70 Länder in 7 JahrenKölner trägt auf seinen Reisen das kölsche Gefühl in die Welt hinaus

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2016 packte den heute 24-jährigen Niklas Bahn das Reisefieber. Jetzt erzählt er Menschen in seiner Show von seinen besten und gefährlichsten Erlebnissen.

Es ist ein Schauspiel, das die meisten Menschen wohl nur aus Tier-Dokus kennen: Zahlreiche Lachse springen den zwei Meter hohen Wasserfall „Brooks Falls“ im Katmai Nationalpark in Alaska hoch. „Oben stehen acht Grizzlybären und warten mit offenen Mäulern auf die Lachse“, sagt Niklas Bahn.

Es ist aber keine Fernsehshow, die der 24-jährige Kölner nacherzählt, sondern seine eigene Erinnerung. „Dort zu stehen und die Bären in ihrer kompletten Wildnis zu sehen, wie sie die Lachse jagen, die dort zum Laichen hinkommen, ist einfach schön. In diesem Moment versteht man den Kreis des Lebens“, sag Bahn.

Kölner teilt Erlebnisse in seiner eigenen Reise-Abenteuer-Show

Es ist eine seiner besten Reise-Erinnerung. Erlebt hat er sie während einer Vater-Sohn-Reise im vergangenen Jahr. Dass er diesen Moment als den Schönsten benennen kann, ist fast schon beeindruckend. Denn in den vergangenen sieben Jahren hat der Kölner 70 Länder als Backpacker bereist.

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Seine Erlebnisse hielt Bahn auf tausenden Fotos und in zahlreichen Videos fest. Eine Auswahl davon zeigt er nun in seiner eigenen Reise-Abenteuer-Show „Jetzt studiere ich erstmal – die Welt“, mit der er am Samstag- und Sonntagabend in der Sporthochschule Köln zu Gast ist. „Ich möchte junge Leute motivieren. Nicht unbedingt, um es mir gleichzutun, aber wenigstens, um mal die Semesterferien zum Reisen zu nutzen“, sagt der 24-Jährige.

Ein Auto steht am Strand, davor schlafen zwei junge Menschen in einem Schlafsack.

Mit einem Roadtrip durch Australien hat die sieben Jahre lange Weltreise begonnen.

Denn es sei das Reisen, das den Kölner heute zu dem Menschen gemacht hat, der er ist. „Ich bin weltoffener geworden, für andere Kulturen, für andere Sprachen.“ Das sei vor sieben Jahren noch nicht so gewesen. „Ich hab mich in der Schule immer geweigert, eine andere Sprache zu sprechen.“ Eine Tatsache, die er heute gar nicht mehr nachvollziehen könne.

Doch vor fast genau sieben Jahren war er eben an einem Punkt, der seine Einstellung und sein ganzes Leben verändern sollte. Was Bahn da noch gar nicht wusste. Denn geplant war  – wie bei vielen jungen Menschen nach dem Abitur –  nur ein Jahr Work & Travel in Australien, mit seinem besten Freund und einem Auto von Sydney bis ins Outback – mit Stopps in Asien und Neuseeland.

Wenn man einmal angefangen hat, die Welt zu sehen, dann will ich sie auch weiter bereisen.
Niklas Bahn, Kölner

„Und dann ist es ein bisschen ausgeartet“, sagt Niklas Bahn und lacht. Das sprichwörtliche Reisefieber hat den Kölner gepackt. „Wenn man einmal angefangen hat, die Welt zu sehen, dann will man sie auch weiter bereisen.“ Es folgten Reisen nach Afrika, eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn bis nach Russland, Trampen in Island, ein Corona-Roadtrip mit dem Auto von Köln nach Athen und noch mehr. „Mir ist es wichtig, nicht nur zu denken und zu träumen, sondern es auch wirklich zu machen.“

So entspannt wie Niklas Bahn von seinen Erlebnissen spricht, war es aber nicht immer. Besonders oft erinnert er sich an die gefährlichste Situation von all seinen Reisen, und das nicht weit weg auf einem anderen Kontinent, sondern in Europa, 2019 in Norwegen, beim Zelten in der Nähe des bekannten Felsplateaus Kyeragbolten.

Niklas Bahn steht am Straßenrand in Island und wartet auf eine Mitfahrgelegenheit.

Weil ein eigenes Auto zu teuer war, fuhr Niklas Bahn per Anhalter durch Island.

„Für unser Zelt haben wir nur etwa zwei Meter vom Abgrund entfernt eine gerade Fläche gefunden. In der Nacht ist ein Sturm aufgezogen mit Windstärke neun und hat das Zelt genau von der Seite angegriffen.“ Bahn und seine damalige Freundin saßen stundenlang im Zelt fest, versuchten das Zelt aufrechtzuerhalten. „Am nächsten Morgen waren nur noch ein paar Zentimeter zwischen Zelt und Abgrund.“

Doch trotz Lebensgefahr-Moment will Niklas Bahn nicht aufhören, weitere Abenteuer in der ganzen Welt zu erleben, auch wenn es Orte wie die indonesische Insel Bali gibt, die ihn auch mal enttäuscht haben. „Viel zu touristisch, teuer, dreckig und korrupte Polizisten, die nur Weiße für Bestechungsgelder anhalten“, lautet sein Fazit. Für ihn seien es sowieso eher die atemberaubende Natur und die unvergesslichen Momente mit Tieren, die ihn zum Reisen motivieren.

Niklas Bahn steht in Montenegro auf dem Dach seines schwarzen Autos und hält die Köln-Flagge in den Händen. Hinter ihm ist das Meer.

Während Corona ist Niklas Bahn mit seinem Ford Fiesta von Köln bis nach Athen gefahren. Einen Zwischenstopp mit seiner Köln-Flagge machte er unter anderem in Sveti Stefan, Montenegro.

Mittlerweile kann er von seinen Abenteuern auch gut leben, er hat seine Show, schreibt Blogeinträge und arbeitet rund sechs Monate im Jahr als Animateur auf der Aida. Drei Monate reist er privat und den Rest des Jahres macht er „Urlaub in Köln“.

Und so sehr er die Welt liebt, Köln vermisse er schon oft. „Köln ist für mich zwar nicht die schönste Stadt der Welt, aber Köln ist ja auch eher ein Gefühl.“ Und genau dieses will er auf seinen Reisen in der Welt hinaus tragen. Immer wenn der FC spielt, trägt er ein Trikot und jedem, der Karneval noch nicht kennt, erklärt Bahn die Tradition.

„Es ist cool, so ne Base in der Welt zu haben, hier geht es mir gut. Und das macht es für mich auch so einfach für mehrere Wochen weg zu sein. Ich weiß, ich reise nicht, um einen Platz in der Welt zu finden, den hab ich nämlich schon.“

Niklas Bahn ist mit seiner Reise-Abenteuer-Show „Jetzt studiere ich erstmal – die Welt“ am Samstag, 25. März und am Sonntag, 26. März, jeweils um 18 Uhr, in der Sporthochschule Köln. Tickets gibt es zwischen 5 und 14,50 Euro bei rausgegangen.de.


Zur Serie „Junges Köln“

Studieren, arbeiten, feiern und lieben: Köln ist ein Magnet für Menschen zwischen 20 und 35 Jahren, die das und mehr hier erleben wollen. Jedes Jahr ziehen Tausende in die Stadt, auf der Suche nach Abenteuer – und einem neuen Zuhause. Aber: Wie sieht ihre Lebensrealität wirklich aus? In unserer neuen Serie „Junges Köln“ wollen wir den Blick auf junge Kölnerinnen und Kölner lenken und davon erzählen, was sie bewegt. So sind wir etwa in der Technoszene unterwegs, versuchen zu erkunden, was die Faszination ausmacht. Oder begleiten Singles beim Dating auf der Suche nach der wahren Liebe.

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