Schulhunde stärken an der Europaschule Zollstock das Miteinander und bringen Ruhe in die Klassen – jetzt beginnt Labrador Louis seinen Einsatz.
Pädagogik auf vier PfotenWie Schulhunde den Alltag an der Europaschule Zollstock verändern

Die Sechstklässler Emilio, Emir, Sandro und Samin haben den jungen Labrador Louis schon in ihr Herz geschlossen und helfen, ihn zu einem souveränen Schulhund auszubilden.
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Labrador Louis sitzt aufmerksam vor dem zwölfjährigen Emir. In dessen Hand liegt ein grünes Spielbällchen – zum Greifen nah. Doch Louis wartet. Spielen darf er erst, wenn Emir es erlaubt. Keine leichte Übung für einen zehn Monate alten Hund. „Louis ist noch in der Ausbildung und muss noch lernen, Frustration auszuhalten“, erklärt Daniel Schweibert, Mathe- und Biologielehrer an der Europaschule Zollstock und Louis’ Besitzer.
Der junge Labrador ist seit Kurzem als Schulhund im Einsatz – und Teil eines bewährten Konzepts. Seit rund 15 Jahren arbeitet die Schule mit Schulhunden. „Wir haben extrem gute Erfahrungen mit der tiergestützten Pädagogik gemacht. Die Hunde haben eine sehr positive Wirkung auf die Schüler“, sagt Schulleiter Kai Gruner.
Hunde helfen bei Konzentration und Lesen
Besonders im Unterricht zeigen sich die Effekte. „Die Hunde bringen Ruhe in die Klassen“, sagt Schweibert. Die Kinder wüssten, dass Lärm für die Tiere Stress bedeute. „Sie wollen, dass sich der Hund wohlfühlt und bei ihnen bleiben will – und verhalten sich deshalb ruhiger. Das hilft wiederum ihnen bei der Konzentration“, so der Lehrer.
Auch bei der Leseförderung spielen die Hunde eine Rolle. „Kinder, die Schwierigkeiten beim Lesen und Vorlesen haben, trauen sich eher, einem Hund vorzulesen. Sie sind da viel unbefangener und verbessern sich dadurch“, berichtet Gruner.

Golden Retriever Toni ist seit Sommer als Schulhund in der Europaschule im Einsatz. Lehrer Tom Kößling geht mit seinem Projektkurs auch in den benachbarten Vorgebirgspark.
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Ein weiterer Aspekt ist das Übernehmen von Verantwortung. Die Schüler dürfen mit den Schulhunden auf dem Schulgelände Gassi gehen und müssen sie pünktlich zurückbringen. „Das klappt gut. Die Kinder lernen dabei Verlässlichkeit“, so der Schulleiter.
Im naturwissenschaftlichen Unterricht ergänzen die Hunde den Stoff ganz praktisch. „Wenn Haustiere Thema sind, ist ein lebendiges Beispiel natürlich ideal“, sagt Gruner. Zudem erhielten Kinder, die gerne ein eigenes Haustier hätten, aber keines haben, so einen Zugang zu Hunden.
Seit 15 Jahren gibt es Schulhunde an der Europaschule
Die Initiative für Schulhunde in der Zollstocker Gesamtschule geht auf Schweibert zurück. Vor rund 16 Jahren brachte ihn eine Nachbarin auf die Idee. „Ich habe dann recherchiert und gesehen, dass das viele Vorteile für die Schüler und die Schule hat“, berichtet er. Dass sich daraus ein dauerhaftes Projekt entwickelte, freut ihn sehr.
Als die früheren Schulhunde Lu und Medo – beide Hunde Schweiberts – im vergangenen Jahr starben, trauerte die gesamte Schulgemeinschaft. „Es gab sogar ein Kondolenzbuch“, erzählt Gruner. Umso größer sei die Freude über den neuen tierischen Nachwuchs.

Sechstklässler Emir übt mit Louis Frustrationstoleranz – der junge Labrador darf erst an sein Bällchen, wenn es Emir ihm erlaubt.
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Seit dem Sommer ist auch Golden Retriever Toni Teil des Teams. Sein Besitzer, Sport- und Geschichtslehrer Tom Kösling, hatte den Hund bereits an einer anderen Schule im Einsatz. „Die Hunde geben den Schülern emotional viel“, sagt er. „Der Hund freut sich immer, wenn sie zu ihm gehen – und oft fällt auch verschlosseneren Schülern durch die Hunde das Reden leichter.“
Kinder lernen, ihre Angst vor Hunden abzubauen
Vor jedem Einsatz wird geklärt, ob Schüler oder Lehrkräfte Angst vor Hunden haben. „Das Gute ist, dass man diese Angst schrittweise abbauen kann“, sagt Schweibert. Gleichzeitig lernen die Kinder den richtigen Umgang mit Hunden, etwa trotz Angst nicht zu schreien oder wegzurennen, sondern ruhig zu bleiben.
Die Hunde kommen in der Regel zweimal pro Woche mit in die Schule, vor allem in die unteren Klassen, aber auch in höhere Stufen. Kösling bietet zudem einen Projektkurs an, in dem Schüler einen „Hundeführerschein“ machen können.
Für Schweibert sind Schulhunde vor allem eines: „Pädagogen auf vier Pfoten.“ Bei der Ausbildung von Louis wird er von den Sechstklässlern Emir, Samin, Emilio und Sandro unterstützt. „Das kann schon anstrengend sein, wenn Louis an der Leine zieht. Oder manchmal haut er mit seinem Bällchen ab, und dann ist es schwierig, ihn wieder einzufangen. Wenn wir ihn dann ignorieren, kommt er von selbst wieder“, erzählen die Zwölfjährigen. „Louis ist total lieb. Es ist schön, ihn zu streicheln, und es macht totalen Spaß, mit ihm zu spielen“, strahlen die vier. Es ist offensichtlich: Sie haben den jungen Hund längst ins Herz geschlossen.

