In seinem neuen Roman „Das Mosaik der Frauen“ erzählt Rafik Schami von mutigen Frauen, Tabus und der Kraft des Erzählens.
Schamis starke FrauenZum 80. Geburtstag legt der Autor einen neuen Roman vor

Rafik Schami erhielt 2022 die Carl-Zuckmayer-Medaille für seine Verdienste um die deutsche Sprache. (Archivbild)
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Unmittelbar vor der Vollendung seines 80. Lebensjahres publiziert der Schriftsteller Rafik Schami den Roman «Das Mosaik der Frauen», welcher als eine kunstvolle Assemblage aus Reminiszenzen, Verlangen und Zuversicht erscheint. Der Autor, geboren am 23. Juni 1946 in der syrischen Hauptstadt Damaskus, demonstriert in dem Werk abermals sein besonderes Talent für das Verfassen von lyrischen und sozial bewussten Erzählungen.
Der Umstand, dass zahlreiche Elemente des Romans an seine persönliche Biografie anknüpfen, wird von dem in Deutschland seit 1971 ansässigen Schriftsteller nicht als Bürde, sondern als Vorteil gesehen. „Es erleichtert das Erzählen, da ich sicher bin, wovon ich erzähle“, äußerte Schami gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Er fügte hinzu, dass persönliche Erfahrungen jedoch einer Überprüfung und Umformung bedürfen, um zu literarischer Qualität zu gelangen.
Autobiografische Elemente als bewusste Entscheidung
Schami porträtiert in «Das Mosaik der Frauen» die Existenzen von Frauen, die von Courage, inneren Konflikten und Empfindsamkeit geprägt sind. Die Charaktere entstammen diversen Generationen sowie gesellschaftlichen Schichten, wobei ihre Lebenswege sich wie die Teile eines Mosaikbildes zusammenfügen. Der Autor verwebt dabei mühelos Aspekte wie politische Repression, familiäre Auseinandersetzungen und individuelle Sehnsüchte.
Ein besonderes Anliegen des Autors war die offene Thematisierung von Tabus. Hierzu zählen unter anderem der Tod sowie die Impotenz. Laut Schami stehen solche gesellschaftlichen Verbote in engem Zusammenhang mit der Erziehung und dem Grad der Freiheit innerhalb einer Gemeinschaft. Aus seiner Sicht gibt es keine plausible Rechtfertigung dafür, derartige Sujets aus dem Diskurs oder der Belletristik auszuschließen.
Weibliche Charaktere im Spannungsfeld von Courage und sozialem Zwang
Der Literat erweist sich, ähnlich wie in seinen vorangegangenen Publikationen, als Virtuose im Schaffen von dichten Stimmungsbildern. Schauplätze wie Märkte, Höfe und Gassen werden als Orte voller Sinneseindrücke mit Farben, Düften und Klängen dargestellt. Das Publikum wird tief in dieses Universum hineingezogen, wobei die Erzählweise ungeachtet der ernsten gesellschaftlichen Thematik eine gewisse Leichtigkeit beibehält.
Die Lektüre offenbart beispielsweise, mit welchen Mitteln die Gattin eines Regierungschefs beruhigt werden kann, was sich hinter dem Begriff „Kamel 500“ verbirgt und weshalb eine junge Figur namens Mufid an Halitosis leidet. Darüber hinaus wird thematisiert, auf welche Weise sich in Syrien der Terror verbreitete und aus welchem Grund eine Protagonistin namens Salma ihren Ehemann rettet, dabei den Nachrichtendienst überlistet und einen hohen Preis dafür entrichten muss. Schamis Darstellung ist differenziert und klammert auch Aspekte wie Schmerz und Sterben nicht aus.
Mit seinem aktuellen Werk wird der Schriftsteller allerdings zum ersten Mal seit Dekaden keine Lesetour unternehmen. Dies sei eine schwierige Entscheidung für ihn, wie er freimütig zugibt. Ungeachtet der Anstrengungen habe er die Reisen sehr geschätzt, da die Mühen bereits nach kurzer Zeit auf der Bühne in den Hintergrund getreten seien. „Zu erleben, wie Erwachsene allein über das Zuhören verzaubert werden“, zähle zu den erfüllendsten Aspekten seiner Tätigkeit.
Die verbindende Kraft der Geschichten
Das Publikum könne temporär dem eigenen Alltag entfliehen und an der Seite der Romanfiguren die Gassen und Erlebnisse seiner fiktiven Welten erkunden. Womöglich manifestiert sich genau hierin die prägnanteste Eigenschaft, die Schamis Schaffen seit langer Zeit charakterisiert: der Glaube an die gemeinschaftsstiftende Wirkung von Erzählungen.
Auch mit annähernd 80 Jahren büßt der in der Pfalz lebende Autor nichts von seiner narrativen Stärke ein. Sein jüngstes Werk ist eine berührende Publikation, die demonstriert, welche Vitalität Literatur entfalten kann, sofern sie auf Erlebtem, Vorstellungskraft und Humanität basiert.
Schami führt ein Zitat des Schweizer Autors Max Frisch an: „Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält“. Diese Aussage könnte als ein zentraler Deutungsansatz für den Roman verstanden werden. (dpa/red)
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