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Türkische Sängerin Dila Yavuz in Köln„Ich singe Geschichten“

3 min
Dila Yavuz

Dila Yavuz

Die Jazzsängerin Dila Yavuz spielt im Kölner Loft mit einem vorzüglichen Ensemble ihr Hochschulabschlusskonzert.

Ohne die Abschlusskonzerte der Kölner Hochschule für Musik und Tanz wäre der Jazz in der Stadt um eine bedeutende Facette ärmer. Seit Langem prägt die renommierte Ausbildungsstätte das Kölner Klangbild, auch im Jazz. Dabei dienen die Bachelor- und Masterstudiengänge der vertiefenden künstlerischen Ausbildung, darüber hinaus aber fordern sie von Studierenden permanente Selbsterforschung, das Ausloten von Grenzen, den Aufbau von Netzwerken. Womit das Studium nicht zuletzt der Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins, von Charakterstärke und Resilienz angesichts wenig gesicherter Berufsperspektiven dient.

Nun gibt die türkische Sängerin und Komponistin Dila Yavuz ihr Masterabschlusskonzert im Loft, begleitet wird sie von allerfeinsten, jungen Kreativkräften: Auch Posaunistin Carlotta Armbruster, Keyboarder Philip Weyand, Bassist Ivan Scholz und Schlagzeuger Joshua Knauber sind verheißungsvolle, neue Instrumentalstimmen. Auch sie haben in Köln studiert, fühlen sich in verschiedensten Genres und Stilen zu Hause und wirken seit Langem an musikalisch vielfältigen Projekten nicht nur in Köln mit.

Dila Yavuz lässt sich nicht von Gattungen und Genres einengen

Damit sind sie die kongeniale Begleitung für Dila Yavuz, die sich ebenfalls nicht einengen lässt und Jazz als wichtige, aber nicht ausschließliche Quelle sieht: „Ich bin Sängerin und Songwriterin, und wenn ich komponiere, denke ich außerhalb fester Genres. Musik und Komposition sind für mich etwas Größeres, eine Art von Geschichte, die ich erzählen möchte.“ In dieser Hinsicht fühlt sie sich mit ihrem Ensemble eng verbunden: „Ich spüre unser gemeinsames Verständnis, erlebe, dass sie bereit sind, meine Gefühle musikalisch umzusetzen. Unsere Zusammenarbeit ist nicht nur ein musikalischer, sondern auch ein zutiefst menschlicher Austausch.“

Beeindruckender Beleg für solche Nähe ist Dila Yavuzs Interpretation des Songs „Asiam (Joan)“ von Ambrose Akinmusire, eingespielt im Duett mit Philip Weyand. Das Stück über die notwendige Akzeptanz des eigenen Ichs beginnt mit einem andächtigen Intro auf dem E-Piano, bevor Dila Yavuz dem Text mit sanftem Gesang viel Raum verschafft und ihn dann im träumerisch-intensiven Zusammenspiel wirken lässt. Einige Jahre zuvor sang Dila Yavuz in Istanbul im Duett mit dem renommierten Pianisten Baturay Yarkın, wobei sie Jazz-Standards wie „Speak Low“ und „Skylark“ arrangierte und einfühlsam interpretierte.

„In der Türkei habe ich zunächst traditionellen Jazz gesungen, bis mir klar wurde, dass ich Eigenes schreiben möchte und dafür eine andere Musik benötige.“ Im letzten Jahr ihres Bachelorstudiums in Istanbul habe sie Neues ausprobieren wollen, sagt sie, doch das dortige Studium sei starr konservativ: „Zum Erlernen von Jazz bekommt man ein paar Regeln an die Hand und gesagt, dass man das jetzt genauso machen müsse, um Jazz zu spielen.“ Zwar habe sie dabei viel gelernt und ihre Ausbildung durchaus genossen, aber sie wollte sich nicht in Kategorien einsperren lassen. „Viele Jazzmusizierende in der Türkei erzählen ihre eigenen Geschichten, doch die politische Lage lässt einem nicht viel Spielraum und macht es schwer, von der eigenen Musik zu existieren.“

Ihre Texte schreibt Dila Yavuz überwiegend auf Türkisch, dann sei sie ganz „drinnen bei sich selbst“. Sehr genau achtet sie darauf, welches Instrument jeweils am besten mit ihrer Musik harmoniert. Carlotta Armbruster, sagt sie, „spielt Posaune so, wie sie spricht, ihr Instrument ist tatsächlich ihre Stimme. Das korrespondiert wunderbar mit der Gefühlswelt meiner Songs.“ Ihr Masterstudium in Köln hat ihr die notwendigen Freiheiten gegeben und sie darin bestärkt, ihre türkischen Wurzeln einzubeziehen. „Die Magie von Liedern entsteht, wenn man über das bloße Verstehen der Worte hinaus seine eigenen Gefühle in der Melodie der Sprache wiederfindet. Ich lade dazu ein, den Emotionen in der Musik die Tür zu öffnen und sie zuzulassen.“

Ob sie nach dem Abschlusskonzert in Köln bleiben wird, lässt Dila Yavuz offen, verweist auf ein „paar bürokratische Hürden“. Ganz so einfach ist es dann auch hierzulande nicht, gute Arbeitsvoraussetzungen und verlässliche Strukturen zu finden.


„Dila Yavuz: Masterabschlusskonzert Gesang“, Loft, Köln, 8. Februar, 18 Uhr.