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Tradition im Kölner SüdenSürther Maikönigin bleibt im Amt – Nachfolgerin abgesprungen

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Carolin Köhl gibt sich erneut die Ehre als Maikönigin.

Sürth – Carolin Köhl ist die Maikönigin 2019. Von ihrem Freund Ricardo Rosso wurde sie im Festzelt zur Bühne geleitet, wo sie das entsprechende Krönchen erhielt und standesgemäß gefeiert wurde. Die Abiturientin repräsentiert das Dorf Sürth ein ganzes Jahr lang bei Jubiläen, bei Festen der Dorfgemeinschaft, in Vereinen, Seniorenheimen, Schulen, Kitas und sonstigen sozialen Einrichtungen.

Sie wird von der Dorfgemeinschaft und den Maigrafen Maximilian Hegmann und Paul Desmond Engehorst unterstützt sowie von den Maigräfinnen Sofia Rivero Feidt und Janna Wirtz. Zum Erstaunen einiger Festgäste, denn Carolin Köhl war schon im vergangenen Jahr die amtierende Maikönigin von Sürth. Sie stellte sich jedoch spontan ein zweites Mal zur Verfügung, nachdem die eigentlich Nominierte aus familiären Gründen kurzfristig abgesagt hatte.

Frau Köhl, warum sind Sie ein zweites Mal als Maikönigin eingesprungen?

Es hat mir 2018 sehr viel Spaß gemacht. Und schon vor meiner neuen Ernennung hatte ich angedeutet, dass ich gut und gern noch ein weiteres Jahr dranhängen könnte. Es ist Zufall, dass es sich dann wirklich so ergeben hat.

Was gefällt Ihnen an der Rolle der Maikönigin?

Ich habe erlebt, wie leicht es ist, anderen Menschen durch meine Auftritte eine Freude zu bereiten. Und wenn sich die anderen freuen, überträgt sich die gute Laune auch auf mich. Außerdem habe ich noch dazu gelernt, was das Repräsentieren und das freie Sprechen vor Publikum anbelangt, obwohl ich grundsätzlich kein schüchterner Mensch bin. Ich muss sagen, dass ich mich immer wohl gefühlt habe und dass ich nie aufgeregt und unsicher war.

Einmal Königin sein – war das für Sie ein Traum?

Ein elegantes Kleid und ein Krönchen zu tragen, das gefällt mir tatsächlich. Aber vom Charakter her bin ich eher keine Prinzessin, sondern bodenständig. Meine Hobbys waren Triathlon, ich habe auch Fußball gespielt. Jetzt tanze ich bei einer Karnevalsgesellschaft, zurzeit noch zur Probe. Aber ich strenge mich an.

Sie haben sich eine neue festliche Robe in sattem Blau zugelegt. Das vorherige lindgrüne Kleid war doch auch sehr apart. Wieso der neue Look?

Wenn es diesmal schon kein neues Gesicht gibt, dann soll es wenigstens ein neues Kleid sein. Das hatte sich die Dorfgemeinschaft so ausgedacht. Das Geld, mit dem die Dorfgemeinschaft die Maiköniginnen ein wenig unterstützt, habe ich dann für das Kleid verwendet.

Sie stecken mitten im Abi-Stress. Haben Sie überhaupt Zeit für die Aufgaben als Maikönigin?

Im Juli werde ich für zwei Monate nach Costa Rica reisen und dort einen Freiwilligen Dienst leisten, wahrscheinlich im sozialen Bereich. In der Zeit kann ich natürlich keine Aufgaben als Maikönigin übernehmen. Wenn das duale Studium beginnt, wird genügend Zeit bleiben für das Ehrenamt, die meisten Repräsentationstermine finden am Abend und an Wochenenden statt. 30 Auftritte sind schon geplant.

Zur Person und zur Tradition

Carolin Köhl ist 17 Jahre alt, wohnt in Sürth und macht in diesem Mai gerade ihr Abitur am Irmgardis-Gymnasium. Im Herbst beginnt sie ein duales betriebswirtschaftliches Studium für Handelsmanagement an der Fachhochschule in Brühl und bei der Rewe-Group Köln. Seit kurzem tanzt sie bei den „Goldenen Lyskircher Hellige Knäächte und Mägde“. Schon im vergangenen Jahr repräsentierte sie als Maikönigin ihr Heimatdorf Sürth. (süs)

Von 1949 bis 1954 organisierten zwei Sürther Kegelclubs sowie Sürther Geschäftsleute erstmals die Wahl einer Maikönigin. Dann folgte eine mehrjährige Pause. Die Gründer der Dorfgemeinschaft Sürth nahmen diese Idee wieder auf und krönten 1958 ihre erste Maikönigin, Christa Flormann. Seitdem werden Maifest und Krönung jedes Jahr ohne Unterbrechung von der Dorfgemeinschaft Sürth durchgeführt. In der 62-jährigen Geschichte hatte erst ein einziges Mal eine Sürther Maikönigin ihre Aufgabe zwei Jahre hintereinander erfüllt – das war Ursula Fehrer in den Jahren 1971 und 1972, wie Ingrid Kupgisch von der Dorfgemeinschaft heraus gefunden hat. (süs)