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Legale GraffitiVerschönern statt zerstören

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Sprecher des Jugendforums Yannick Breuer

Rodenkirchen – Mit seinem ersten Antrag war das Jugendforum in der Bezirksvertretung Rodenkirchen auf Anhieb erfolgreich. Das junge Gremium hatte die Verwaltung gebeten, legale Flächen für Sprayer an einem sozial kontrollierten Standort bereitzustellen. Bei den Planungen solle die Stadt möglichst mit dem Verein Mittwochsmaler zusammenarbeiten, forderten die Nachwuchspolitiker in ihrem Antrag.

Die Fraktionen hatten ihn als gemeinsamen Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung gesetzt und beschlossen ihn einstimmig. Einige CDU-Mitglieder sowie Bernd Schöppe von pro Köln enthielten sich der Stimme. Das Jugendforum, dem rund 30 Jugendliche aus weiterführenden Schulen im Bezirk angehören, nahm damit erstmals seit der Gründung in diesem Frühjahr direkten Einfluss auf Stadtteilpolitik.

Beim Sprayen könnten sich Jugendliche künstlerisch ausdrücken, argumentierte Yannik Breuer, der Forumsvorsitzende. Die Kunstform verschönere das Stadtbild, außerdem führe das legale Sprayen dazu, unzulässige Schmierereien auf privaten und öffentlichen Mauern zu vermeiden. Letztlich würden dadurch auch die Kosten für die Reinigung der verschmutzten Flächen sinken.

Das Jugendforum habe sich mit den Mittwochsmalern ausgetauscht, die sich seit Jahren um Jugendliche aus der Spraykunstszene kümmern, so Breuer. Der Verein habe zugesichert, das Projekt in Rodenkirchen pädagogisch und professionell zu betreuen.

Künstler sollen nicht diskriminiert werden

Auch der stellvertretende Forumsvorsitzende, Matthias Thiemermann kämpfte mit Worten für den Antrag: „Künstlerisch begabte Leute dürfen nicht kriminalisiert werden, sondern sie sollen ihr Hobby öffentlich sichtbar ausüben dürfen“, sagte er. Was die Finanzierung betrifft, hofft das Jugendforum auf Zuschüsse aus bezirksorientierten Mitteln der Bezirksvertretung und auf Unterstützung des Jugendamtes oder andere Organe der Jugendarbeit.

Eberhard Petschel (Grüne) war der erste, der das Projekt begrüßte. Vor drei Jahren – er war damals Bezirksbürgermeister – hatte Petschel seine Hofeinfahrt von den professionellen Graffitikünstlern „daiker“ und „morbit“ besprühen lassen als Zeichen dafür, dass Graffiti die Wände verschönere und nicht zerstöre, wie oftmals kritisiert wird.

Zu der Zeit, im April 2010, hatte die Verwaltung selbst vorgeschlagen, mehr legale Sprayflächen anzubieten. Die Bezirksvertretung hatte der Idee zugestimmt. Getan habe sich aber nichts, bedauerte Petschel und zeigte sich skeptisch. Er empfahl dem Jugendforum, hartnäckig zu bleiben. „Ich wünsche den Jugendlichen, dass sie nicht den gleichen Frust wie wir erleben müssen“, sagte er.

Bezirksbürgermeister Mike Homann (SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass der Antrag gute Chancen auf Umsetzung habe. Es handele sich um ein Jugendkulturprojekt, und ein solches pädagogisches Projekt würde gemeinhin von der Stadt begleitet. Rafael Struwe, der SPD-Fraktionsvorsitzende, lobte vor allem die gute Vorbereitung des Antrags.

Amt zeigt sich wenig begeistert

Grundsätzlich positiv äußerte sich auch der Seniorenvertreter Eduard Mermagen. Willkürliche Schmierereien seien nicht hinnehmbar. Aber wenn die Verwaltung und das Jugendforum gemeinsam nach geeigneten Plätzen fürs Sprayen suchen wollten, sei das eine gute Sache. Monika Roß-Belkner, die CDU-Fraktionsvorsitzende, wies allerdings darauf hin, dass die Verwaltung wohl kaum über private Flächen entscheiden könne und dürfe.

Wenig begeistert zeigte sich dagegen Dagmar Dahmen vom Amt für öffentliche Ordnung. Legale Sprühflächen würden erfahrungsgemäß nicht dazu führen, dass es andernorts weniger Schmierereien gebe. Sie schlug vor, dass die Verwaltung große Platten zur Verfügung stelle, die besprüht und dann archiviert und später im Rahmen einer Vernissage ausgestellt werden sollten. Zu diesem Vorschlag äußerte sich Yannik Breuer zunächst nicht. „Die weltoffene Künstlerstadt Köln darf sich dieser Kunstform nicht verschließen“, meinte er stattdessen und kündigte Hartnäckigkeit an: „Wir bleiben an der Sache dran“, sagte er.