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Umstrittenes „Nurejew“-Ballett feiert Premiere in Berlin

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Kirill Serebrennikow

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow lebt mittlerweile im Exil. (Archivbild)

Eine in Moskau verbotene Inszenierung über die Tanz-Ikone Rudolf Nurejew kommt auf die Bühne der Deutschen Oper. In Russland wurde das Stück politisch zensiert.

Ab Samstag, dem 21. März, präsentiert das Staatsballett Berlin eine Inszenierung, die in Moskau nicht aufgeführt werden darf: Das Werk des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikow widmet sich der Tanz-Ikone Rudolf Nurejew. Zuvor hatte das Bolschoi Theater in Moskau die Aufführung über den homosexuellen, an Aids verstorbenen Tänzer im Jahr 2023 auf politischen Druck hin abgesetzt, wie die Nachrichtenagentur dpa meldet. Ironischerweise war Serebrennikow (56) für das Ballett in seinem Heimatland ursprünglich prämiert worden, ehe eine politische Entscheidung das Verbot bewirkte.

Gemeinsam mit dem Choreographen Yuri Possokhov bringt Regisseur Serebrennikow das Werk nun zum ersten Mal jenseits der russischen Grenzen auf die Bühne. Die Aufführung findet in der Deutschen Oper Berlin statt. In dem Stück verschmelzen die Kunstformen Ballett, Oper und Schauspiel zu einer Würdigung des Lebens von Nurejew (1938-1993), der als einer der herausragendsten Tänzer des 20. Jahrhunderts angesehen wird.

Hintergründe der Absetzung in Moskau

Die Premiere von „Nurejew“ erfolgte ursprünglich 2017 am Bolschoi Theater. Die Streichung aus dem Programm im Jahr 2023 begründete das Haus offiziell mit dem Gesetz gegen die Verbreitung von „nicht traditionellen Werten“. Dabei zählte die Inszenierung zu den erfolgreichsten Stücken des international renommierten Ensembles und thematisiert die Biografie des in der Sowjet-Ära emigrierten Stars.

Auf der Moskauer Bühne wurden beispielsweise gleichgeschlechtliche Liebe und Männer in Damenbekleidung mit Stöckelschuhen dargestellt. Solche Inhalte gelten als Zuwiderhandlung gegen ein von Präsident Wladimir Putin erlassenes Gesetz. Dieses untersagt positive Erwähnungen von Homosexualität und sieht empfindliche finanzielle Sanktionen vor. Aus diesem Grund entfernten auch Verlage und der Buchhandel diverse Titel, sogar Klassiker der Weltliteratur, aus ihrem Sortiment. Die Homosexualität an sich steht in Russland jedoch nicht unter Strafe.

Künstler im Exil als Folge der Repression

Serebrennikow, ein entschiedener Kritiker des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, kehrte seinem Heimatland aufgrund politischer Repressalien den Rücken. Sein durchgehend ausverkauftes Ballett „Nurejew“ wurde mit vier Preisen des angesehenen Wettbewerbs Benois de la Danse geehrt. Ihn persönlich würdigte die internationale Jury in Moskau mit der Auszeichnung für die beste Regiearbeit im Ballett. Nach eigener Aussage wird er heutzutage von der staatlichen Propaganda entweder ignoriert oder diffamiert.

Im Kontext der zunehmenden Unterdrückung von Kulturschaffenden in Russland fiel auch Serebrennikow bei regimetreuen Funktionären des Kulturbetriebs in Ungnade, welche die von der russisch-orthodoxen Kirche vertretenen Werte hochhalten. Die Furcht vor Repressalien hat zahlreiche Künstlerinnen und Künstler dazu bewogen, Russland zu verlassen, damit sie ihre Arbeit in Freiheit fortsetzen können. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.