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Theater im BauturmDrei Frauen spielen Richard III.

3 min
Eine Frau kniet auf der Bühne, eine andere schaut zu.

Shakespeares „Richard III.“ in der Inszenierung am Theater im Bauturm

Der Shakespeare-Schurke Richard III. macht im Kölner Theater im Bauturm das Publikum zum Komplizen.  

Vorhang auf im Theater im Bauturm für ein kleines bisschen Horrorshow. Mit Richard III. betritt einer der schillerndsten Schurken aus Shakespeares Stücke-Kosmos die Bühne. Und weil es so schön ist, dem Bösen auf der Bühne Gestalt und Stimme zu verleihen, dürfen sich in der Inszenierung von Alexander Vaasen gleich alle Schauspielerinnen des dreiköpfigen Kölner Ensembles an dem sinistren Meister der Manipulation versuchen.

So gibt es Richard gleich zu Beginn in dreifacher Ausführung, wenn sich Nicole Kersten, Antonia Kalinowski und Stefanie Winner aus dem Theaternebel als Titelheld und versierter Verkäufer in eigener Sache ans Publikum wenden. Denn dass dieser heimtückische Titelheld aus seinen Ambitionen auf den Thron und seiner Lust am skrupellosen Ränkespiel keinen Hehl macht, bekommt das Publikum wie ein Mantra vom dreifachen Richard in aller Deutlichkeit mitgeteilt. Damit ist der Rahmen gesteckt und die Zuschauer in schönste Komplizenschaft genommen.

Virtuos wechseln die Darstellerinnen ihre Rollen und Kostüme

Fortan folgt man gebannt und fasziniert, wie dieser autokratische Antiheld mit allen erdenklichen Mitteln der Manipulation jedes Hindernis aus dem Weg räumt. Die Opfer seiner Machtgier lassen sich dabei teils aus Feigheit, teils aus Gier oder in der fatalen Hoffnung, dass alles schon nicht so schlimm werde, spielend leicht aus dem Weg räumen. Auch wenn die Regie auf direkte Verweise auf aktuelle Autokraten verzichtet, findet man in den Figuren, die in der stark gerafften, auf Thomas Braschs Übersetzung von 1986 basierenden stringenten Fassung ihr Unwesen treiben, dennoch ausreichend Material für Assoziationen ins aktuelle Weltgeschehen.

Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass durch den ständigen Rollenwechsel der Schauspielerinnen der Handlungsfluss nicht immer verständlich bleibt. In dieser gestrafften Version des ohnehin überbordenden Handlungsverlaufs kann man sich getrost treiben lassen bei einem Reigen der Grausamkeiten und Intrigen. Virtuos und voller Spielfreude wechseln die Schauspielerinnen derweil im Handumdrehen ihre Rollen und Kostüme. Nicole Kersten stolpert etwa als Richards naiver Bruder Clarence ins Verderben und Antonia Kalinowski lässt sich als Queen Anne vom Mörder ihres Mannes um den Finger wickeln. Stefanie Winner wiederum wird von Richard als Kronprinz gegen den eigenen Bruder aufgewiegelt, während Richard gekonnt in diesem Marionettentheater der Macht die Fäden zieht.

Die ebenso luftigen wie funktionalen Kostüme von Wynonna Nixel unterstützen die fließenden Wechsel im Rollenspiel und schlagen eine ästhetische Brücke zwischen Tudor- und Jetzt-Zeit. Neben Shakespeare-Versen in der deutschen Übersetzung, parliert das Trio auch schon mal auf Englisch oder lässt ein paar Idiome der kölschen Mundart einfließen. Erlaubt ist, was gefällt und was den Reigen in Bewegung hält. So vergehen die 90 Minuten wie im Flug, und als Zuschauer, im Bann des Bösen, bekommt man eine leise Ahnung davon, warum so oft in der Welt die Schurken triumphieren.


Nächste Termine: 22.2. 18 Uhr, 23.2., 19 Uhr, 15.3., 18 Uhr