Schauspielerin Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Immer häufiger werden Frauen Opfer digitaler sexueller Gewalt.
Fall Ulmen und Fernandes„Virtuell vergewaltigt“ – wie gefährlich sind Fake-Pornos?

Schauspielerin Collien Fernandes und ihr Ex-Mann, der Schauspieler Christian Ulmen.
Copyright: Donati/RND (Montage); Foto: Carsten Koall/dpa
Seit Jahren schon kämpft die Schauspielerin Collien Fernandes (44) gegen sexuelle und demütigende Inhalte von sich im Netz: Pornografische Bilder und Videos, die Frauen zeigen, die ihr täuschend ähnlich sehen. Verabredungen zum Telefonsex, in denen eine KI ihre Stimme nachahmt. Sogar Sextreffen sollen vereinbart – und kurzfristig wieder abgesagt worden sein. Die Liste der sexuellen Vergehen, in denen sie im Mittelpunkt steht, scheint endlos lang.
Schon im November 2024 erstattete Fernandes deshalb in Berlin Strafanzeige gegen unbekannt. Doch inzwischen glaubt sie zu wissen, wer hinter der Verbreitung der falschen Nacktfotos und Sexvideos steckt: Christian Ulmen, ihr Ex-Mann. Das erklärte sie gegenüber dem „Spiegel“ und äußerte die Vorwürfe auch in einem Instagram-Post. Sie sprach davon, „virtuell vergewaltigt“ worden zu sein.
Christian Ulmen äußert sich auf Anfrage über seine Agentur selbst nicht zu den Vorwürfen. Stattdessen meldete sich die Kanzlei des Medienanwalts Christian Schertz am Donnerstagabend. Die Berichterstattung sei nach summarischer Überprüfung aus mehreren Gründen rechtswidrig, man sei, so die Kanzlei, daher beauftragt, gegen den „Spiegel” rechtliche Schritte einzuleiten. Es handele sich zum einen um eine in großen Teilen unzulässige Verdachtsberichterstattung, zum anderen würden unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet.
Alles zum Thema Carolin Kebekus
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Fernandes schreibt in ihrem Post bei Instagram, sie sei „weit umher“ gereist, um denjenigen zu finden, der über zehn Jahre hinweg pornografische Inhalte von ihr verbreitete. „Doch das wäre gar nicht nötig gewesen, denn der Täter war (wie ich jetzt weiß) die ganze Zeit über ziemlich nah.“
Gericht bestätigt Ermittlungsverfahren gegen Ulmen
Auf eine Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) bestätigte die zuständige Mitarbeiterin am Bezirksgericht in Palma de Mallorca, dass das Verfahren gegen Christian Ulmen am 2. Dezember 2025 eingeleitet wurde. Dort hatte das Paar zuletzt gemeinsam gelebt. Die Ermittlungen laufen noch und werden nach Angaben der Justizangestellten Agnes Antich Andreu von einem Amtsrichter in der dritten Kammer der Abteilung für Gewalt gegen Frauen am Amtsgericht Palma geleitet. Dies geschehe – außer für die am Verfahren beteiligten Parteien – vertraulich: „Die Klägerin erstattete Anzeige wegen mutmaßlicher widerrechtlicher Aneignung des Personenstands, Geheimnisverrats, öffentlicher Beleidigung, wiederholter Misshandlung und schwerer Drohungen. Dies ist jedoch nur der Bestand der Anzeige“, erklärte Agnes Antich Andreu.

Collien Fernandes bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in den Kölner MMC Studios. (Archivbild)
Copyright: Rolf Vennenbernd/dpa
Derzeit laufen Untersuchungen des Gerichts. Erst, wenn die Staatsanwaltschaft ihre Anklageerhebung vorlegt, werde festgestellt, wegen welcher Straftaten gegen den Beschuldigten ermittelt wird. Ob Anklage erhoben wird oder die Ermittlungen eingestellt werden, ist derzeit offen. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Virtuelle Vergewaltigung: Wie groß ist die Gefahr?
Mit Problemen wie diesen ist Collien Fernandes nicht allein. Zahlen des Bundeskriminalamts zeigen, dass Gewalt an Frauen weiter zunimmt – in nahezu allen Bereichen. „Die Erstellung von bildbasierter sexualisierter Gewalt, also dem Erstellen von nicht-einvernehmlichen pornografischen Deepfakes oder Deepnudes hat in den letzten Jahren exponentiell zugenommen“, erklärt Anna-Lena von Hodenberg, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation HateAid, die sich für Menschenrechte im digitalen Raum einsetzt, gegenüber dem RND.
Das liege allem voran daran, dass es dank KI jetzt Apps gebe, mit denen innerhalb kürzester Zeit solche Inhalte erstellt werden könnten und dann in Sekundenschnelle auf Pornoplattformen oder Blogs hochgeladen werden könnten.

Christian Ulmen und Collien Ulmen-Fernandes galten lange als Vorzeigepaar des deutschen Showbusiness. (Archivbild)
Copyright: Carsten Koall/dpa
Das Problem: Treffen kann es jeden. „Ein öffentliches Bild reicht und man kann Opfer werden. Deswegen müssen die Erstellung und Verbreitung von sexualisierten Deepfakes endlich eine Straftat werden“, mahnt von Hodenberg.
Um einen Rechtsbegriff handele es sich bei der „virtuellen Vergewaltigung“ allerdings nicht. Vielmehr beschreibe er das Gefühl, das Betroffene in solchen Fällen von bildbasierter digitaler Gewalt oft hätten. „Wir wissen, dass die menschliche Psyche nicht zwischen digitaler und analoger Gewalt unterscheiden kann“, sagt von Hodenberg. „Die emotionalen Folgen sind ähnlich schwerwiegend.“
Dennoch wird die Verbreitung solchen Bildmaterials in Deutschland maximal als Bagatelldelikt behandelt – um eine Straftat handelt es sich somit nicht. „Wir setzen uns dafür ein, dass dieser Straftatbestand geschaffen wird. Denn niemand – auch nicht der eigene Ehemann – sollte das Recht haben, ohne Einverständnis solche Bilder erstellen zu dürfen“, betont von Hodenberg.
„Die Scham muss die Seite wechseln“
In den sozialen Medien bekommt Collien Fernandes viel Zuspruch und Mut ausgesprochen – allem voran von Frauen.
„Die Mutigste bist du“, schreibt etwa die Moderatorin, Podcasterin und Influencerin Sophie Passmann, die erst kürzlich ein Buch über Shaming und Blaming von Frauen im Internet geschrieben hat. „Das ist nicht zu fassen. Danke für deine Offenheit“, erklärt auch Komikerin Carolin Kebekus.
Erst kürzlich machte der Vergewaltigungsfall um Gisèle Pelicot Schlagzeilen. Die Französin wurde über zehn Jahre von ihrem Ex-Partner betäubt, missbraucht und über 70 Männern zur Vergewaltigung angeboten. Auch Pelicot suchte die Öffentlichkeit, bestand sogar darauf, den Gerichtssaal für die Öffentlichkeit zu öffnen. Ihr Satz „Die Scham muss die Seite wechseln“ wurde zur Parole von Tausenden Menschen.
Auch unter dem Post von Collien Fernandes ist der Satz vielfach zu lesen.

