Rechte MusikVox nimmt „Das perfekte Dinner“ aus der Mediathek

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Rennicke dpa

Der rechte Liedermacher Frank Rennicke.

  • In einer Folge der Kochsendung „Das perfekte Dinner“ war am Dienstag ein Lied des rechten Liedermachers Frank Rennicke zu hören.
  • Einige seiner Lieder stehen auf dem Index.

Köln – Rechte Musik auf VOX: In der Kochsendung “Das perfekte Dinner” war in der Ausgabe vom Dienstag ein Lied des rechten Liedermachers Frank Rennicke zu hören. Die Folge war bis Dienstagvormittag in der Mediathek zu sehen, ist dort aber nicht mehr abrufbar.

Vox gab am Nachmittag bekannt, dass die Folge bei TV Now nicht mehr verfügbar sei und sie auch so lange nicht mehr ausgestrahlt werde, bis der entsprechenden Ausschnitt entfernt sei. Der Fernsehsender nahm bezüglich des musikalischen Einspielers Stellung vertrat eine klare Meinung:

„Völlig zu Recht hat uns von verschiedenen Seiten die Kritik erreicht, dass im Hintergrund der "Das perfekte Dinner"-Folge vom 19.4.2016 ein Lied von Liedermacher Frank Rennicke zu hören war, der der rechten Szene zugeordnet wird. Den Kollegen war dieser Hintergrund leider nicht bekannt, als sie diesen Titel bei ihrer Musikrecherche in einem bekannten Online-Musikstore gefunden haben. Rechtsextreme Inhalte haben beim "perfekten Dinner" definitiv keinen Platz! Wir distanzieren uns ganz klar von rassistischem Gedankengut und entschuldigen uns an dieser Stelle für die absolut falsche Musikauswahl.“

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„Frank Rennicke ist eine relativ bedeutende Person der rechten Szene, der seit vielen Jahren in der NPD aktiv ist und auf allen Parteitagen auftritt”, sagt Simone Rafael, Chefredakteurin vom Portal netz-gegen-nazis.de. “Er war außerdem Mitglied der ‘Viking Jugend’; einer Bewegung in der es darum ging, die Jugendlichen zum ‘Rechtsextremismus von morgen’ zu erziehen.” Thematisch handelten seine Lieder unter anderem von “Blut und Boden”-Verehrung, so Rafael. Sie schätzt Rennicke als “völkisch rechtsextrem” ein.

Kandidatur zurückgezogen

Der Musiker wurde von einem ehemaligen Landtagsabgeordneten in Sachsen als „nationaler Reinhard Mey” gefeiert. 2009 kandidierte er für die Wahl des Bundespräsidenten als gemeinsamer Kandidat der NPD und DVU und kam auf vier Stimmen. Ein Jahr später wollte er sich erneut zum Bundespräsidenten wählen lassen, zog seine Kandidatur vor dem dritten Wahlgang jedoch zurück.

Einige der Lieder des 51-Jährigen sind indiziert. Rennickes Name taucht auch im Zuge der NSU-Ermittlungen auf, da auf mindestens einem seiner Konzerte Spenden für die untergetauchten Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gesammelt wurden. Das berichtet der BR.

Erst im März gab es eine Hausdurchsuchung im oberfränkischen Unterhartmannsreuth. Dort soll sich Rennicke nach Informationen der SZ häufiger aufhalten.

Der Musiker wurde verdächtigt, gegen das Waffengesetz verstoßen zu haben.

Die Ermittlungen wurden aber eingestellt, nachdem sich die gefundenen Waffen als Spielzeugpistolen herausstellten.

In Sozialen Netzwerken freuen sich offenkundig rechte Accounts über das Lied in der Koch-Sendung. Andere Nutzer hingegen sind empört oder üben sich in Galgenhumor.

Laut qoutenmeter.de sahen 1,51 Millionen Menschen “Das perfekte Dinner”, der Marktanteil lag bei 6,3 Prozent. 

Die Sendung läuft nach folgendem Konzept ab: Jeweils fünf Kandidaten laden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen zu sich nach Hause ein. Die jeweiligen Gastgeber versuchen dann ein möglichst perfektes Dinner zuzubereiten, bestehend aus Vorspeise, Hauptgericht und Dessert. An Ende eines jeden Dinners bewerten sich die Kandidaten gegenseitig. Wer zum Wochenschluss die meisten Punkte hat, gewinnt 1500. Euro. In der konkreten Szene, in der Rennickes Lied gespielt wird, begrüßt die Kandidatin Erika gerade ihre Gäste.

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