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Kein Bock?Wie mentale Gesundheit die Liebe beeinflusst

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Ein Paar sitzt schweigend auf dem Sofa, beide wirken innerlich erschöpft und distanziert – ein stilles Bild über mentale Belastung in Beziehungen.

Die Psyche kann die Liebe belasten. Wichtig ist Kommunikation zwischen den Partnerinnen und Partnern. Dann können auch Krisen überstanden werden.

Wenn die Psyche leidet, leidet oft auch die Beziehung. Was man dagegen tun kann, verrät uns unsere Autorin Louisa Noack, Paar- und Sexualtherapeutin in Köln.

In meiner Praxis begegnen mir immer wieder Paare, die sich nicht etwa wegen eines Seitensprungs oder ständiger Streitereien entfremdet haben, sondern weil einer von beiden – manchmal auch beide – mit der eigenen psychischen Gesundheit kämpfen. Depressionen, Ängste oder chronische Erschöpfung wirken sich oft leise, aber nachhaltig auf Beziehungen aus. Was als innere Krise beginnt, wird schnell zur partnerschaftlichen Belastung.

Psychische Erkrankungen sind kein Randphänomen. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Gesundheit aus dem Jahr 2023 berichten mehr als ein Drittel der Deutschen regelmäßig von psychischer Überlastung. Besonders häufig genannt werden Gefühle von Antriebslosigkeit, innerer Unruhe, sozialem Rückzug und Überforderung – alles Symptome, die direkte Auswirkungen auf das Miteinander in einer Partnerschaft haben können.

Wenn Nähe plötzlich schwierig wird

Was früher leichtfiel: ein liebevolles Gespräch, eine Umarmung, ein gemeinsamer Abend kann für Menschen in einer depressiven Phase zur Überforderung werden. Der Rückzug ist selten böse gemeint. Er ist ein Schutzmechanismus. Doch wer ihn nicht versteht, deutet ihn schnell als Desinteresse. So entstehen Missverständnisse, obwohl eigentlich nur Überforderung im Raum steht.

Auch sexuelle Lust leidet häufig unter psychischen Belastungen. Studien zeigen: Bei Depressionen ist Libidoverlust ein häufiges Symptom. In der Paarberatung zeigt sich oft, dass dieser Rückzug nicht mangelnde Liebe bedeutet, sondern Ausdruck innerer Not ist.

Was Paare bei Lustlosigkeit tun

Die wichtigste Grundlage ist eine offene, ehrliche Kommunikation – ohne Schuldzuweisungen. Ein Satz wie „Ich merke, dass ich gerade wenig geben kann, aber ich will mit dir in Verbindung bleiben“ kann mehr bewirken als jede Analyse.

Auch externe Hilfe kann entlasten. Eine Paartherapie ersetzt keine psychotherapeutische Behandlung, aber sie schafft Raum, um gemeinsam zu verstehen, was passiert – und wie beide gut damit umgehen können. Oft entstehen daraus neue Perspektiven und eine Rückkehr zur Nähe.

FAQ Mentale Gesundheit & Beziehung

Kann Liebe an einer Depression zerbrechen? Ja – aber sie muss es nicht. Beziehungen können auch an Tiefe gewinnen, wenn man Krisen gemeinsam durchsteht.

Soll ich bleiben, auch wenn mein:e Partner:in krank ist? Nicht um jeden Preis. Aber wenn Raum für Entwicklung bleibt und beide sich nicht aufgeben, kann die Beziehung wachsen.

Was kann ich als gesunde:r Partner:in tun? Grenzen wahren, ohne sich zu distanzieren. Selbstfürsorge ist ebenso wichtig wie Mitgefühl.

Weitere Informationen und persönliche Beratung gibt es auf kommwirreden.de

hier direkt zu kommwirreden.de

Psychische Krisen müssen keine Beziehungskiller sein – wenn beide bereit sind, sich ehrlich zu begegnen. Wer Unterstützung sucht, zeigt nicht Schwäche, sondern Mut. Und oft beginnt genau darin ein neuer Weg zur Nähe.