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Intensivpatienten auch in NRWWie Deutschland den Opfern von Crans-Montana hilft – Kölner Klinik beteiligt

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Das Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum nimmt zwei Schwerverletzte auf, auch in Köln wird ein Patient behandelt. 

Die Behandlung der zum Großteil schwer verletzten Menschen aus dem Flammendrama in Crans Montana in der Schweiz wird zu einer europäischen Mammutaufgabe. Deutschland ist mit seinen zahlreichen auf Brandfälle spezialisierten Kliniken besonders gefragt. NRW ist involviert: In Köln wird eine schwerverletzte Person behandelt, auch nach Bochum sollten zwei Personen gebracht werden.

Vier Patienten wurden innerhalb kurzer Zeit nach der Katastrophe in der Silvesternacht aufgenommen und die Versorgung weiterer in die Wege geleitet, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) am Freitagabend mitteilte. Die deutschen Kliniken böten darüber hinaus weitere Transport- und Behandlungsmöglichkeiten an.

Verletzte von Crans-Montana kommen nach Köln und Bochum

Die Verletzten werden in Deutschland über den sogenannten Kleeblatt-Mechanismus verteilt. Das System wurde im Frühjahr 2020 im Rahmen der Corona-Pandemie erarbeitet, um eine regionale Überlastung der Intensivkapazitäten in Krankenhäusern zu vermeiden. Im Zuge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wurde der Mechanismus weiterentwickelt, nun kommt er den Schwerverletzten aus der Schweiz zugute. Es gibt fünf regionale Kleeblätter. NRW stellt als bevölkerungsreichstes Bundesland ein einzelnes Kleeblatt dar, das „Kleeblatt West“. Der Single Point of Contact (SPoC) befindet sich in Köln.

Darüber hinaus wird im Krankenhaus Köln-Merheim eine schwerbrandverletzte Person aus Crans-Montana behandelt, wie eine Sprecherin der Städtischen Kliniken bestätigte. Auch das Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum ist in den Hilfsplan für die Brandopfer von Crans-Montana involviert. Wie der „Westfälische Anzeiger“ am Samstagmorgen berichtet, wird das Krankenhaus zwei Brandopfer aus der Schweiz übernehmen. Wann genau die zwei Personen per Hubschrauber oder Flugzeug verlegt werden sollen, sei noch unklar. Die Uniklinik habe damit auf eine Anfrage des SPoC Köln reagiert.

Das sogenannte Schwerbrandverletztenzentrum in Bochum wurde 1968 als erste Einrichtung dieser Art in Deutschland gegründet, berichtet der WDR. Zwischen 100 und 130 Menschen mit schweren Verletzungen würden dort jedes Jahr behandelt. Es werden auch immer wieder Patienten aus der Ukraine und anderen Krisengebieten aufgenommen.

Patienten aus Crans-Montana in ganz Deutschland

Auch in Baden-Württemberg werden bereits drei verletzte Menschen aus Crans-Montana behandelt. Eine verletzte Person wurde ins Marienhospital nach Stuttgart gebracht, zwei weitere in die BG Klinik nach Tübingen. Wie die „Tagesschau“ unter Berufung auf andere Medien berichtet, soll es sich bei dem Verletzten in Stuttgart um den französischen Fußballspieler Tahirys Dos Santos vom Ligue-1-Club FC Metz handeln. Sein Agent teilte mit, dass der 19-Jährige Verbrennungen zweiten Grades habe, aber nicht im Koma liege.

Auch die BG-Klinik in Ludwigshafen hat nach Informationen des SWR bereits am Freitag zwei Patienten aus der Schweiz aufgenommen. Eine junge Patientin sei bereits notoperiert worden, ihr Zustand sei kritisch, habe sich aber stabilisiert.

Wie der MDR berichtet, werden zwei Patienten aus der Schweiz ebenfalls am Leipziger Klinikum St. Georg und am Halleschen Klinikum Bergmannstrost behandelt. Das Unfallkrankenhaus Berlin nimmt ebenfalls drei Brandopfer aus Crans-Montana auf.

Schweizer melden keine deutschen Verletzten

Bei der Katastrophe war eine Bar im Skiort Crans-Montana am frühen Neujahrsmorgen in Brand geraten, und viele junge Menschen konnten sich nicht mehr oder nur schwer verletzt nach draußen retten. Insgesamt kamen 40 Menschen ums Leben, 119 erlitten überwiegend schwere Brandverletzungen. Die Behandlung kann sich je nach Schweregrad über Monate hinziehen.

Unter den Verletzten waren vor allem Schweizer, Franzosen und Italiener - Deutsche nach ersten Angaben nicht. Von den 40 Toten wurden inzwischen die ersten identifiziert.

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Das französische Paar, das die Bar betreibt, wurde als Zeugen verhört. „Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht“, sagt der Wirt nach einem Bericht des Nachrichtenportals „20 Minuten“ in einem Gespräch.

Sie kooperierten mit den Behörden. „Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären“, zitiert das Nachrichtenportal den Wirt. „Wir tun alles in unserer Macht Stehende. Auch unsere Anwälte sind involviert.“ Seine Frau war nach Medienberichten in der Nacht in der Bar und wurde leicht verletzt.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung nicht ausgeschlossen

Die Staatsanwaltschaft prüft unter anderem Umbauarbeiten, verwendete Materialien, Betriebsgenehmigungen, Sicherheitsmaßnahmen, Brandschutznormen und Flucht- und Evakuierungswege, wie Oberstaatsanwältin Beatrice Pilloud sagte.

Geprüft werde auch, ob Anwesende, die noch leben, strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Auf Fotos und Videos waren feiernde Menschen mit Feuerwerk in Champagnerflaschen zu sehen, das nach ersten Ermittlungen Schaumstoff an der Decke in Brand gesteckt haben dürfte. In Betracht kämen etwa fahrlässige Brandstiftung oder fahrlässige Tötung, sagte Pilloud. Bislang gebe es aber keine strafrechtlich relevanten Anhaltspunkte, betonte sie. (cme, mit dpa)