In der Bar „Le Constellation“ verbrannten Menschen in der Silvesternacht bei lebendigem Leib – darunter viele junge Menschen.
„Unter brennenden Menschen“Augenzeugen schildern das Feuerinferno von Crans-Montana
Die Schaulustigen stehen auch am Freitag wieder vor der Absperrung in der Nähe der Bar „Le Constellation“. Der Skiort Crans-Montana in der Schweiz ist unter Prominenten und passionierten Skifahrern schon lange ein Begriff. Nun aber steht der Name des 10.000-Einwohner-Dorfes mit Blick auf das Matterhorn für eine der größten Tragödien, die die Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten erleben musste. Etwa 40 Todesopfer und 119 meist Schwerstverletzte zählt die Kantonspolizei nach einem tödlichen Feuer in der Bar in der Silvesternacht. Viele der Feiernden waren Jugendliche und junge Erwachsene. Die Identifizierung der Toten dauere an, sagte ein Polizeisprecher am Freitag.
Augenzeugen des Infernos, frühere Gäste und Anwohner schilderten die Tragödie in unterschiedlichen Medien. Dabei werden zunehmend auch Vorwürfe gegen die Betreiber der Kellerbar erhoben, sie hätten die Sicherheitsvorschriften sehr lasch befolgt: So gibt der Schweizer „Blick“ die Beobachtung eines ehemaligen Besuchers wieder, laut dem das Etablissement nur über einen einzigen Flucht- und Zugangsweg verfügt haben soll.

Menschen legen in Crans-Montana Blumen und Kerzen zum Gedenken an die Opfer der Feuertragödie nieder.
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Ebenfalls im „Blick“ kommt der 30-jährige Laurent zu Wort, der in der Bar ein- und ausgegangen sei. Ihm zufolge hätten die Gäste in dem Lokal so ziemlich alles anstellen konnten, was sie wollten. Rauchen inbegriffen. „Ich bin überrascht, dass es so lange ging, bis etwas passierte“, wird Laurent zitiert.
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„Die Menschen hier stehen unter Schock“
In der Silvesternacht gegen 1.30 Uhr passierte das Unglück. Der Treffpunkt der jungen Feiernden verwandelte sich in eine Flammenhölle, die der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin später eine der schlimmsten Katastrophen des Landes nennt. „Es war wie ein Ofen, in dem Menschen bei lebendigem Leib verbrannten“, erklärt eine Anwohnerin von Crans-Montana gegenüber dieser Zeitung. „Die Menschen hier stehen unter Schock, sie weinen und zittern.“
Besucher der Bar berichteten am Freitag von funkensprühenden Wunderkerzen, die auf Champagnerflaschen befestigt gewesen sein sollen. Ein Video, offenbar aus der Partynacht, zeigt brennende Wunderkerzen in Flaschen und einen Glutherd an der Decke, darunter tanzen Menschen. Wie Ermittler am Freitagnachmittag bestätigten, haben die Kerzen offenbar die hölzerne Decke der Kneipe entzündet. „Es kann davon ausgegangen werden, dass die Sprühkerzen Ursprung des Brandes sind“, erklärte die Polizei.
Überlebende von Crans-Montana: „Ich befand mich unter brennenden Menschen“
Eine Überlebende, die 17-jährige Laëtitia, schilderte dem französischen Sender BFMTV, dass nach dem Ausbruch des Feuers im „Le Constellation“ Panik ausgebrochen sei. „Wir rannten los. Das Feuer breitete sich sehr, sehr schnell aus, und der Rauch brannte in unseren Augen. Wir konnten nicht atmen.“

Der Screenshot von einem Video vom X-Account @Tyroneking36852 zeigt die Flammen in Crans-Montana.
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Die junge Frau habe eine Explosion gefühlt. „Ich befand mich unter drei oder vier brennenden Menschen, umgeben von toten Menschen.“ Ein junger Mann habe sie herausgezogen. „Er ist ein Schutzengel“, wird Laëtitia zitiert. Tatsächlich mehrten sich Augenzeugenberichte über Retter, die Menschen aus der brennenden Bar gezogen haben sollen.
Feuer-Tragödie in Crans-Montana: Kam es zu einem „Flashover“?
Warum so viele Gäste umkamen, könnte mit einem Phänomen zusammenhängen, das als „Flashover“ bekannt ist. Dies legte eine Medienmitteilung der Kantonsregierung nahe. Durch heiße Rauchgase fangen dabei schlagartig alle brennbaren Materialien wie bei einer Explosion Feuer. Die dabei entstehende Hitze mit bis zu 1.000 Grad ist nach Expertenangaben ohne Schutzkleidung kaum zu überleben.
Helikopter brachten Dutzende Menschen mit Brandwunden in Krankenhäuser, darunter in das Universitätsspital Lausanne. Die Direktorin Claire Charmet sagte gegenüber der Zeitung „24 Heures“, es seien viele junge Patienten im Alter zwischen 16 und 26 Jahren. Sie hätten schlimmste Brandverletzungen erlitten. Die Behandlung könnte „Monate dauern“.

Ein Leichenwagen an der abgesperrten Brandstätte in Crans-Montana.
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Einige der Verletzten wurden in Kliniken ins angrenzende Ausland gebracht – insbesondere nach Frankreich und Italien. Mindestens ein Patient wurde auch nach Stuttgart geflogen, wie der SWR berichtete.
„Krankenhäuser sind grundsätzlich auf Katastrophenlagen vorbereitet“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Es gebe etablierte Notfallpläne, feste Abläufe und regelmäßige Übungen für Großschadensereignisse. Dennoch zeige jede reale Katastrophe, wie groß die tatsächlichen Herausforderungen seien. „Besonders belastend ist die aktuelle Situation, weil das Unglück in eine ohnehin stark angespannte Phase fällt. Die Notaufnahmen sind rund um den Jahreswechsel regelmäßig stark frequentiert, Personal und Strukturen arbeiten vielerorts bereits am Limit“, erklärte Gaß.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach seinem Schweizer Amtskollegen Guy Parmelin seine Anteilnahme und die seiner Landsleute aus. In der Nachricht Steinmeiers hieß es, er habe „mit großer Bestürzung und tiefer Trauer“ von der Brandkatastrophe erfahren. Zuvor hatte bereits Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sein tiefstes Mitgefühl ausgedrückt. Unter den Opfern waren unter anderem 71 Schweizer, 14 Franzosen und 11 Italiener. Deutsche Opfer sind bislang nicht bekannt.

