Die Posaunistin Shannon Barnett und der Bassist David Helm geben im Kölner Loft ein Benefiz-Konzert als Singer-Songwriter.
Shannon Barnett und David HelmOffen für die Magie des Augenblicks

Die Kölner Jazz-Musiker Shannon Barnett und David Helm
Copyright: Gerhard Richter
Jazz war noch nie ein in Zement gegossenes Klanggebilde. Als Kunst der freien Töne lebt er von seiner Offenheit, der Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und nicht zuletzt seiner Neugier auf das, was man noch nicht kennt. In diesem Sinne ist Jazz ein buntes Miteinander, das nicht zuletzt deshalb so wunderbar harmoniert, weil es auf Respekt, Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme baut. Mitunter tritt dabei sogar die Improvisation in den Hintergrund, und vielleicht ist die Musik dann auch gar kein Jazz mehr – wie bei der Posaunistin Shannon Barnett und dem Bassisten David Helm, wenn sie, wie nun beim Konzert im Loft, einander aufmerksam als Singer-Songwriter zuhören.
Die virtuose Jazzerin Shannon Barnett zeigt sich spätestens seit ihrem Album „How Much Is The Moon“ (2025) mit sanften, sehr persönlichen und hintergründigen Songs von einer ganz anderen Seite. Singend und Klavier spielend macht sie sich auf die Suche nach sich selbst: „Hier kulminieren etliche Gedanken der letzten Jahre, aber auch Bekanntschaften und Freundschaften, Beziehungen; dazu gesellt sich die nachgerade existenzielle Frage, was überhaupt ‚Zuhause sein‘ bedeutet.“ David Helm wiederum erfand mit dem Band-Namen Marek Johnson sozusagen eine zweite Persönlichkeit: Der Bassist, 2019 ausgezeichnet mit dem Jazzpreis der Stadt Köln, kreiert feinste, melancholisch-nachdenkliche Indie-Pop-Rock-Songs, die er selbst singt und zu denen er Klavier und Gitarre spielt.
Als Sängerin begibt sich Shannon Barnett auf die Suche nach sich selbst
Besonders reich funkeln Helms Klänge und Stimmungen auf dem jüngsten Marek-Johnson-Album „Limbs“ (2025). Mal streunt man durch einen Dschungel klug geschichteter Toncollagen, mal meint man, Memorabilia aus Folk, Blues und Psychodelia im Stil des „White Album“ der Beatles zu vernehmen, mal fasziniert ein Song allein durch seine Schönheit, bevor der nächste unvermutet eine abgründige Melancholie ausstrahlt. Das meiste davon hat Helm im Alleingang zuhause entwickelt und vorproduziert. „So etwas ist ein organischer Prozess, während dem ich wie ein Maler im Atelier arbeite: Man beginnt, unterbricht, geht nach einer gewissen Zeit neu heran, übermalt das eine, nimmt etwas anderes weg, entscheidet, was skizzenhaft bleibt, was hinzukommt, etwa an eigenem Found-Footage-Material. So entstehen die vielen Überlagerungen.“
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Für ihr gemeinsames Konzert mischen Shannon Barnett und David Helm nun ihre jeweils eigenen Songs und verbinden sie zu einem synergetischen Klangkunstwerk. Melodien und Töne, Stimmen und Sphären begegnen und ergänzen sich auf Augenhöhe, miteinander vertraut, einander zugeneigt, dabei ohne Zwang, jederzeit offen, ja sogar weltoffen für die Magie des Augenblicks.
Noch etwas Besonderes zeichnet das Konzert der beiden im Loft aus: Es ist die siebte Ausgabe der Benefizreihe „Kölner Künstler:innen für Kinder“, die bislang vorrangig in der Kartäuserkirche stattfindet und unter dem Thema „Von der Klassik zum Jazz und zurück“ nun erstmals zu einem neuen Ort aufbricht. Das erste von Frank Schneider initiierte Benefizkonzert fand bereits im November 2022 statt und wurde zum Auftakt einer ambitionierten Konzertreihe, die Kindern helfen möchte, die dringend auf Unterstützung angewiesen sind. Schneider sagt dazu: „Musik eignet sich vorzüglich, um auf das wichtige Thema Kinder in der Gesellschaft hinzuweisen. Da zu helfen und auch etwas für mehr Bildung zu tun, das ist eine Investition in die Zukunft.“ Die Eintrittseinnahmen sowie alle weiteren Spenden werden dieses Mal dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Köln zugutekommen.
Shannon Barnett & David Helm. Benefizkonzert der Reihe „Kölner Künstler:innen für Kinder“. Loft, 25. 1., 18 Uhr.

