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Scheidung als BühnenprogrammBradley Coopers neuer Film mit Will Arnett

4 min
Laura Dern

In der Mischung aus Drama und Komödie spielt Laura Dern eine der Hauptrollen. (Archivbild)

In „Is This Thing On?“ findet ein Mann nach dem Ende seiner Ehe unerwartet eine neue Berufung als Comedian. Regie führt Bradley Cooper.

Die Handlung von „Is This Thing On?“ beginnt mit einem Mann, der einen Comedy-Club betritt. Um sich den Eintritt zu ersparen, trägt er sich spontan für einen Auftritt ein und stellt dabei sein Stand-up-Talent fest. Dies ist die Ausgangslage des neuen Films von Regisseur Bradley Cooper („A Star Is Born“). In dem Genre-Mix aus Drama und Komödie sind Will Arnett und Laura Dern in den Hauptrollen zu sehen, während Cooper eine Nebenrolle übernimmt.

Alex Novak (Arnett), ein Angestellter im Finanzsektor, durchlebt eine Krise in seiner Ehe. Nach beinahe 20 gemeinsamen Jahren fassen er und seine Gattin Tess (Dern) während des Zähneputzens den Entschluss zur Scheidung. Untreue oder Zorn spielen keine Rolle; die Eltern zweier Söhne haben sich schlicht entfremdet. Die Enttäuschung über die gescheiterte Ehe ist jedoch groß.

Nach seinem Umzug in ein karges Apartment in Manhattan bemüht sich Alex, sein Leben neu zu sortieren. So landet er eines Abends in einem Comedy-Club. Was als spontaner Auftritt beginnt, entwickelt sich zu einer neuen Passion. Alex dringt zunehmend in die Stand-up-Szene von New York vor, knüpft Kontakte zu anderen Komikern und verarbeitet seine Scheidung als Stoff für seine humoristischen Erzählungen.

Vorbereitung auf der echten Bühne

Für die Rollenvorbereitung stand Arnett tatsächlich für einige Wochen selbst als Stand-up-Komiker auf der Bühne. „Es war beängstigend“, äußerte der 55-Jährige laut der Deutschen Presse-Agentur in London. „Ich hatte schon immer großen Respekt vor Stand-up-Comedians, weil ich selbst keiner bin. Dieser Respekt ist jetzt noch größer. Es ist unglaublich schwer, auf die Bühne zu gehen und Witze zu schreiben. Und ja, ich habe die Witze geschrieben.“

Bradley Cooper, sein langjähriger und enger Freund, unterstützte ihn ebenso wie der britische Drehbuchautor Mark Chappell. Gemeinsam mit den beiden verfasste er auch das Skript. Die Geschichte wurde von dem britischen Comedian John Bishop inspiriert, der ebenfalls kurz vor seiner Scheidung zufällig zu diesem Beruf fand.

Die Eltern von Alex (Ciarán Hinds und Christine Ebersole) reagieren irritiert auf das neue Hobby ihres Sohnes. Sein exzentrischer Freund, der Schauspieler Balls (Bradley Cooper), unterstützt ihn jedoch. Während Alex durch die Auftritte an Selbstbewusstsein gewinnt, bemüht sich auch Tess, eine frühere Profisportlerin, ihr Leben neu zu gestalten. Ihr gegenseitiges Verhältnis wandelt sich im Laufe der Zeit.

Authentische Chemie durch Improvisation

Mit ergreifender Intensität und Glaubwürdigkeit verkörpern Laura Dern und Will Arnett ihre Charaktere. „Es gibt eine unmittelbare Verbindung“, erläuterte die 59-jährige Dern in einem dpa-Interview. „Aber die tiefere, echte Chemie entsteht nur, wenn man (als Paar) viele Jahre zusammen ist. Wir mussten einen Weg finden, das miteinander zu teilen.“

In der Vorbereitungsphase hätten beide versucht, sich zu öffnen und sich gänzlich aufeinander einzulassen. „Beim Dreh dieses Films waren wir gezwungen, so verletzlich wie möglich zu sein“, so Arnett. „Wir mussten uns als Künstler stark aufeinander verlassen. Genau daraus entstand diese Verletzlichkeit - und damit auch diese Chemie, diese Verbindung.“

Ihre Beziehung wirkt auf der Leinwand auch deshalb so authentisch, weil sie in einigen Szenen improvisierten. „Ein Großteil war natürlich im Drehbuch“, sagt Arnett. „Aber Momente entwickeln sich. Man liest eine Szene auf dem Papier, am Ende läuft sie oft ganz anders ab. Das Großartige an Laura als Schauspielerin und Künstlerin ist, dass sie dich ständig überrascht mit dem, was sie als Nächstes macht. Das ist wunderschön.“

Alex und Tess begegnen sich aufgrund gemeinsamer Kinder und eines geteilten Freundeskreises weiterhin regelmäßig. Dadurch nehmen sie die Veränderungen im Leben des anderen wahr. Im Mittelpunkt steht dabei weniger Alex' beginnende Stand-up-Laufbahn, sondern vielmehr die Auswirkung der neuen Lebensumstände auf die Beziehung des Ex-Paares.

Bradley Coopers intime Regiearbeit

Bradley Coopers häufiger Einsatz der Handkamera, der eine besondere Nähe erzeugte, schafft laut Dern eine „enorme Intimität“ in dieser bewegenden und zugleich erhebenden Geschichte einer Trennung.

„Er ist physisch ganz nah bei uns“, führt die Oscar-Preisträgerin („Marriage Story“) aus. „Gleichzeitig beobachtet er uns durch die Kamera und spürt instinktiv, was wir gerade empfinden. Wir sind mitten in einer Szene, und er merkt, dass wir vielleicht etwas ausprobieren, sagen oder fühlen wollen – und dann wirft er eine Idee hinein. Das ist großartig. Ich weiß nicht, ob es genauso funktioniert hätte, wenn er uns nicht so gut gekannt hätte.“

Cooper beweist nach „A Star Is Born“ und „Maestro“ abermals sein Talent als Regisseur. Er vermeidet überzogene Dramatisierung und setzt stattdessen auf eine beinahe dokumentarisch wirkende Inszenierung mit langen Einstellungen, realen Schauplätzen und viel Freiraum für die Schauspieler. Dies und seine brillanten Hauptdarsteller verleihen dem charmanten Film seine Überzeugungskraft. „Is This Thing On?“ ist ein echtes Juwel. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.