Nach 40 JahrenKünstler müssen Kölner Wachsfabrik verlassen – Mieter wollen kämpfen

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Kunstwerke im Garten, ein sanierungsbedürftiger Treppenaufgang und ein Blick ins Atelier von Sebastian Probst

Kunstwerke im Garten, ein sanierungsbedürftiger Treppenaufgang und ein Blick ins Atelier von Sebastian Probst

Köln-Sürth – Die Zeiten, als in den Backsteingebäuden an der Industriestraße 170 tatsächlich noch Bleichmittel, Munition oder Kerzen hergestellt wurden, sind längst vorbei. Seit 1979 ist dort ein Kunstzentrum beheimatet, in denen Künstlerinnen und Künstler in insgesamt 24 Ateliers arbeiten und zum großen Teil auch wohnen. „Produziert“ wird dort also immer noch, aber keine Industrieware, sondern individuelle Kunst. Erhalten blieb allerdings der Charme der einstigen Fabrik in dieser Oase, die idyllisch hinter der Kita „My Dagis“ liegt.

Die Bauten sind teils mit viel Grün bewachsen, die Werkstattfenster sind bodentief, die Innenräume meterhoch. In einem kleinen Naturteich quaken im Sommer die Frösche. Im Zentrum gibt es „Ringos Café“ – ein Treffpunkt und nostalgischer Ort. Wer das Areal betritt, kommt in eine andere Welt, in eine stille und heile Welt möchte man meinen. Aber der Eindruck täuscht – es brodelt hinter den Kulissen.

Bis April müssen Künstler die Ateliers räumen

Denn der Fortbestand von zwölf Ateliers hängt am seidenen Faden. 20 Menschen sind betroffen und in ihrer Existenz bedroht. Ihnen hat der private Eigentümer und Vermieter vor geraumer Zeit gekündigt, bis Ende April sollen sie raus.

Das Objekt hat einen Sanierungsrückstand und scheint nicht mehr rentabel. Die Mieter, die sich schon vor Jahren zu einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) zusammengeschlossen haben und im hinteren Bereich des Geländes angesiedelt sind, mögen das nicht hinnehmen. „Unser Anwalt prüft derzeit den Kündigungsvertrag“, sagt Dierk Osterloh, der Geschäftsführer der GbR, der seit 25 Jahren in der Wachsfabrik arbeitet und lebt.

Die betroffenen Künstler entrichten bislang vergleichsweise geringe Mieten, deutlich unter zehn Euro pro Quadratmeter. Aber dafür haben sie mit privaten Mitteln soweit möglich immer wieder selbst saniert, Fenster abgedichtet, Stromleitungen gelegt, Oberlichter eingebaut, Altlasten entsorgt – und sie tun es immer noch. „Ich bin damals in eine leere Halle gezogen“, sagt zum Beispiel der Maler und Objektkünstler Manfred Wachendorf. Seine Lebensversicherung in Höhe von 250.000 Euro habe er verwendet, um die Halle in ein helles Atelier zu verwandeln, das er auch für Events anbietet. Im oberen Bereich wohnt er selbst. „Das Aus wäre ein Drama“, sagt er, zumal es kaum Wohnungen gebe und erst recht keine, die sich als Wohn-Ateliers eignen würden.

Bestandteil der Kölner Kulturszene

Abgesehen davon sei die Wachsfabrik ein „lebendiger“ Bestandteil der Kölner Kulturszene weit über den Kölner Süden hinaus. „Es ist hier so viel los und die Atmosphäre ist toll“, betont die GbR-Sprecherin Jeannette de Payrebrune. An jedem ersten Sonntag im Monat haben die meisten Ateliers geöffnet. Dann kämen jeweils bis zu 200 Besucher.

Letztlich zeigen sich aber Dierk Osterloh und Jeannette de Payrebrune trotz der zugespitzten Lage zuversichtlich, dass es doch noch zu einer Einigung mit dem Vermieter und damit zu einem Fortbestand der zwölf Wohnateliers kommen kann. Die GbR hofft dabei auf externe Unterstützung. Auf Anraten des Vereins „Kölner Kulturpaten“, mit dem Gespräche geführt werden, ist die GbR gerade dabei, einen Förderverein zu gründen. Sieben Mitglieder braucht es für die Vereinsgründung. Die Förderer sollten sich dafür einsetzen, den Bestand zu erhalten und weiter auszubauen. Osterloh und Payrebrune denken da etwa an ihre Nachbarn in den angrenzenden Stadtteilen Hahnwald und Rodenkirchen oder an andere Kunstinteressierte.

Nicht betroffen von den Kündigungen sind weitere zwölf Wohnateliers im vorderen Bereich des Areals, die nicht zur GbR gehören. Sie haben vor einigen Jahren mit dem Eigentümer Einzelverträge abgeschlossen. Zum Teil liege der Mietzins bei zwölf Euro pro Quadratmeter, heißt es. Für einige der Künstler sei das schwer und nur mit großen persönlichen Einschränkungen zu stemmen. Auf dem Gelände der Wachsfabrik ist auch das Choreographen-Netzwerk „Barnes Crossing“ angesiedelt. Die Tanzcompany wird unter anderem von der Stadt Köln gefördert.

Am Sonntag, 3. Februar, sind einige Ateliers von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Zu sehen sind Malerei, Objekte, Airbrush-Kunst, Schmuckdesign, Fotografie und Grafik.

www.kölner-wachsfabrik.de

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