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Architekt mit HaltungDaniel Libeskind wird 80 und warnt vor Trump und AfD

3 min
Daniel Libeskind

Berühmter Architekt: Daniel Libeskind.

Star-Architekt Daniel Libeskind wird 80. Er spricht über seine Bauten und warnt vor Trump sowie der AfD.

Anlässlich seines 80. Geburtstags reflektiert Daniel Libeskind über seine Bauwerke, politische Gefahren durch Trump sowie die AfD und warum er nie ein Haus für sich entwarf.

Obwohl Daniel Libeskind für seine vielen symbolträchtigen Entwürfe mit prägnanten Konturen und geneigten Mauern bekannt ist, hat der Architekt bisher kein Gebäude für den Eigenbedarf realisiert. Der New Yorker, der am Dienstag (12. Mai) seinen 80. Geburtstag feiert, sagt dazu: „Ich sollte das eines Tages mal machen“. Die Begründung für das Versäumnis liefert er prompt: „Wer hat denn Zeit für sowas? Das ist zu viel Luxus.“

Seine Bauwerke sind unverkennbar. Zu seinen bekanntesten Projekten zählen die Erweiterung des Jüdischen Museums in Berlin, die mit ihrer Zickzack-Struktur an einen Blitz gemahnt, sowie der Entwurf des Masterplans für Ground Zero in New York im Anschluss an die Terroranschläge vom 11. September 2001. Des Weiteren stattete er in Dresden das Militärhistorische Museum mit einem markanten, herausragenden Keil aus und entwarf in Lüneburg den Hauptbau der Leuphana Universität.

Daniel Libeskind

Wie aus einer anderen Welt: das Zentralgebäude der Leuphana Universität. (Archivbild)

Architektur mit gesellschaftlichem Anspruch

Libeskind widmet sich in Unterhaltungen seltener dem Bauen, sondern vielmehr gesellschaftlichen und politischen Themen sowie den Risiken durch Algorithmen. Auch heute noch initiiert er neue Vorhaben und fürchtet sich laut eigener Angabe nicht vor einem unbeschriebenen Blatt. Eine gute Vorbereitung sei allerdings unerlässlich. Er erklärt: „Das Leben selbst muss einen auf das Projekt vorbereiten“.

Seine Berufung zum Architekten betrachtet Libeskind als schicksalhaft. Geboren wurde er als Sohn von Holocaust-Überlebenden in einer Behelfsunterkunft im polnischen Lodz. Die Familie emigrierte später erst nach Israel, dann in die New Yorker Bronx, wo die Eltern in einer Fabrik arbeiteten. Die Erfahrung, ohne ein wirkliches Zuhause aufzuwachsen, sieht er als eine Voraussetzung für seine Tätigkeit als Architekt.

Daniel Libeskind

Der Erweiterungsbau des Jüdischen Museums in Berlin.

Gegenüber der „Deutschen Presse-Agentur“ bekräftigt Libeskind: „Ich hatte nie das Ziel, mir selbst ein Luxushaus zu bauen“, da er schon genügend solcher Projekte für andere realisiert habe. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums seines Erweiterungsbaus ehrt ihn das Jüdische Museum mit der neuen Schau „Between the Lines“. Dieser zeitgenössische Anbau, welcher das Museum zu seiner heutigen Gestalt formte, beeinflusst mit seinen geneigten Böden und Mauern die Perzeption der Umgebung und der eigenen Person.

Seine Einschätzung zu Donald Trump

Der Architekt, der durch seine auffällige Brille bekannt ist und seit 57 Jahren mit seiner Ehefrau Nina liiert ist, nimmt auch politisch Stellung. Er wirft dem Präsidenten Donald Trump ein autoritäres Verhalten vor. „Die Demokratie wird Tag für Tag zerstört. Es ist eine sehr gefährliche Zeit in Amerika, und wir alle müssen etwas tun, um sicherzustellen, dass es nicht dazu kommt, dass Amerika zu einem weiteren Imperium mit einem Pharao wird.“

Daniel Libeskind wird 80

Libeskind: Menschen müssen die Demokratie verteidigen.

Er beobachtet eine Gewöhnung vieler Leute an Unwahrheiten, zeitgleich würden Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) an Einfluss gewinnen. „Die Einsamkeit ist größer geworden, weil Menschen nicht miteinander interagieren, sie interagieren mit Bildschirmen. Aber kann es eine Revolution auf dem Bildschirm geben? Wahrscheinlich nicht.“

Besorgter Blick auf Deutschland

Auch die politische Lage in Deutschland erfüllt Libeskind mit Besorgnis und er appelliert an die Menschen, die Demokratie entschlossener zu schützen. Er mahnt: „Dieses Land hat unter dem Nazi-Regime gelebt und sollte es besser wissen“. Weiterhin äußert er: „Wenn ich einige Reden der AfD lese und deren Haltung zur Geschichte betrachte, sollte das die Menschen zutiefst beunruhigen.“

Libeskinds Ausführungen zur Architektur nehmen philosophische Züge an. Er sieht in seinen Bauten einen Ausdruck von Hoffnung und der Möglichkeit zur Veränderung. Die Baukunst forme unsere Weltanschauung und sei eine wirkungsvolle Kunst, die nonverbal auf einer elementaren Ebene wirke. Die eigene Lebensweise, so Libeskind, präge das Denken über die Welt. Sein persönliches Domizil ist ein trianguläres Bauwerk von circa 1900 im New Yorker Viertel Tribeca. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.