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Wohnungen und Café geplantInvestor will neuen Ortsmittelpunkt für Köln-Weiß

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Michael Brodesser hat große Pläne für das Nachbargrundstück, das er der betagten Eigentümerin abgekauft hat.

Köln-Weiß – „Ich hatte voraus gesehen, dass das Dach einstürzen wird“, sagt Michael Brodesser. Er hatte die Feuerwehr alarmiert, der Straßenbereich wurde abgesperrt. Und dann brach das alte Fachwerkhäuschen an der Straße „Auf der Ruhr“ tatsächlich zusammen. Das war im Spätsommer des vergangenen Jahres. Bis zuletzt wohnte dort Anni Klebb, inzwischen ist sie im Seniorenwohnheim gut untergebracht.

Dem Nachbarn von gegenüber, Michael Brodesser, hat sie das 1250 Quadratmeter große Grundstück mit den alten Gebäuden verkauft, die in Form eines Vierkanthofes dort standen – „für 1050 Euro pro Quadratmeter“, sagt Michael Brodesser, der neue Eigentümer. Der 43-jährige gebürtige Weißer und Chef des gleichnamigen, alt eingesessenen Bestattungsunternehmens hat bereits eine klare Vorstellung, wie er das Grundstück nutzen möchte. In Anlehnung an die historische Bebauung möchte er einen „Dreikanthof“ mit einer Innenfläche errichten. Zehn barrierefreie Mietwohnungen oben und kleine Geschäfte und ein Café im Erdgeschoss. „Hier soll wieder die Dorfmitte sein und ein Ort entstehen, an dem man sich trifft“, so die Vision von Michael Brodesser, der sich weniger als Investor versteht, sondern als „Dorfkind“.

Michael Brodesser hat große Pläne für das Nachbargrundstück, das er der betagten Eigentümerin abgekauft hat.

„Ich hätte gern ein lebendiges Weiß“, betont der Bestatter weiter – nicht in Anspielung auf seinen Beruf, sondern darauf, dass in den zurück liegenden fünf bis fünfzehn Jahren viele Geschäfte in Weiß verschwunden sind: Der Metzger, die Sparkasse, der große Kiosk, der Supermarkt. Wegen der extremen Baufälligkeit reißt Brodesser die Gemäuer ab, überwiegend in Eigenleistung mit Unterstützung von Freunden und Familie.

Das 200 Jahre alte Gebäude-Ensemble möchte Brodesser abreißen und an gleicher Stelle einen Dreikanthof bauen.

Er werkelt in jeder freien Stunde auf dem Grundstück. Er hämmert und klopft und säubert die Ziegelsteine, mit denen die Häuser vor rund 200 Jahren gebaut worden waren. Der handwerklich begabte Bestatter sammelt die Klinker, lagert sie in Drahtkörben und will sie für die Fassadenverkleidung der neuen Häuser wieder verwenden – vorausgesetzt es klappt mit seinen Vorstellungen von einer zur Straße hin offenen Dreikantbebauung.

Das 200 Jahre alte Gebäude-Ensemble möchte Brodesser abreißen und an gleicher Stelle einen Dreikanthof bauen.

Sicher ist das keineswegs, denn der Bebauungsplan von 1980 sieht etwas anderes vor: Eine hohe Bebauung entlang der Straße, eine niedrige im hinteren Bereich. Mit dieser „Frontbebauung“ will sich Brodesser aber nicht anfreunden. „So ein Klotz wäre doch furchtbar“, findet er und befürchtet gleichzeitig, dass die Kölner Stadtplanung auf strikte Einhaltung der bisherigen Plan-Vorgaben pocht. „In Gesprächen habe ich jedenfalls bisher kein Entgegenkommen feststellen können“, kritisiert Michael Brodesser. Beim Bau der Apotheke vis-a-vis vor ein paar Jahren habe er die „Hartnäckigkeit“ der Verwaltung schon einmal kennen gelernt. Der Neubau wäre beinahe gescheitert.

Stadt sieht Probleme

Die Leiterin der Stadtplanung, Anne Luise Müller, kann das Anliegen von Michael Brodesser „völlig nachvollziehen“, wie sie auf Nachfrage sagt. Aber sein bisheriges Konzept widerspreche tatsächlich dem gültigen Bebauungsplan. Insofern müsse er ein Änderungsverfahren beantragen und dafür entsprechend genau ausgearbeitete und überzeugende Unterlagen vorlegen, auch wenn das sehr aufwendig sei. Letztlich würde der Rat entscheiden, ob das Änderungsverfahren durchgeführt werde, betont sie. Derzeit fertigt die von Brodesser beauftragte Architektin Entwürfe für die Verwaltung an, die auch den Dorfbewohnern vorgestellt werden sollen. „Die Köpfe rauchen“, sagt der Bauherr und zeigt sich trotz allem zuversichtlich, dass das Projekt im Jahr 2024 fertig sein könnte. „Zwei Jahre brauche ich für das Bauen, ein Jahr für die Planung samt Genehmigung; dann bleiben mir immer noch zwei Jahre für die Verhandlungen mit der Stadt“, rechnet er vor.

Und wenn seine Vorstellungen von einer Dorfmitte trotzdem keine Chance haben? „Dann baue ich eben einen Parkplatz und vermiete ihn“, sagt der Bestatter, was wohl eher als Drohung gemeint ist – schon angesichts der allgemeinen akuten Wohnungsnot.