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Wirt wohl polizeibekanntErmittlungen gegen Barbetreiber nach Feuer-Katastrophe in der Schweiz

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Trauer in der Schweiz: Eine Person kniet vor Blumen und Kerzen in Crans-Montana. In dem Ort hatte ein verheerendes Feuer in einer Bar während der Silvesternacht viele Tote und Verletzte gefordert. (Archivbild)

Trauer in der Schweiz: Eine Person kniet vor Blumen und Kerzen in Crans-Montana. In dem Ort hatte ein verheerendes Feuer in einer Bar während der Silvesternacht viele Tote und Verletzte gefordert. (Archivbild)

Gegen die Betreiber der abgebrannten Bar in Crans-Montana wird eine Strafuntersuchung eingeleitet. Der Wirt hatte sich zuvor bereits geäußert. 

Zwei Tage nach dem verheerenden Brand in einer Bar in Crans-Montana mit 40 Toten sind strafrechtliche Ermittlungen gegen die beiden Betreiber aufgenommen worden. „Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen“, teilte die Polizei des Kantons Wallis mit. „Es wird daran erinnert, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.“

Bei dem Brand in der Silvesternacht war nach ersten Ermittlungen durch funkensprühende Partyfontänen Schaumstoff an der Decke in Brand geraten. Er hatte sich innerhalb kürzester Zeit ausgebreitet. Neben den Todesopfern wurden 119 Menschen größtenteils schwer verletzt.

Zweifel an Einhaltung von Brandschutzvorschriften

„Nach Abschluss der ersten Ermittlungen, die unter der Leitung der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis durchgeführt wurden, wurde gestern Abend eine Strafuntersuchung gegen die beiden Betreiber der Bar eröffnet“, teilte die Polizei nun mit.

Brandschutzexperten hatten bereits infrage gestellt, ob die Bar genügend Notausgänge hatte und ob das Material, das unter der Decke wahrscheinlich zur Schalldämpfung installiert war, gesetzeskonform war. Die Betreiber der Bar, ein französisches Ehepaar, hatten Medien gesagt, sie seien am Boden zerstört und kooperierten mit den Behörden, um die Katastrophe aufzuklären.

„Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns sehr schlecht“

„Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht“, zitierte das Nachrichtenportal „20 Minuten“ den Wirt der Bar. „Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären. Wir tun alles in unserer Macht Stehende. Auch unsere Anwälte sind involviert“, hieß es weiter von dem Betreiber der Bar „Le Constellation“. 

Zwei Tage nach der Brandkatastrophe in dem Schweizer Skiort sind derweil die ersten vier Todesopfer identifiziert und ihren Angehörigen übergeben worden. Es handele sich um die sterblichen Überreste von zwei weiblichen und zwei männlichen Opfern im Alter zwischen 16 und 21 Jahren aus der Schweiz, teilte die Polizei am Samstag mit. Andere Familien bangten weiter um ihre immer noch vermissten Kinder.

Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen in der Bar

Unterdessen wird immer mehr Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen in der Bar laut. Insbesondere Videos, auf denen zu sehen ist, wie an die Decke geklebte Akustikschaumstoffplatten durch Wunderkerzen auf Champagnerflaschen in Brand geraten, werfen Fragen auf. Das Material entzündete sich demnach innerhalb von Sekunden.

Ob das verwendete Material den Schweizer Brandschutzanforderungen entsprochen hat, dürfte nun eine der großen zu klärenden Fragen sein. Der Betreiber der Bar hatte in der Vergangenheit erklärt, das Lokal nach dem Kauf im Jahr 2015 selbst umgebaut zu haben. „Ich habe fast alles selbst gemacht. Schauen Sie diese Mauern an – das sind 14 Tonnen trockenes Gestein aus Saint-Léonard“, sagte der Wirt damals der Regionalzeitung „Le Novelliste“.

Französische Medien: Barbetreiber polizeibekannt

In französischen Medien rückt unterdessen die Vergangenheit des Betreibers in den Fokus. So soll der Wirt nach einem Bericht von „Le Parisien“ der französischen Justiz wegen Zuhälterei bekannt sein. Der Fall liege etwa zwanzig Jahre zurück, betonte die Zeitung, die auch über Ermittlungen wegen „Entführung und Freiheitsberaubung“ berichtete, die sich vor rund dreißig Jahren ereignet haben sollen.

Der Barbetreiber gehöre seitdem jedoch nicht mehr zum „Spektrum der organisierten Kriminalität“, zitierte die Zeitung eine anonyme Quelle bei der französischen Polizei. (das/dpa)