.

Eine Frage der Perspektive

Ihr jüngstes Projekt hat mit Polen nichts zu tun, der Künstler kommt aus Hannover. Kennengelernt hat sie Marc Theis auf einer Tournee der Scorpions. Er begleitete die Band auf ihren Konzerten und produzierte daraus einen Foto-Band, „schwarz-weiß im typischen 80er Jahre Rock ’n’ Roll-Stil“. 2004/2005 fotografierte Theis in den ehemaligen Hallen der Continental Fabrik Hannover – ein Freund hatte ihn auf die fantasievollen Graffitis aufmerksam gemacht, die es heute, nach dem Abbruch der Industriebrache, nicht mehr gibt. In den Duschräumen steht eine schwarze Schönheit unterm Brausekopf, Schaltkästen spielen Vater, Mutter, Außerirdische haben sich zu einer Polonaise immer an der Wand lang positioniert. Eine Auswahl der unter dem Titel „Lost in time“ stehen Aufnahmen sind in den Räumen von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers ausgestellt.

Im Hahnwald geht es ebenfalls spielerisch zu. Theis hat alte Spielzeugautos fotografiert, digital, „aber ohne Fotoshop, ohne Bearbeitung“. Sie sehen aus, als wären sie in Bewegung, hauptsächlich eine Frage der Perspektive. „Die Fotos sollen echt sein, es wird schon genug manipuliert.“ Die Schätzchen hat er sich von Sammlern ausgeliehen, die Umgebung findet er im direkten Umfeld, im Garten, auf einer Baustelle. „Ich habe immer ein Auto in der Tasche.“ Er könnte ja ein spektakuläres Ausflugsziel für die Mini-Oldtimer finden.