Hape Kerkeling kommt mit gleich zwei neuen Filmen zurück ins Kino. Wie beide Figuren in unsere Zeit passen, erklärt der Komiker im Interview.
Hape Kerkeling„Rechtsextremisten haben keinen Humor“

Hape Kerkeling, Schauspieler, Hörbuch- und Synchronsprecher und Autor ist im Januar und März mit zwei Filmen im Kino zu sehen, darunter in seiner Kult-Figur Horst Schlämmer.
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Komiker, Schauspieler und Autor Hape Kerkeling (61) hatte seine Show-Karriere eigentlich 2014 beendet. Doch so ganz war er nie weg: Er synchronisierte weiter Filme, gab Lesungen und war 2019 und 2021 wieder in zwei Spielfilmen zu sehen sowie ab 2021 in mehreren Vox-Formaten. Nun folgt das Kino-Comeback: Ab dem 15. Januar ist er mit der Gesellschaftskomödie „Extrawurst“ auf der Leinwand, als Vorsitzender eines Provinztennisklubs, in dem die Debatte um einen Extragrill für den einzigen Muslim im Verein eskaliert. Ab dem 26. März spielt er außerdem in „Horst Schlämmer sucht das Glück“ seine wohl bekannteste Kunstfigur, den schmierigen und kontroversen Lokaljournalisten Horst Schlämmer.
Hape Kerkeling, Sie kehren gleich mit zwei Filmen ins Kino zurück. Dabei hatten Sie sich vor zehn Jahren eigentlich zurückgezogen ...
Das war ein Rückzug aus dem Showbusiness. Das galt nicht fürs Schreiben und schon gar nicht für Filme.
„Ich möchte mich nicht vor der Kamera alt werden sehen“, haben Sie 2008 in einem Interview gesagt. Was hat sich verändert?
Das bezog sich auf Fernsehshows. Da bin ich der private HP, ohne Maskerade. Horst Schlämmer ist eine solche Verkleidung, bei der das Alter keine Rolle spielt. Ähnliches trifft auf meine Rolle in „Extrawurst“ zu. Ich habe kein Problem mit dem Altern.
In „Extrawurst“ spielen Sie jetzt einen Tennisclubvorsitzenden in der Provinz, den Sie als „kleingeistig, korrupt und nicht ganz so schlau“ bezeichnen. Was kann so eine Figur trotzdem leisten?
Wir sind nicht alle Überflieger und jeder hat seine Schwächen. Eine Figur wird für mich interessant, wenn sie Brüche hat. Dieser sympathische, verbindliche Rheinländer, der gleichzeitig ein wenig korrupt sein kann, bietet ein schönes Spannungsfeld.

Die Schauspieler Fahri Yardim (l-r), Gaby Dohm, Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Anja Knauer und Friedrich Mücke kommen zur Weltpremiere des Films „Extrawurst“ in das Essener Kino Lichtburg. Der Film startet am 15.01.2026 in den deutschen Kinos.
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Wie nah ist die Figur am „Normalbürger“?
Der ganze Film ist ziemlich am Puls der Zeit. Ich denke, dass es so ähnlich wie in „Extrawurst“ in vielen vergleichbaren Vereinen zugeht.
Im Film eskaliert die Debatte um einen Extragrill für den einen Muslim im Club und dessen Familie und bringt so einiges an Alltagsrassismus ans Licht.
Ja, das beleuchtet die Untiefen der menschlichen Seele. Gleichzeitig bleibt das Ganze immer sehr spielerisch. Das ist sehr ungewöhnlich für einen deutschen Film. Mit Markus Rosenmüller hat ein Bayer inszeniert, auch dadurch hat es eine Leichtigkeit, die deutsche Komödien sonst nicht auszeichnet.
Man muss sich immer wieder an den Kopf fassen und gleichzeitig lachen über die Absurdität. Was kann das bei den Zuschauerinnen und Zuschauern bewirken?
Eine Komödie muss vor allem unterhalten. Wenn sie das leistet, wäre es noch schön, wenn der Zuschauer am Ende mit einem Gedanken herausgeht, der ihn noch über den Abend hinaus beschäftigt. Das könnte in dem Fall die Frage sein: Wo irre ich in meinem täglichen Denken oder Handeln? Wo will ich etwas Gutes und erreiche das Gegenteil?
Haben Sie in der Auseinandersetzung damit auch etwas bemerkt, wo Sie vielleicht in Ihrem Denken oder Handeln irren?
In Gesprächen hätte ich früher an mancher Stelle gedacht: Da habe ich zu 100 Prozent recht, dabei bleibe ich. Heute hinterfrage ich mich nochmal und überlege: Kann ich das wirklich in aller Absolutheit behaupten? Das ist ganz gesund.
Dabei entwickelt sich unsere Gesellschaft eher in eine Richtung, in der Menschen gern absolut auf ihrem Standpunkt beharren und weniger hinterfragen ...
Ja, wir sind an einem Punkt in der Gesellschaft, an dem man auch etwas als Meinung deklariert, was faktisch Lüge ist. Das war vor 20 oder 25 Jahren nicht so. Da haben Redakteure offensichtliche Hetze und Lüge herausgefiltert. In Social Media werden solche „Meinungen“ verbreitet. Dass wir nun damit überschwemmt werden und dieser Sache nicht beizeiten Herr geworden sind, ist ein Fehler.
Was kann man dem denn entgegnen?
Bei der Mehrheit der Menschen in Deutschland regiert nach wie vor im Kopf und Herzen die Vernunft. Diese Vernunft muss man deutlicher machen und Typen, die Lügen verbreiten, ganz klar sagen: bis hier und nicht weiter.
Sind diese Menschen, die Lügen als Fakten darstellen, für Sie die „vielen kleinen Trumps“, von denen Sie kürzlich sprachen?
Die Rechthaberei hat absurde Ausmaße erreicht. Dafür gibt es weltweit Vorbilder. Bisher fällt Trump bei seinen „Bündnispartnern“ mit seiner abenteuerlichen Strategie und seinen kühnen Forderungen immer auf Watte. Je weicher er fällt, desto aggressiver wird er. Das sehen wir ja. Also kann das nicht die richtige Strategie sein.
Und was muss abseits der großen Weltpolitik passieren, um aus diesem Tief herauszukommen?
Wir erleben, dass die Menschen sich mehr ins Privatleben zurückziehen und ihr Heil da suchen. Das ist einerseits gut, andererseits muss uns auch die Gesellschaft am Herzen liegen. Vereine wie ein Tennisklub oder die Freiwillige Feuerwehr tragen dazu bei, dass wir diesen gesellschaftlichen Kitt nicht verlieren, dass wir zusammenhalten und uns auf das Gute konzentrieren. Das ist in unserer Gesellschaft der Kompromiss. Wenn wir uns nicht mehr einigen können, ist es ein Drama.
Ist Humor etwas, worauf man sich in unserer Gesellschaft noch einigen kann?
Es wird schwierig. Wenn Leute anfangen, die Lüge zur Wahrheit zu erklären, kommen Sie mit Humor auch nicht mehr weiter. Solange eine Gesellschaft noch Humor hat, ist es ein gutes Zeichen. Je mehr der Humor verloren geht, geschrien wird, die krasse Auseinandersetzung gesucht wird, desto verlorener ist eine Gesellschaft. Deswegen sollten wir auf den Weg des Kompromisses zurückfinden.
Sie äußern sich immer wieder besorgt über die AfD. Kann Humor auch ein Mittel gegen Rechtspopulisten sein?
Wenn Menschen Lügen in den Raum stellen und behaupten, das sei die Wahrheit, ist die Diskussion beendet. Und Rechtsextremisten kennen keinen Humor. Die kennen Spott, Häme, Hohn.

Der Entertainer und Schauspieler Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer kommt zur Premiere des Films „Horst Schlämmer - Isch kandidiere!“ im Jahr 2009. Im März 2026 kommt der Charakter erneut ins Kino.
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Über Humor kann man sich streiten, auf Sie können sich aber erstaunlich viele humortechnisch einigen, hat man den Eindruck.
Wenn das so ist, freut mich das. Ich war ja immer ein bisschen anarchisch. Aber Otto war auch immer anarchisch. Und auch meine anderen großen Vorbilder Heinz Erhardt und Loriot waren anarchisch. Insofern bin ich stolz, mich da einreihen zu dürfen.
Zu einem Ihrer großen Erfolge gehört Ihre Kunstfigur Horst Schlämmer, die nun mit einem Film zurückkommt. 2023 haben Sie ihn bei „Maybrit Illner“ als „Prototyp weißer alter Mann“ bezeichnet und bezweifelt, dass er heute noch funktionieren würde. Was hat sich verändert, dass Sie ihn jetzt doch wieder spielen?
Ich glaube, da bin ich falsch wiedergegeben worden. Horst Schlämmer ist der Prototyp alter weißer Mann. Aber um Humor zu generieren, ist er eine wunderbare Figur. Das ist einer der Gründe, warum ich ihn wiederbelebt habe. Es ist noch mal Zeit für Horst, der ziemlich unverblümt humoristische Kante mit Herz gibt.
Warum ist er dafür so gut geeignet?
Man lässt Horst Schlämmer vieles durchgehen, weil man ihn für nicht so schlau hält, und man entschuldigt auch einiges aufgrund seines Äußeren, was nicht sehr ansprechend ist. Er darf mehr als andere.
Aber alles darf er nicht mehr. Im Trailer wird er zurechtgewiesen, er solle nicht das Äußere von Menschen kommentieren. Braucht es solche einordnenden Szenen oder versteht der Zuschauer oder die Zuschauerin nicht selbst, dass Sexismus nicht in Ordnung ist?
Die Einordnung ist ein zusätzliches Comedy-Element. Ich finde es richtig, dass wir als Gesellschaft zurückschauen auf das, was nicht optimal lief. Man soll ja lernen aus den eigenen Fehlern und denen vergangener Generationen.
„In Deutschland regiert die schlechte Laune“, sagt Horst Schlämmer im Trailer. Sehen Sie das auch so?
So ist er, der Horst! Krass und zuspitzend! Dass die schlechte Laune sich steigert, merken wir ja beispielsweise im Straßenverkehr. Man erlebt ja die unglaublichsten Aktionen auf der Autobahn. Dass Menschen sich das wirklich trauen ...
Es ändert ja auch nichts an der Weltlage, wenn man seinen Frust auf der Autobahn herauslässt.
Aber der Deutsche neigt nun mal zur Rechthaberei.
Teil unserer Gesellschaft ist leider immer noch Homophobie. Sie sind schon vor einigen Jahren aus Berlin weggezogen und haben das mit der „homophoben Atmosphäre“ begründet. Wie erleben Sie die Atmosphäre heute? Fühlen Sie sich als schwuler Mann in Deutschland noch überall sicher?
Im Vergleich zu vielen anderen Nationen: ja! Eine Demokratie muss sich jedoch immer daran messen lassen, wie sie mit ihren Minderheiten umgeht. Nur ein Land, das seine Minderheiten schützt, schützt auch den Bürger.
Sie fühlen sich also nicht zu 100 Prozent sicher, kann man das sagen?
Wo fühlt man sich schon zu 100 Prozent sicher? Diese Schlagzeile will ich nicht auch noch produzieren. Die Situation für alle Minderheiten wird nicht besser. Wenn wir das ausblenden, verlassen wir den demokratischen Weg.

