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Nach Angriffen Attila Hildmann setzt Kopfgeld auf Anonymous aus

Hildmann Demo

Attila Hildmann bei einer Kundgebung in Berlin

Köln – Der Verschwörungsideologe Attila Hildmann hat auf seinem Telegram-Kanal zum wiederholten Mal 1000 Euro ausgelobt, um an Namen und Adressen von „Mitgliedern“ der Hacktivism-Bewegung Anonymous zu gelangen.

Anonymous hatten Hildmann zuvor zum Ziel ihrer Kampagne #optinfoil (Operation Alufolie) gemacht, und Details zu Hildmanns Geschäften und Admins in seinem Gruppenchat offengelegt. Die Netz-Aktivisten hatten sich ebenfalls Zugriff auf den Webserver von Hildmanns Online-Shop verschafft und dazu aufgerufen, sich per Mail an die wenigen verbliebenen Geschäftspartner von Hildmann zu wenden und zu fragen, warum weiterhin eine Zusammenarbeit bestehe. Bei den meisten Aktionen von Anonymous handelt es sich um Recherche und legalen Aktivismus. Netzwerkangriffe, wie das vorübergehende Lahmlegen einer Website durch DDoS, sind in Deutschland jedoch strafbar.

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Hildmann sitzt dem Irrglauben auf, Anonymous Germany sei „nicht das echte“ Anonymous und gleichzusetzen mit der Antifa. Er macht das Kollektiv für zahlreiche Rückschläge verantwortlich. So unterstellt er den Aktivisten, sie hätten dafür gesorgt, dass seine Social-Media-Accounts gesperrt wurden und seine Bio-Ware in Geschäften aussortiert wurde. Tatsächlich hatten die meisten Ketten die Zusammenarbeit mit Hildmann beendet, bevor Anonymous aktiv wurde. Auch seine Profile auf Instagram und Facebook wurden bereits frühzeitig gesperrt, weil Hildmann dort mit seinen Beiträgen gegen die AGBs verstoßen hatte.

Der Imbiss-Betreiber behauptet, Anonymous hätte Anschläge auf seinen Laden verübt. Schon vor Monaten veröffentlichte Hildmann Bilder, die zeigten, dass das Geschäft in der Nacht von außen beschmiert wurde. Anonymous Germany hat sich wiederholt von den vermeintlichen Anschlägen distanziert. Man sei lediglich im Netz aktiv und spreche sich gegen jegliche Form von Gewalt aus.

Hildmann relativiert Rechtsextremismus

Hildmann, der mit veganen Kochbüchern Bekanntheit erlangte, hat sich im Zuge der Corona-Krise zusehends radikalisiert. Über die Messenger-App Telegram verbreitet er krude Fantasien, die er sich im Netz zusammensucht, wettert gegen „Zionisten“ und „Bolschewiken“, behauptet, die „Elite“ wolle die Weltbevölkerung dezimieren und die Menschheit zwangsverchippen, und relativiert Hitler. Er verbreitet außerdem den Reichsbürger-Mythos, Deutschland sei kein souveräner Staat und von den USA besetzt. Hildmann, der davon ausgeht, dass alle seine Kritiker linksextrem oder staatlich gesteuert sind, bezeichnet sich selbst im Vergleich als „ultrarechts“. Rechten Terror und rechtsextreme Umtriebe, zum Beispiel bei der KSK, relativiert der Kochbuchautor. Er behauptet, der „linksextreme Staat“ würde alles Abweichende als rechtsextrem einstufen. Der Staatsschutz ermittelt bereits seit Mai.

Nach anfänglicher Aufmerksamkeit stagniert die vermeintliche Bewegung von Hildmann, dessen selbsterklärtes Ziel es ist, ins Kanzleramt zu gelangen. An seinen wöchentlichen Demos in Berlin nehmen regelmäßig ein paar Dutzend Menschen teil.

Dass der Imbiss-Betreiber Unterstützern Geld bietet, ist kein neuer Ansatz. So versuchte er bereits, sich Berichterstattung zu erkaufen, indem er Journalisten Geld bot, um über ihm naheliegende Themen zu berichten. Zuletzt schrieb Hildmann auf Telegram eine Stelle für einen Journalisten aus, um ein „Mediumimperium“ aufzubauen.