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BAP-Frontmann verewigtWolfgang Niedecken in Bronze

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Künstler Thomas Duttenhoefer

Künstler Thomas Duttenhoefer wurde in Speyer geboren und lebt seit 1979 in Darmstadt.

Zum 75. Geburtstag wurde BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken eine besondere Ehre zuteil: Ein Künstler hat ihn in Bronze gegossen.

Ein 14 Kilogramm wiegender Bronzekopf, der auf einem Sockel im südlichen Teil von Rheinland-Pfalz steht, ist das Abbild von Wolfgang Niedecken, dem Kopf der Kölner Band BAP. Wie die dpa meldet, hat der Künstler Thomas Duttenhoefer den Musiker porträtiert, welcher am 30. März sein 75. Lebensjahr vollendet.

In der kleinen Gemeinde Tiefenthal posierte der BAP-Chef für den Bildhauer über Stunden als Modell. „Ich war verblüfft, mit welch sicherem Auge der mich porträtiert hat“, äußert sich Niedecken, der selbst ein Studium der Kunstgeschichte und Freien Malerei absolvierte. „Phänomenal, was der Thomas Duttenhoefer da sieht.“

Galerist Wolfgang Thomeczek

Galerist Wolfgang Thomeczek wurde in Kobern-Gondorf geboren und lebt in Tiefenthal.

Kölner Musiker stand in Tiefenthal Modell

Der Galerist Wolfgang Thomeczek aus der Pfalz hatte Niedecken nach einem Konzert in Zürich angesprochen. Einige Monate darauf wurde in Tiefenthal aus Ton ein Kunstwerk geformt. Die Arbeit sei fordernd gewesen, berichtet der Künstler Duttenhoefer (76).

Künstler Thomas Duttenhoefer

Duttenhoefer mit den Skulpturen von Niedecken (m), Reitz (l) und Adorf (r).

Seine Methode beschreibt der in Darmstadt lebende Bildhauer präzise: „Ich betaste den Kopf nicht“, betont Duttenhoefer. „Auf keinen Fall. Ich dagegen vertraue dem Blick. Dem kurzen Moment zwischen Beobachtung und Form. Ich bin kein Bildhauer, eher ein Bildner.“

Anlass für das Werk sind nicht nur Niedeckens 75. Geburtstag, sondern auch das 50-jährige Bestehen von BAP. Doch was reizt den Künstler an diesem Porträt? „Ein Kopf muss mich inspirieren. Ich habe mehr als 200 Porträts gemacht. Jedes Mal eine neue Herausforderung“, erklärt Duttenhoefer.

Von Mario Adorf bis Edgar Reitz

Auf Thomeczeks Initiative hin wurden bereits Skulpturen des Schauspielers Mario Adorf (95) und des Regisseurs Edgar Reitz (93) geschaffen – ebenfalls Persönlichkeiten mit einer Verbindung zu Rheinland-Pfalz. Adorf verbrachte seine Jugend in Mayen in der Eifel, Reitz stammt aus Morbach im Hunsrück.

Auch Niedecken besitzt eine rheinland-pfälzische Biografie: Sein Vater kam aus Unkel im Kreis Neuwied, und als Kind war der Musiker häufig bei Onkel und Tante zu Besuch. Viele heutige Skulpturen seien ohne Seele, findet der Galerist Thomeczek (76). „Das wirkt wie abgescannt, ein Abklatsch. Thomas Duttenhoefer ist eine andere Liga.“

Zwei Exemplare des Bronze-Kopfes gegossen

Dieser Bewertung stimmt Niedecken zu. „Ich hatte nicht das kleinste Gefühl, dass das in die Hose geht.“ Während des Prozesses vollführte er nach eigenen Worten „die langsamste Pirouette meines Lebens“, um dem Bildhauer jede Ansicht zu gewähren. Das Endprodukt aus einer Gießerei in Unterfranken hat er noch nicht begutachtet. „Aber ich hätte bereits die Rohversion abgenickt. Schon die war großartig.“

Besonders angetan haben es dem Musiker „Die Bürger von Calais“ von Rodin und das Konrad-Adenauer-Denkmal in Köln. Von seinem eigenen Kopf wurden übrigens zwei Exemplare gegossen: Eines erhält Wolfgang Niedecken selbst.

Dass der Sänger trotz einer laufenden Tournee in den kleinen Ort Tiefenthal reiste, betrachtet Thomeczek als bemerkenswert. Doch der Galerist liefert eine simple Begründung: „Der Kunst ist der Ort egal“, stellt er fest. „Kunst kennt keine Provinz.“ (red)

So präsentiert sich der Kopf nun, dunkel und beständig. Bronze als Mittel gegen die Vergänglichkeit. Dennoch umgibt ihn eine Aura des Flüchtigen, wie der Nachhall eines Augenblicks. Womöglich liegt genau darin die Kunst. Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.