Viele Gefahrenstellen14-jährige Kölnerin stürzt wegen tiefen Risses im Radweg – So reagiert die Stadt

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Der Radweg Sürther Straße vor der Einbiegung Eygelshofener Straße in Rodenkirchen, weist Rillen und Risse auf.

Durch die tiefe Rille im Radweg an der Sürther Straße geschah der Unfall.

Die Jugendliche bleibt mit dem Rad in einem tiefen Riss hängen: Wieso der Sürther Radweg schon so lange in schlechtem Zustand ist.

Mathilda liegt auf der Straße, neben ihrem Kopf rasen Autos vorbei. Sie ist mit dem Rad gestürzt. Die 14-Jährige hat einen nur wenige hundert Meter langen Heimweg nach dem Sport in den Hallen der Gesamtschule Rodenkirchen. Aber der kurze Weg über die Sürther Straße ist holprig, besonders vor der Einbiegung der Eygelshovener Straße. Mathildas Vorderreifen rutscht in eine tiefe Rille im Asphalt. Wie es in den Schienen der Straßenbahn passieren kann, bleibt Mathildas Rad plötzlich stecken. Deshalb landet sie auf der Straße, so erzählt sie es.

Ihr Vater Ralph Koßmann beschreibt, wie Mathilda ein paar Tage später noch immer anfängt zu zittern, wenn sie von dem Unfall am 9. März redet. Sie ist nicht nur darüber erschrocken, dass viele Autofahrende ihr nicht halfen, einfach im schnellen Tempo vorbeifuhren. Erschrocken ist Mathilda auch vom Radweg vor dem Schul- und Sportzentrum, über den so viele Jugendliche und Erwachsene jeden Tag fahren.

Fahrradunfall in Köln: Bauhof bessert Unfallstelle aus

„Wie ist es möglich, dass sich ein Radweg nunmehr seit Jahren in einem solch jämmerlichen Zustand befindet, obendrein an derart brenzliger und äußerst hoch frequentierter Stelle?“, schreibt ihr Vater an die Stadt. Die reagierte nun: Am Donnerstag nach dem Unfall besserte der Bauhof die Stelle provisorisch aus.

Zu sehen sind eine Straße und ein Radweg, auf dem ein Radfahrer fährt.

Die Rille, die Mathilda Koßmann stürzen ließ, ist nun ausgebessert. Die Sürther Straße wenige Meter weiter nicht.

Auf Anfrage heißt es von der Stadt, das Verkehrsmanagement habe eine punktuelle Ausbesserung der geschädigten Stellen des Radweges im Bereich der Gesamtschule bereits vor dem berichteten Unfall in Auftrag gegeben. Aber wieso reagierte das Amt erst jetzt, wo doch der Riss schon auf den Aufnahmen von Google Street View aus dem Oktober 2022 gut zu sehen ist? Ralph Koßmann sagt, die Stelle sei schon deutlich länger ein Problem. 

Die Stadt antwortet dieser Redaktion, der Riss sei wegen eines Aufbruchs des Radwegs über die vergangenen Jahre entstanden. Die „Vielzahl der Einzelschädigungen“ des Radweges vor der Gesamtschule auf einen Substanzverlust hindeuteten. „Solche Schwachstellen werden mittelfristig beseitigt.“ Also nicht vom Bauhof. Denn das überschreite die „betriebliche Unterhaltung“ und fordere eine dauerhafte Sanierung. „Bei sich entwickelnden Schäden“, so die Stadt, „besteht keine unmittelbare Gefahr“. Der Straßenkontrolldienst des Amtes für Verkehrsmanagement hatte ihn noch nicht als verkehrsunsicher vermerkt.

Radweg in Rodenkirchen schon seit Jahren aufgerissen

Obwohl der über Jahre aufgerissene Radweg die Gefahr umso gravierender macht, scheint seine Ausbesserung deswegen in eine andere Zuständigkeit und damit zeitlich nach hinten zu rücken.

Und die ging das zuständige Amt bisher nicht an, weil sowieso eine Umgestaltung der Sürther Straße ansteht. Allerdings erst in mehr als zwei Jahren: Ein Sprecher der Stadt schreibt, nach aktuellem Stand sei der Baubeginn für Ende 2026 geplant. Im Abschnitt zwischen Friedhof und Gesamtschule sowie der Eygelshovener Straße plant die Stadt, den Straßenquerschnitt anzupassen, den Gehweg und Parkstreifen zu verbreitern und auf beiden Seiten einen Fahrradschutzstreifen zu bauen.

Mathilda Koßmann und eine Begleiterin schauen auf die Rille im Radweg.

Mathilda Koßmann stürzte an dieser Stelle, als sie bei einem Ausweichmanöver mit dem Rad in die tiefe Rille geriet.

Die Rille, die Mathilda stürzen ließ, ist nun zugegossen. Doch der Radweg der Sürther Straße hat noch viele weitere Schäden. Nur zwanzig Meter weiter Richtung Zentrum, in der Abbiegespur für Autos auf die Eygelshofener Straße, schneidet noch immer ein ähnlich tiefer und langer Riss den roten Radstreifen ein. Dazu kommen unzählige Beulen und Vertiefungen.

„Wir haben einen hohen Altbestand an Radwegen in der Stadt“, sagt Christoph Schmidt. Der Vorsitzende des Kölner Kreisverbands vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) fordert: „Um den schneller zu sanieren, muss die Stadt mehr Mittel bereitstellen.“ Das sei aber nicht in Sicht. Dafür gibt es in Köln das Radwegsanierungsprogramm. Den vielen Radwegen im schlechten Zustand nach zu urteilen, kommt die Umgestaltung und Erneuerung dem Verfall der Wege nicht hinterher.

Die Stadt hat noch eine andere Aufarbeitung des Unfalls initiiert: Ralph Koßmann sagt, sie leitete seinen Brief an die Polizei weiter, die nun gegen die Autofahrenden, die an Mathilda vorbeifuhren, ermittle. Es sei Anzeige gegen Unbekannt erstattet worden, wegen unterlassener Hilfestellung und Gefährdung im Straßenverkehr. Während Mathilda auf der Straße lag, sei ein Auto rechts an ihr vorbeigezogen, über Rad- und Gehweg, ohne anzuhalten und ihr zu helfen.

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