Abo

Toter WinkelTrixi-Spiegel sollen Sicherheit bringen

3 min

Eine Ampel mit eingebautem „Trixi-Spiegel“

Köln – Der tote Winkel, also der auch durch Rückspiegel nicht einsehbare Bereich neben dem Fahrzeug, ist für Fußgänger und Radfahrer ein lebensgefährlicher Aufenthaltsort. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, wenn Lastwagenfahrer beim Abbiegen Personen einfach nicht wahrnehmen. Allein im April ereigneten sich auf Kölner Straßen drei schwere Unfälle dieser Art, davon einer mit tödlichem Ausgang. Jetzt will die Stadt handeln und den Blickwinkel der Lastkraftwagenfahrer zukünftig mit Hilfe spezieller Spiegelsysteme erweitern.

Probeweise sollen an den Kreuzungen Universitätsstraße/ Bachemer Straße und Richard-Wagner-Straße/ Moltkestraße sogenannte Trixi-Spiegel oder vergleichbare Systeme installiert werden. Dies teilte Heribert Gödderz vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Lindenthal mit. Zuvor hatten die Stadtteilpolitiker einstimmig gefordert, dass mehr Fahrradschutzstreifen als bisher und Vorrangschaltungen an Ampeln für Fußgänger und Radfahrer geschaffen würden.

In anderen Städten kommen Trixi-Spiegel oder Black-Spot-Mirror (so heißt das niederländische Pendant) bereits zum Einsatz. Mit positivem Effekt, wie der Leiter der Straßenverkehrsbehörde in Münster, Norbert Vechtel, berichtet. Dort hängen Trixi-Spiegel bereits seit 2007 an zwei ehemals unfallträchtigen Kreuzungen. Vor kurzem installierte die Stadt außerdem Black-Spot-Mirror an weiteren Kreuzungen. „Die Unfallzahlen an den ausgerüsteten Kreuzungen sind deutlich zurückgegangen. Allerdings sind wir noch in der Auswertungsphase. Es wäre noch zu früh zu sagen, dass die Unfälle nachweislich aufgrund der Spiegel ausgeblieben sind“, sagt Vechtel. Auf jeden Fall aber hält er die Spiegel für sinnvoll. Radfahrer und Fußgänger gewännen Sicherheit, und auch für die abbiegenden Lkw-Fahrer sei die Vorrichtung ein Schutz: „Solche Unfälle sind für alle Beteiligten schrecklich“, sagt Vechtel.

Spiegel müssen Tests bestehen

In Köln wird es allerdings noch einige Zeit dauern, bis die ersten Spiegel installiert sind. Der Abteilungsleiter Verkehrsmanagement der Stadt, Hartmut Sorich, teilte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf Nachfrage mit, das Projekt sei noch in der Planungsphase: „Wir entwickeln gerade das Untersuchungsdesign.“ Zuerst werde der Verkehr auf den Kreuzungen mittels Video-Untersuchung analysiert. Im Rahmen einer Vorher-Nachher-Analyse könne dann beurteilt werden, ob der Spiegel das Verhalten der Verkehrsteilnehmer verändert. Für diese Video-Untersuchung muss erst noch eine Firma beauftragt werden. „Es dauert noch“, äußert sich Sorich zum Zeitplan. Er warnt davor, die Spiegel als einzig wahre Lösung zu betrachten. „Auch diese zusätzlichen Spiegel erweitern den Blickradius nur dann, wenn man hineinsieht und nur solange der Lkw-Führer noch nicht losgefahren ist“, gibt er zu bedenken. Vorausschauende Vorsicht bleibe daher weitergeboten.

Diese Einschätzung bestätigt ein Forschungsprojekt an der Universität Karlsruhe, das den Nutzen der Spiegel in Freiburg untersucht. Dort sind 160 Kreuzungen mit Trixi-Spiegeln ausgerüstet. Fast 90 Prozent der befragten Lkw- und Busfahrer beurteilten den Spiegel als hilfreich, schränkten das Lob aber ein: beim Abbiegevorgang selbst verschaffe der Spiegel dem Fahrzeugführer keine zusätzliche Sicht. Auch in Krefeld hängt der Spiegel bereits an 25 Kreuzungen. Dennoch starb Anfang des Jahres an einer der ausgerüsteten Ampeln ein Radfahrer bei einer Kollision mit einem abbiegenden Lkw. Die Stadt Freiburg begann 2007 damit, Trixi-Spiegel zu installieren, mittlerweile hängen 160 Exemplare im Stadtgebiet. Frank Uekermann, Leiter des Garten- und Tiefbauamtes, sagt: „Wir hatten seit 2007 keinen Unfall mehr, bei dem ein Radfahrer durch einen abbiegenden Lkw zu Tode gekommen wäre.“