Geschichten über Athleten, ihre Triumphe und Niederlagen, sind als Fiktion oder Doku im Kino und auf Streaming-Plattformen populär. Was steckt hinter dieser Faszination?
Die ultimative SeifenoperWarum Sportfilme und Dokus immer beliebter werden

Hollywood und Sport - das passt. (Archivbild)
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Ob Brad Pitt als Rennfahrer, ein Schuhverkäufer aus New York mit Ambitionen im Tischtennis oder die Rückblende zur WM 1990 in „Ein Sommer in Italien“ (verfügbar ab 15. Mai bei Sky/Wow): Sportliche Themen in Filmen und Serien, egal ob fiktional oder dokumentarisch, erfreuen sich großer Beliebtheit.

Über Brasiliens ehemaligen Fußball-Superstar Ronaldinho gibt es jetzt eine neue Doku-Serie bei Netflix. (Archivbild)
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Für dieses Jahr ist bei Netflix eine neue Doku über den Formel-1-Rekordchampion Michael Schumacher angekündigt. Darüber hinaus startete laut dpa am 16. April die Miniserie „Ronaldinho: The One and Only“ über den ehemaligen brasilianischen Fußball-Superstar bei einem US-Streaminganbieter.
Die Anziehungskraft von Sport in Filmen
In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten haben Sportfilme und -serien deutlich an Popularität gewonnen, erläutert der Filmexperte Oliver Fahle von der Ruhr-Universität Bochum: „Vorher waren sie ein randständiges Genre.“
Die Faszination liege darin, eine größere mediale Partizipation an den Berühmtheiten und dem Sport zu schaffen, der durch seine Darstellung in den Medien fesselt. „Außerdem hat der Sport mit seiner Struktur aus Emotion und Anspannung, Wettkampf, Konkurrenz, Sieg und Niederlage, Höhe- und Tiefpunkt, Champion und Verlierer eine gewisse Ähnlichkeit zu filmischen Inszenierungen“, äußert sich Fahle.
Ehemaliger Tischtennis-Profi: Athleten als Quelle für packende Geschichten
Zuschauer, Regisseure und Athleten selbst teilen diese Begeisterung. Der frühere deutsche Weltklasse-Tischtennisprofi Timo Boll meint lachend, dass seine eigene Laufbahn wohl nicht für einen ganzen Spielfilm ausreichen würde. Eine Nebenrolle in „Marty Supreme“, mit Timothée Chalamet als Hauptdarsteller, war aber möglich.
Boll spielt einen Kontrahenten der Hauptfigur Marty Mauser, die im New York der 1950er-Jahre von einer bedeutenden Sportlerlaufbahn träumt. Inspiriert wurde die Produktion durch die Biografie des talentierten Marty Reisman, der jedoch auch eine Neigung zum Glücksspiel besaß. Boll erläutert, dass die Handlung stark fiktiv und das Leben überzeichnet dargestellt sei: „Aber Sportler liefern eben häufig fesselnde Storys.“
Das Wesen des Sports: Konkurrenz und Dramatik
Der kompetitive Charakter des Sports – der Wettstreit, das Messen der Kräfte – erzeugt zwangsläufig Konkurrenz. Favorit kontra Außenseiter, Idol gegen Reizfigur oder Jugend gegen Erfahrung: Held und Gegenspieler sind die zentralen Figuren im Sport. Athleten erleben Niederlagen, kämpfen sich zurück und sorgen für emotionale Dramen.
Ein Paradebeispiel hierfür ist „Rocky“, der vor beinahe 50 Jahren erschien. Der Film schildert den Aufstieg von Rocky Balboa, dargestellt von Sylvester Stallone, aus den ärmlichen Verhältnissen Philadelphias bis in den Weltmeisterschafts-Ring. Der Film wurde 1977 mit drei Oscars ausgezeichnet, einschließlich der Trophäe für den besten Film.
Bekannter Ausgang: Die Rolle der Nostalgie
„Rocky“ war eine erfundene Geschichte, genau wie „F1 – The Movie“ mit Brad Pitt, obgleich für diesen Film auch während realer Formel-1-Rennwochenenden gedreht wurde. Ein Nachfolger, an dem Formel-1-Rekordchampion Lewis Hamilton als Co-Produzent mitwirkt, befindet sich schon in der Planung.
Doch was macht den Reiz aus, wenn der Ausgang einer Geschichte bereits feststeht, wie es bei Dokumentationen oft der Fall ist? Ein Sprecher von Netflix zufolge gewähren Non-Fiction-Produktionen und Doku-Serien einen Blick „jenseits des Spielfelds“. Diese Formate liefern tiefgehende Hintergrundinformationen, welche die komplette emotionale Skala umfassen – von Ambition über Niederlagen bis zu einem Neubeginn. Der Sport sei in vielerlei Hinsicht die perfekte „Seifenoper“ mit echten Charakteren, Konflikten und Triumphen.
Der Filmexperte Fahle hebt außerdem den nostalgischen Aspekt hervor. Insbesondere bei der Betrachtung der Vergangenheit erfolge eine Aufwertung – gemäß dem Motto von fairen Wettkämpfen in einer idealisierten Welt. „Konflikte waren da, aber da sich der Erfolg ja eingestellt hat, waren alle Schmerzen und Probleme richtig und gut bei der Heldenreise.“
Ein zusätzliches Beispiel, das viel Humor enthält, ist „Next Goal Wins“ (im Angebot von Disney+), in dem der deutsche Hollywood-Schauspieler Michael Fassbender die Rolle des Trainers Thomas Rongen spielt. Er übernimmt notgedrungen – die Alternative wäre Arbeitslosigkeit – den Posten des Fußball-Nationaltrainers von Amerikanisch-Samoa.
Ein 0:31-Debakel in der WM-Qualifikation
Das Nationalteam hält bis heute einen zweifelhaften Fußball-Rekord, auf den niemand stolz ist: Im Jahr 2001 erlitt die Mannschaft während der WM-Qualifikation gegen Australien eine 0:31-Niederlage – die höchste Niederlage in einem Länderspiel. „Man kann getrost sagen: Ihr habt null Talent oder Ahnung von dem Spiel“, äußert Trainer Rongen im Film zu Beginn seiner Tätigkeit.
Die Handlung basiert auf einer wahren Begebenheit: Der Coach, der die Mannschaft ein Jahrzehnt nach dem Debakel übernahm, war wirklich Thomas Rongen. Der Niederländer, der ebenfalls die amerikanische Staatsbürgerschaft hat, führte das Team in der Qualifikation für die WM 2014 sogar zu einem Erfolg über Tonga. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.