Politische Spannungen um Russland und Israel überschatten die Kunstbiennale in Venedig. Die Eröffnungsfeier wurde abgesagt.
Eklat bei der BiennaleWegen Russland und Israel tritt die Jury zurück, keine Feier

2022 und 2024 wurde der Pavillon von Russland nicht genutzt. Nun wird er wieder genutzt - wenn auch unter besonderen Bedingungen. (Archivbild)
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Die 61. Kunstbiennale in Venedig beginnt überschattet von Auseinandersetzungen um die Beteiligung Russlands und Israels ohne eine feierliche Eröffnung. Wenn eine der weltweit bedeutendsten Kunstschauen um 11 Uhr für die Allgemeinheit zugänglich wird, findet keine Zeremonie statt. Infolge des Rücktritts der Jury wegen des Streits erfolgt die Preisvergabe erst zum Ende der Veranstaltung im November durch eine Abstimmung des Publikums.
„Bei der Biennale hat Putin gewonnen“, äußerte Italiens Kulturminister Alessandro Giuli verbittert. Wäre die Regierung von Biennale-Leiter Pietrangelo Buttafuoco früher über das russische Teilnahmegesuch in Kenntnis gesetzt worden, hätte man dies als diplomatisches Druckmittel einsetzen können – womöglich für eine Feuerpause in der Ukraine, erklärte er der italienischen Publikation „Corriere della sera“. Dem widerspricht jedoch Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini, der vor Zensurmaßnahmen warnt.
Streit um politische Beteiligung
Buttafuoco selbst zeigte sich verständnislos gegenüber der Kritik und beklagte mangelnde Toleranz sowie Zensurvorwürfe. Die Kunstschau sei kein Tribunal. „Dies ist ein Garten des Friedens, ein Ort, an dem ausgestellt wird, ein Ort, an dem diskutiert wird, ein Ort, wo man sich zuhört“, führte er aus.
Für Russland, das am heutigen Tag den Sieg im Zweiten Weltkrieg begeht, markiert die erstmalige Teilnahme seit Beginn der Invasion in der Ukraine das Ende der kulturellen Abschottung im Westen. Etwa 50 vom russischen Staat ausgewählte Kunstschaffende, zu denen Musiker, Lyriker und Philosophen zählen, wirkten an dem musikalischen Performance-Projekt mit dem Titel „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“ mit.

Die Gruppierungen Pussy Riot und Femen haben schon vor dem offiziellen Biennale-Start farbenfroh gegen Russlands Anwesenheit demonstriert.
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Der Pavillon, welcher sich im Eigentum des russischen Staates befindet, bleibt für die Öffentlichkeit zwar unzugänglich. Jedoch können Besucher die Installation im Außenbereich auf einer großen Leinwand betrachten. Dies sei von Beginn an auf diese Weise konzipiert gewesen, erklärt die kontroverse Kuratorin Anastassija Karnejewa, die Tochter eines für den Staatskonzern Rostec arbeitenden Rüstungsmanagers mit dem Rang eines Generals des Geheimdienstes.
Gegner der Teilnahme bewerten die kulturelle Offensive Russlands als Element der „hybriden Kriegsführung“ Moskaus. Während Russland Tötungen verübe, gewähre die Biennale den Funktionären und Propagandisten von Kreml-Chef Wladimir Putin Zugang, so Nadja Tolokonnikowa, die Frontfrau der in Russland untersagten Punk-Formation Pussy Riot.
Kritik an Russland und Protest der Ukraine
Ihrer Ansicht nach hätte die Kunstschau stattdessen russische Kunstschaffende einladen können, die vom „Putins Regime“ verfolgt werden. „Kunst ist niemals neutral“, hob sie während einer Protestkundgebung am Pavillon hervor, an der auch ukrainische Aktivistinnen der Organisation Femen teilnahmen.
Auch die Ukraine legte Protest gegen die Wiederteilnahme Russlands an der Biennale ein. Als Grund wurden offizielle Angaben aus Kiew genannt, wonach im Verlauf des von Moskau geführten Krieges Tausende Kulturdenkmäler sowie andere kulturelle Stätten zerstört oder in Mitleidenschaft gezogen wurden. Zudem seien Zehntausende für die nationale Identität bedeutende Kulturgüter entwendet und 346 Kunstschaffende während der russischen Invasion ums Leben gekommen, so die Mitteilung aus Kiew.
Das vom Krieg gezeichnete Land präsentiert in Venedig das Projekt „Sicherheitsgarantien“. Hierfür reproduziert die Künstlerin Schanna Kadyrowa aus der Ukraine ihre Skulptur „Origami-Hirsch“ aus Papier. Das Originalkunstwerk war 2024 während der Kriegsunruhen aus der Stadt Pokrowsk in der Region Donezk evakuiert worden.
Israelischer Beitrag ebenfalls umstritten
Die Teilnahme Israels ist ebenfalls umstritten. Ursprünglich beabsichtigte die Jury, das Land zusammen mit Russland von der Preisverleihung auszuschließen, ehe sie kollektiv zurücktrat. Er habe sich über diesen Rücktritt gefreut, erklärte der rumänisch-israelische Bildhauer Belu-Simion Fainaru gegenüber der Zeitung „Die Welt“. In Venedig fühle er sich jedoch „völlig isoliert“, wie der Schöpfer des israelischen Pavillons berichtete. „Mit keinem einzigen Künstler und Kurator auf der Biennale gibt es Interaktion.“

Auch der Umgang mit Israel wurde zum Streitpunkt. Der Gestalter des Pavillons sagt, ihm gehe es um Kunst, nicht die Politik der israelischen Regierung.
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Fainaru möchte nicht für die politischen Entscheidungen der israelischen Regierung zur Verantwortung gezogen werden. Gegen dessen Chef Benjamin Netanjahu liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) wegen Kriegsverbrechen im Gazastreifen vor. „Ich jedenfalls bin als Künstler nach Venedig gekommen, und nicht, um meine politische Haltung oder diejenige meines Landes zu vertreten oder um mich zu Vorwürfen gegen einen Regierungschef zu äußern“, äußerte er gegenüber der „Jüdischen Allgemeinen“. „Das würde ich sehr gerne den Politikern überlassen.“

Am Vorabend der Eröffnung kam es zu Protesten.
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Die israelische Teilnahme rief dennoch Protestierende auf den Plan. Am Abend vor der Eröffnung für das Publikum zogen ungefähr 2.000 Personen durch die Straßen Venedigs. Ordnungskräfte setzten Schilde und Schlagstöcke ein, um sie zurückzudrängen. (dpa/red)
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