Leserbriefe zu Gas aus Russland„Dann werden wir uns eben einschränken!“

Über 50 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases stammt aus Russland.
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Die scharfe Waffe Energie – Was droht Europa, wenn Russland den Gashahn zudreht? (9.3.)
Rasch handeln, damit Putin in Zugzwang kommt
Bis jetzt fand ich unseren neuen Kanzler recht gut. Seine Äußerung, nach der wir den Gashahn aus Russland nicht zudrehen werden, finde ich allerdings ganz furchtbar und unpassend! Russland wurde doch mit den härtesten Wirtschaftssanktionen gedroht! Das sind aber keine harten Wirtschaftssanktionen. Nun dreht Russland nämlich den Spieß um und droht uns damit, kein Gas mehr zu liefern. Wir sehen doch in Deutschland die Sympathien und Spendenbereitschaft für die Ukraine, so dass wir ruhig auf die Energie aus Russland verzichten können. Dann werden wir uns eben einschränken!
Wir haben die Pandemie gut in den Griff bekommen, auch mit Montagsspaziergängen, so dass wir diesen Energiemangel auch in den Griff bekommen und überstehen werden. Wenn Putin uns den Gashahn zudreht, dann haben wir dieselbe Situation. Darum sollten wir so schnell wie möglich handeln, damit Putin in Zugzwang kommt und nicht wir. Dann haben wir das Pfand in der Hand. Über die Demonstrationen gegen den Krieg in der Ukraine lacht Purin doch nur, so wie er auch über die Sanktionen der EU gelacht hat.Christel Koch Hürth
Heulen und Zähneklappern in Deutschland
Wie befürchtet hat Wladimir Putin allen Beteuerungen zum Trotz die Ukraine nun doch auf breiter Front angegriffen. Dem düpierten Westen bleibt nur die Androhung und die Durchführung von Sanktionen, die die normale russische Bevölkerung, zumindest was die Basisversorgung anbelangt, kaum treffen wird, da Russland inzwischen zum weltweit größten Getreideexporteur aufgestiegen ist und auch Fleisch in ausreichendem Maße selbst produziert. Zusammen mit den schier unerschöpflichen Energieressourcen wird also kein Russe hungern oder frieren. Im Westen sieht dies etwas anders aus!
Sollte Putin bezüglich der Gasexporte eine Vollbremsung hinlegen, dürfte es in der deutschen Bevölkerung rasch zu Heulen und Zähneknirschen kommen und viele Milliarden an Subventionen erforderlich machen. Es bleibt zu hoffen, dass beide Seiten in sich gehen und diesen unsinnigen Konflikt, der nur Verlierer produzieren wird, baldmöglichst beenden.Leider spielen die USA keine rühmliche Rolle was den Konflikt Russland-Ukraine-Europa betrifft. Im Gegenteil!
Indem man Russland zur „Regionalmacht“ herunterstufte, hat man ein Klima geschaffen, welches sicher mit dazu beigetragen hat, dass Russland glaubt, jetzt das Gegenteil beweisen zu müssen. Die Leidtragenden werden, neben den unmittelbaren Konfliktparteien, die Europäer sein. Sie werden die zu erwartenden Flüchtlingsströme aufnehmen müssen, während die USA durch Waffen - und Flüssiggaslieferungen nicht unerheblich profitieren dürften.Dr. Hans-Jürgen Statz Köln
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Gas zu beschaffen dürfte teuer, aber nicht unmöglich sein
Natürlich würde ein Ausbleiben russischer Energielieferungen Deutschland hart treffen. Bei der Stromversorgung den Gasanteil zu ersetzen, ist dabei das geringste Problem. Ein Großteil der Kohlekraftwerke ist extrem unausgelastet, weil die erneuerbaren Energien Vorrang haben. Zudem stehen für Extremfälle Backup-Kraftwerke zur Verfügung. Und wenn es hart auf hart kommt, darf Ideologie keine Rolle spielen. Schließlich könnte man drei Kernkraftwerke länger laufen lassen und drei weitere, die vor zwei Monaten abgeschaltet wurden, wieder in Betrieb nehmen.
Die Gasmengen zu beschaffen, die für Industrie und Haushalte notwendig sind, sollte zwar teuer, aber möglich sein. Allerdings müssten dann die Niederlande und Belgien ihre Flüssiggas-Terminals und Gasleitungen zur Verfügung stellen, damit Deutschland versorgt werden kann. Europa verfügt über insgesamt 28 Flüssiggas-Terminals, Deutschland erstaunlicherweise über keines. Hier besteht sofortiger Handlungsbedarf.Klaus Link Köln
Energie sparen als Zeichen gegen Putin
Das russische Gas muss unbedingt gestoppt werden. Wir werden Gas sparen, indem wir bei Kälte von unseren zweieinhalb Zimmern nur noch ein Zimmer nutzen. Wir glauben, dass es zigtausende Menschen in Deutschland auch so machen werden. Wir sind bereit, weiteres zu unternehmen, auch wenn es uns finanziell belastet. Dem mörderischen Diktator kann man nicht genug Steine wegen seines verbrecherischen Wirkens in den Weg legen. Gertrud und Johann Lang Köln

Durch diese Erdgasverdichtungsstation im brandenburgischen Mallnow strömt russisches Gas nach Deutschland.
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Ohne Boykott finanzieren wir Putins Krieg mit
Natürlich sind all die Hilfsaktionen für die zivile Bevölkerung der Ukraine großartig, natürlich ist es richtig, die Flüchtlinge aufzunehmen, und es muss weiter versucht werden, den Krieg über diplomatische Bemühungen zu beenden. Aber solange wir uns vor den Folgen eines Boykotts von russischem Gas, Öl und russischer Kohle fürchten, finanzieren wir Putins Krieg mit und er lacht über unseren verbalen Protest. Das aus einem Boykott für uns entstehende „Leid“ wäre dann immer noch gering gegenüber der sichtbaren Verzweiflung der ukrainischen Bevölkerung; es wäre aber dann tatsächlich Mit-Leid für das ukrainische Volk.
Erst wenn wir bereit sind, uns neu zu formieren, uns anders als heute zu organisieren, Überlegungen anzustellen, wie jeder Einzelne ohne Putins Gas, Öl und Kohle über die Runden kommt, könnte Putin das Lachen vergehen. Wir sehen, wie entschlossen die ukrainischen Männer gegen Putins Armee kämpfen, wie mutig dort Bürger und Bürgerinnen gegen die Besatzer protestieren und sich ihnen in den Weg stellen. Warum sind wir in Angesicht dessen so kleinmütig und zaghaft, einen entscheidenden Schritt gegen Putin zu wagen? Solange wir nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen, gegen Putin vorzugehen, machen wir uns mitschuldig am Krieg gegen die Ukraine.Udo Eickenberg Köln
Einseitige Abhängigkeit künftig vermeiden
In seinem Kommentar „Gas-Boykott wäre naiv“ vom 10. März schreibt Thorsten Breitkopf: „Mittelfristig allerdings lehrt uns dieses russische Vorgehen, wie gefährlich es sein kann, sich von einem einzigen Lieferanten abhängig zu machen“. Das ist doch ein Grundsatz fürs Leben! Ich würde mich selbst von Freunden nicht abhängig machen. Vielleicht maximal bis zu 30 Prozent Gas aus Russland zu beziehen, wäre okay – aber 55 Prozent! Was waren das für Leute, die das entschieden haben?Harald Michelsen Köln
Beziehungen zu China überdenken
Danke, Thorsten Breitkopf, für Ihren Kommentar „Gas-Boykott wäre naiv“. Frau Güler, seit neuestem zur Verteidigungsexpertin avanciert, fügt der von ihr festgestellten Naivität eine weitere hinzu. Weder denkt sie, wie sie selber fordert, die Dinge vom Ende her, welche wirtschaftlichen Folgen ein Gas-Boykott für uns hätte, noch glaubt sie offenbar an einen Erfolg einer solchen Maßnahme. Denn im letzten Satz des Interviews sagt sie: „Die einzigen, die Putin jetzt stoppen können, sind wohl China oder sein eigenes Volk.“ Apropos China: Befinden wir uns nicht auch längst in den Beziehungen zu diesem Land auf manchen Feldern in einer gefährlichen Abhängigkeit? Könnte man mal thematisieren. Klaus Harke Köln



