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Menschen im VeedelKölner Musiklehrerin weiß: „Es gibt auch Brummer“

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Astrid Bohnenstengel lernt gerade selbst noch ein neues Instrument: das Saxophon.

RodenkirchenFrau Bohnenstengel, seit fast dreißig Jahren leiten Sie die Regionalschule in Rodenkirchen und unterrichten auch selbst noch. Wird das nicht irgendwann langweilig?

Für mich gehört die Musik zum Leben wie die Luft zum Atmen. Schon als Kind wollte ich unbedingt Cello lernen. Mein Hobby habe ich dann zum Beruf gemacht. Und es waren letztlich glückliche Umstände, dass die Stelle an der Regionalschule frei wurde. Interessierten Kindern die Musik nahe zu bringen, bereitet mir immer noch sehr viel Freude. Ich würde alles genauso wieder machen. Abgesehen davon entwickeln wir immer wieder neue Projekte. Mir kann gar nicht langweilig werden.

Welche Projekte?

Wir führen zum Beispiel Musicals auf. Ich denke da an „Ritter Rost“ oder an den „Gespenster-Ball“. Das war im Jahr 2014 ein Projekt zusammen mit Oper und Musikhochschule. Für nächstes Jahr studieren wir die Kinderoper „Hänsel und Gretel“ ein mit Solisten und dem Chor vom Humboldt-Gymnasium. Das Casting läuft derzeit. Und ich leite auch noch den Frauenchor „Luzie“.

Was ist so schön am Musizieren und Singen?

Musik befreit und bewegt. Man fühlt sich einfach gut. Das ist das Wesentliche.

Meistens ist das Lernen eines Instruments doch überwiegend harte Arbeit. Macht das den Kindern überhaupt Spaß?

Kinder erleben schnell den Erfolg, wenn sie regelmäßig üben. Das müssen täglich nur zehn Minuten sein. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Aber die Eltern müssen ihren Kindern zuhören und ihre Arbeit wertschätzen. Beim Einzelunterricht sind manche Kinder glücklich, weil sie jemand ganz für sich alleine haben. Das Musizieren in der Gruppe fördert andererseits das soziale Miteinander. Schüchterne werden aus der Reserve gelockt, die Forschen lernen, sich zurück zu nehmen im Ensemble.

Können Geige und Co heute noch als Freizeitbeschäftigung konkurrieren mit Geräten wie Smartphone und Computer?

Natürlich ist es cool, sich ein Musikvideo aus dem Internet herunter zu laden. Das ist ja auch viel einfacher als selber ein Instrument zu spielen. Aber wir bieten ständig neue Motivationsschienen an. Das Spielen im Ensemble ist für die meisten Kinder ein tolles Klangerlebnis, ein schönes Gefühl von Gemeinschaft. Die Nachfrage nach individuellem Musikunterricht ist nach wie vor da. Das zeigen auch die privaten Musikschulen, die sich zahlreich gründen.

Sind eigentlich alle Kinder gleichermaßen geeignet für Musikunterricht?

Früher habe ich gedacht, dass jeder singen kann. Inzwischen weiß ich, dass es Brummer gibt, die kein Gespür für Töne entwickeln können. Aber ich bin eine lockere Chorleiterin. Ansonsten sind der Wille wichtig und die Lust auf ein Instrument oder das Singen. Eine gewisse musikalische Begabung ist natürlich von Vorteil. Diejenigen, die Blut geleckt haben, bleiben im Schnitt drei bis acht Jahre bei uns hier am Standort Gymnasium Rodenkirchen, manche bis zum Abitur. Zusätzlich unterrichten wir auch an den Grundschulen in Weiß und in Bayenthal.

Wie sieht Ihre persönliche Freizeitgestaltung aus?

Mit meinem Cello spiele ich in zwei Orchestern. Und ich lerne gerade Saxophon. Als gelernte Klassikerin will ich mir nun das Feld der Jazz-Musik erobern und einmal in einer Bigband spielen. Wie gesagt, Musik ist und bleibt mein Hobby.

Zur Person

Astrid Bohnenstengel leitet seit 1989 die Regionalschule Rodenkirchen der Rheinischen Musikschule Köln, an der derzeit rund 600 Kinder und Jugendliche unter Anleitung von 32 Lehrkräften musizieren.

Die 60-Jährige ist diplomierte Musiklehrerin mit Schwerpunkt Cello und Gesang. Sie hat in Köln studiert, und hat eine Tochter. Sie ist in Weiß aufgewachsen, wohnt seit kurzem in Bergisch Gladbach. Neben der Regionalschule Rodenkirchen leitet sie auch den Frauenchor „Luzie“.