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BadeunfälleKeine Warnung vor der Strömung

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Die Idylle trügt: Auch die jungen Kajakfahrer haben mit der Strömung des Flusses zu kämpfen.

Rodenkirchen – Ein warmer Sommerabend Anfang August. Jugendliche Touristen aus England haben sich ein idyllisches Plätzchen am Sandstrand bei Camping Berger ausgesucht. Voller Übermut rennen plötzlich zwei junge Männer ins seichte Wasser, das so trügerisch ruhig und harmlos wirkt zwischen den Buhnen. Einer von ihnen wird von der Strömung unter Wasser gezogen. Zwei Stunden suchen Rettungskräfte erfolglos nach dem jungen Mann.

„Nachdem am Sonntagabend bereits ein Junge ertrunken ist, war dies innerhalb von 24 Stunden das zweite Todesopfer, welches beim Baden im Rhein ums Leben gekommen ist“, steht später im Protokoll der Freiwilligen Feuerwehr Rodenkirchen, die an der Suche beteiligt war. „Die Feuerwehr warnt in diesem Zusammenhang ausdrücklich vor den Gefahren beim Baden im Rhein“, ist dort weiter zu lesen.

Für jeden verständliche Warnschilder

In der Bezirksvertretung Rodenkirchen hat nun die FDP-Fraktion einen Antrag eingebracht und das Aufstellen von Warnschildern gefordert. Sie sollten an besonders gut besuchten Strandbuchten am Rodenkirchener Rheinufer postiert werden. „Fünf oder sechs Gefahrenhinweise dürften wohl nicht zu teuer sein“, sagte FDP-Vertreter Karl Wolters. Es dürften aber keine abstrakten Badeverbotsschilder sein, sondern Bildsymbole, die auch Kinder verstehen, die noch nicht lesen könnten, oder ausländische Gäste ohne deutsche Sprachkenntnis. Allein Frank Theilen-von Wrochem von den Grünen stimmte dem FDP-Antrag zu. Die große Mehrheit des Stadtteilparlaments lehnte ihn ab.

„Ein Schild bringt nichts“, lautete der Grundtenor. „Ich bin überzeugt, dass jeder weiß, wie gefährlich der Rhein ist“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Rafael Struwe. Man solle ohnehin nie in unbekannte Gewässer gehen, meinte Christoph Schykowski von der CDU. „Die Leute lassen sich nicht einmal von Todesfällen abschrecken und baden weiter im Rhein“, argumentierte Marion Heuser von den Grünen.

Skeptisch bezüglich der Wirksamkeit von Warnschildern zeigte sich auch Susanne Berger vom Campingplatz Berger. In Ermangelung offizieller Schilder hatten die Betreiber zeitweise in Eigeninitiative Zettel und Zeitungsausschnitte mit Berichten von Badeunfällen aufgehängt. „Sie hingen an der Rezeption, an den Dusch- und Toilettenräumen, und eigentlich müssten auch die Jugendlichen sie gesehen haben“, sagt Susanne Berger. Unter Umständen hätten sie die deutschen Texte aber nicht verstanden.

Larissa Gottfeld: „Ich gehe höchstens bis zum Bauchnabel ins Wasser. Wenn ich dann die Strömung an den Füßen spüre, gehe ich wieder ein paar Schritte Richtung Ufer. Angst habe ich aber keine.“

Daniel Düker: „Wenn meine zwei Kinder ins Wasser gehen, stehe ich immer daneben. Das ist für mich dann auch stressig, geht aber nicht anders. Ich wäre dafür, bewachte Badezonen einzurichten.“

Alice Thomas: „Die Risiken sind leider nicht richtig greifbar, das macht es wohl auch so gefährlich. Ich war selber noch nie im Rhein, richtig schwimmen würde ich mit meinen kleinen Kindern auch nicht.“

Christian Happerschoß: „Ich war schon als Kind im Rhein schwimmen. Auch früher gab es Unfälle. Viele unterschätzen die Gefahr, die von der Strömung ausgeht. Richtig weit würde ich heute nicht mehr reingehen.“

Dagmar Dahmen vom Amt für öffentliche Ordnung sieht „keine Möglichkeit“, Schilder aufzustellen. Bereits 2003 habe es einen ähnlichen Antrag gegeben, berichtete sie in der Sitzung der Bezirksvertreter. Nach der Prüfung des Vorschlags habe die Verwaltung schon damals keinen Bedarf erkannt. Zudem sei das Wasser- und Schifffahrtsamt als Eigentümerin der Strandregionen zuständig für das Aufstellen von Schildern. Die Bundesbehörde könne von der Stadtverwaltung nicht dazu verpflichtet werden.

2013 vier Todesopfer im Rhein

Offenbar hat die Verwaltung es aber noch gar nicht versucht. Denn andernorts, etwa in Bonn, gibt es Warnschilder. Darauf wies Karl-Heinz Daniel (FDP) hin. In Bonn habe die Verwaltung keine Bedenken, entsprechende Warnhinweise zu postieren, dort gebe es auch keine Badeunfälle, sagte er.

Bereits Mitte Juli war ein 23-Jähriger an der Kribbenspitze am Rodenkirchener Rheinufer auf Höhe des Hochhauses ertrunken. Allein im Sommer 2013 forderte der Rhein vier Opfer. In einem Selbstversuch hat ein Mitarbeiter dieser Zeitung erlebt, wie gewaltig die Strömung und wie groß die Ohnmacht gegen die Macht der Fluten ist. Und er hat darüber eindringlich berichtet. Trotzdem wird die Gefahr durch unberechenbare Strudel und Strömungen immer wieder unterschätzt und nicht beachtet. An der Sürther Panzerrampe sind sogar junge Eltern zu beobachten, die ihren Kleinkindern zusehen, wie sie mit dem Bobbycar ins Wasser düsen. Sie zollen dem „Rennfahrer“ Beifall, der es mit seinem Spielauto am weitesten in den Fluss schafft.