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Marilyn MonroeDie einsamste Frau von Hollywood

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Sie war das Symbol für Unschuld, Sex und Bigotterie. Vor 50 Jahren starb Marilyn Monroe.

Sie war das Symbol für Unschuld, Sex und Bigotterie. Vor 50 Jahren starb Marilyn Monroe.

Mit ihrem berühmtesten Leinwandauftritt schreibt Marilyn Monroe den Männern ins Stammbuch, was im Leben eines Mädchens wirklich zählt: „Diamonds are a girls best friends.“ Sie dreht und windet sich, will von der Liebe partout nichts wissen und lässt Galane und Klunker nur so durch die Finger rinnen. Heute wissen wir um die Tragik dieses scheinbar übermütigen Liedes. Im Leben hatte die Monroe zwar zahllose Bewunderer, viele Liebhaber und immerhin drei Ehemänner. Freunde aber nur sehr wenige. Sie selbst zählte nicht dazu.

Geboren wurde Marilyn Monroe als Norma Jeane Mortenson 1926 in Los Angeles. Es wurde nie geklärt, wer ihr leiblicher Vater war, doch spricht einiges dafür, sie zu den Halbwaisen Hollywoods zu zählen. Ihre Mutter Gladys Pearl Mortenson, geborene Monroe, arbeitete im Schnittraum des Filmstudios RKO, Marilyns mutmaßlicher Vater war ihr Vorgesetzter Charles Stanley Gifford. Als ungewolltes und „unehrenhaftes“ Kind einer psychisch instabilen Mutter kam sie jung zu Pflegeeltern, fand zeitweilig Zuflucht bei Nachbarn oder Verwandten und verbrachte beinahe zwei Jahre in einem Waisenhaus. Mit 16 floh sie in ihre erste Ehe mit James Dougherty, einem Marinesoldaten mit Marschbefehl in den Zweiten Weltkrieg. 1946 wurde die Ehe wieder geschieden – da hatte ihr der Armeefotograf David Conover bereits eine Karriere als Fotomodell ermöglicht.

Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob Marilyn Monroe als brave Hausfrau an der Seite eines Kriegsheimkehrers glücklicher geworden wäre als im Scheinwerferlicht der Traumfabrik. In Hollywood fand sie jedenfalls nicht die Heimat, die sie suchte, sondern eine Industrie auf der Suche nach formbarem Material. Am Anfang ihrer Filmkarriere ließ sich die Monroe zur wasserstoffblonden Sexbombe ummodeln und lernte den Mythos der Produzentencouch aus eigener Anschauung kennen. Auch Präsident John F. Kennedy soll sich die Monroe als Trophäe ins Bett geholt haben.

Als Männerfantasie machte Marilyn schließlich Karriere und wurde zum unsterblichen Symbol der 50er Jahre – und deren Bigotterie. Selbst Hollywood wusste nicht, wie es dem Publikum eine Sexbombe verkaufen sollte, ohne die Moralhüter auf den Plan zu rufen. Die Produzenten probierten sie in allen möglichen Rollen aus, bis Howard Hawks schließlich die Lösung fand und sie in „Blondinen bevorzugt“ (1953) als wandelnden Blondinenwitz inszenierte, der auf Kosten der Männer geht.

Am Samstag um 20.15 Uhr zeigt Arte den französischen Dokumentarfilm „Marilyns letzte Sitzung“, der Licht auf ihre psychische Verfassung in den Monaten vor ihrem Tod wirft.

Am Sonntag folgt ebenfalls auf Arte um 16.55 Uhr die Doku „Bert Stern – The Man Who Shot Marilyn“ über den Fotografen, der unser heutiges Bild der Monroe maßgeblich prägt.

Mitte der 50er Jahre versuchte die Monroe, sich von Hollywood zu emanzipieren. Sie nahm Schauspielunterricht beim legendären Actors Studio von Lee Strasberg, gründete, nachdem ihr die Studiobosse keine ernsten Rollen geben wollten, ihre eigene Produktionsfirma, und ging nach Großbritannien, um an der Seite des Bühnenstars Sir Laurence Olivier zu drehen. Privat wagte sie zu dieser Zeit ebenfalls einen Neuanfang und angelte sich mit dem Schriftsteller Arthur Miller einen Millionär, der darüber hinaus ein Anwärter auf den Literatur-Nobelpreis war. Allerdings brachte ihr auch das neue Rollenfach kein Glück: In „Der Prinz und die Tänzerin“ (1957) wurde das Bild der kurvigen Unschuld allenfalls in Details retuschiert, und die letzte Ehe ihres Lebens dauerte nicht wesentlich länger als die vorigen.

50 Jahre nach ihrem Tod am 5. August 1962 erscheint uns Marilyn Monroe nicht mehr als die naive Verführung in Person, sondern als einsamste Frau von Hollywood. Sie war depressiv, von Tabletten abhängig und machte sich und allen anderen das Leben gerne zur Hölle. Ungezählt sind die Anekdoten ihrer Unzuverlässigkeit, von denen Billy Wilder, ihr Regisseur bei „Manche mögen’s heiß“, stets eine aus dem Ärmel schütteln konnte. „Mit ihr zu arbeiten“, so Wilder, „war wie mit Hitler paktieren. Mit dem Unterschied, dass man am Ende belohnt wurde.“

Es gehört zur Tragik der Monroe, dass erst die Nachwelt ihre Abgründe wirklich zu schätzen wusste, und dass sie diese auf der Leinwand wohl nie so ergreifend hätte verkörpern können wie in der Realität. Ihre beste Rolle spielt sie nicht auf der Leinwand, sondern in den Bildbänden, die ihr Leben dokumentieren. Am Ende waren es nicht die Diamanten, die ihr den größten Trost spendeten, sondern die mitfühlende Linse der Fotokamera.

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