Der Kölner Astronaut Alexander Gerst und sein Kollege Matthias Maurer äußern sich zur Artemis-Mission – und werfen einen Blick in die Zukunft.
„Dann muss man mit Menschen hin“Kölner Astronaut Gerst sieht neue Ära – und „hält sich bereit“ für Mondmission
Der Wahlkölner Alexander Gerst (49) sieht mit der Rückkehr der Astronauten der Mondmission zur Erde eine neue Ära in der Raumfahrtforschung angebrochen. Das sei die zweite Welle der Exploration des Mondes, um den Weltraum zu erkunden, sagte der Astronaut am Morgen im Deutschlandfunk. „Da geht es nicht mehr darum, Flaggen aufzustellen wie in der ersten Welle.“ Nun gehe es darum, permanent präsent zu sein auf der Mondoberfläche als Wissenschaftler und Wissenschaftlerin.
Die US-Astronauten Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und der Kanadier Jeremy Hansen waren in der Nacht zum Samstag (MESZ) planmäßig im Pazifik nahe San Diego gelandet. Sie waren rund zehn Tage im All.
Kölner Astronaut Alexander Gerst: Neue Ära in der Raumforschung
„Das wichtigste Ergebnis hierbei ist, dass das Raumschiff funktioniert“, sagte Gerst. „Das war gar nicht so sicher vorher, dass das mit Menschen funktionieren würde.“ Es benötige zunächst „ein paar Testmissionen“, bevor man sich hinauswagen könne auf die Mondoberfläche.

Alexander Gerst, Astronaut und Kommandant der ISS, salutiert scherzhaft beim Selfie während einer Versuchsreihe zur Entwicklung neuer Textilien und Instrumente auf der Internationalen Weltraumstation ISS. (Archivbild)
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Gerst gab zu bedenken, nicht alles könne mit der Hilfe von Robotern und Technik erforscht werden. Ein ferngesteuertes Fahrzeug könne nur einen relativ kleinen Bereich abdecken und wenige Proben nehmen. „Die Planeten-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sagen uns sehr klar, (...) um wirklich einen Planeten zu erforschen oder ein Objekt wie den Mond, dann muss man da auch mit den Menschen hin.“
Matthias Maurer: „Wir denken daran, eine Station aufzubauen“
Auch der deutsche Astronaut Matthias Maurer äußerte sich zu der erfolgreichen Artemis-2-Mission. Es sei eine „historische Reise“ gewesen, sagte Maurer im Interview mit dem ZDF. Menschen seien zum ersten Mal seit 1972 dem Mond sehr nahegekommen, wenn auch nicht gelandet. „Aber das ist eine Mission, bei der wir jetzt die Weichen stellen für die nächsten Jahre und auch Jahrzehnte“, führte Maurer aus.
Nun gehe es darum, eine Mondbasis aufzubauen und den Mond zu erkunden, ihn „sozusagen zu einem neuen Kontinent“ zu machen, erklärte der Astronaut. „Dann macht man direkt richtig große Sprünge. Wir denken daran, eine Station aufzubauen.“
„Wir können sehr, sehr viel lernen, vor allem auch über uns“
Bei den kommenden Missionen soll es laut Maurer mit der Mondlandung soweit sein. Ab „Artemis 5“ seien außerdem weitere Schritte wie ein Mondauto denkbar. Ziel sei es auch, in Zukunft Gestein als „Schatz“ zurück auf die Erde zu bringen.

Matthias Maurer (l.) und Alexander Gerst, beide Astronauten, bei einem Interview. (Archivbild)
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„Wir können sehr, sehr viel lernen, vor allem auch über uns, unseren Planeten, die Erde. Und letztendlich vielleicht auch der großen Frage ein bisschen näher kommen: Gibt es Leben irgendwo da draußen im All?“, führte Maurer aus. Es gehe also um einen „historischen Neubeginn, eine neue Erde im Weltraum“.
Gerst und Maurer bereit für Artemis-Mission: „Würden uns sehr freuen“
Gerst äußerte sich ebenfalls im ZDF – auch mit Blick auf eine eigene mögliche Teilnahme an einer Artemis-Mission. Die Frage, wann wieder ein Europäer oder eine Europäerin mitfliegen werde, werde sich „in den nächsten Monaten klären“, erklärte der Kölner Astronaut.
„Matthias Maurer und ich würden uns natürlich beide sehr darüber freuen, wenn wir die Chance bekommen würden, zum Mond zu fliegen, in einer der nächsten Missionen“, fügte Gerst hinzu. „Also, wir halten uns bereit.“
Alexander Gerst: Artemis-2-Crew geht es „sehr gut“
Erstmals hatten 1969 Menschen den Mond betreten. Eines der berühmtesten Bilder der Mondlandung 1969 zeigt Astronaut Buzz Aldrin neben einer US-Flagge. Der nun erfolgreich zur Erde zurückgekehrten Artemis-2-Crew gehe es „sehr gut“, berichtete Gerst nun. Crewmitglied Reid Wiseman habe ihm geschrieben und berichtet, dass er sehr froh sei, dass alles gut gelaufen ist.
Die vier „Artemis 2“-Astronauten an Bord der „Orion“-Kapsel – die US-Astronauten Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und der Kanadier Jeremy Hansen – waren am Samstag plangemäß im Pazifik nahe San Diego gelandet. Sie waren die ersten Menschen seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes. (das/dpa)
