Nach ESC-DisqualifikationJoost Klein taucht unter – Delegation reist ohne ESC-Rapper ab

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Joost Klein auf der Bühne.

Joost Klein auf der Bühne.

Keine Spur von Joost Klein. In den Niederlanden herrscht Rätselraten über den Verbleib des disqualifizierten Skandal-Rappers.

Katerstimmung herrscht bei der niederländischen Delegation nach der Disqualifikation des Rappers Joost Klein, der mit „Europapa“ zu den Favoriten für das Finale des Eurovision Song Contest zählte. Nur wenige Stunden vor der Live-Show wurde er von der European Broadcasting Union (EBU) wegen eines Zwischenfalls ausgeschlossen, dessen genauer Hergang noch umstritten ist.

Joost Klein: Niederländische Delegation fliegt ohne Skandal-Rapper in die Heimat

Auf dem Flughafen Schiphol ist die niederländische Delegation nach dem Rückflug aus Malmö laut der Tageszeitung „De Telegraaf“ überraschend ohne den Künstler aus dem Flugzeug gestiegen. Ein offizieller Pressetermin, wie sonst üblich, habe nicht stattgefunden. Wo sich Joost Klein derzeit aufhält oder ob er möglicherweise inkognito das Land verlassen hat, ist derzeit nicht bekannt.

Joost habe lediglich eine „drohende Bewegung“ in Richtung einer Kamera gemacht und die Fotografin nicht geschlagen. Dies erklärte Taco Zimmerman, Direktor des niederländischen Fernsehsenders AVROTROS, der für den ESC verantwortlich ist, vor dem Rückflug als Reaktion auf die Disqualifizierung des niederländischen Beitrags vor dem Clarion Hotel in Malmö, in dem Joost Klein und die Delegation während der ESC-Wochen untergebracht waren.

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Polizei hat Ermittlungen so gut wie abgeschlossen

Zimmerman betonte, dass es keine Berührung der Fotografin gegeben habe. Die niederländische Delegation protestiere gegen die Entscheidung der EBU und halte die Disqualifikation für unverhältnismäßig und schockierend.

Die schwedische Polizei teilte am Sonntagmorgen mit, dass die Ermittlungen zu dem Handgemenge mit der Fotografin im Wesentlichen abgeschlossen seien und die Akte in Kürze an die Staatsanwaltschaft übergeben werde.

Dort muss entschieden werden, ob weitere Maßnahmen gegen Klein ergriffen werden, was laut „De Telegraaf“ Wochen dauern kann. Dennoch könne Klein Schweden verlassen und in seine Heimat zurückkehren. „Er wird in seiner Bewegungsfreiheit in keiner Weise eingeschränkt“, so ein Polizeisprecher.

Joost Klein: Schwedische Zeitung spricht von „aggressivem Verhalten“

Die schwedische Boulevardzeitung „Aftonbladet“ sieht den Vorfall um Joost Klein unterdessen in einem anderen Licht. „Es besteht kein Zweifel, dass er sich sehr aggressiv verhalten hat, wie mehrere Anwesende sagten“, so die „sehr zuverlässige“, aber anonyme Quelle laut „Aftonbladet“.

Joost Klein mit Flagge über dem Kopf.

Joost Klein sorgte schon während einer Pressekonferenz für Schlagzeilen. Während die Israelin Eden Golan Fragen beantwortete, zog sich der Rapper die niederländische Flagge über den Kopf und kommentierte die Fragen.

Die Fotografin war nach dem Vorfall, der sich ereignete, als der Künstler nach seinem Auftritt im zweiten Halbfinale die Bühne verließ, „am Boden zerstört“. Die Kamera wäre bei dem Vorfall zerstört worden. „Ihr wurde Hilfe und Unterstützung angeboten. Soweit ich weiß, ist sie von dem Vorfall sehr betroffen“, so die anonyme Quelle. „Die EBU hätte nicht so gehandelt, wenn sie den Vorfall nicht als sehr ernst ansehen würde.“

Mit der 16. und damit letzten Startnummer ging Joost Klein ins zweite Halbfinale. Sein Techno-Titel „Europapa“ gehörte hier zu den Favoriten. Im Anschluss an das Finale, das die Schweiz mit Nemo und „The Code“ für sich entscheiden konnte, wurden die Ergebnisse des Halbfinales bekannt gegeben, das durch ein reines Televoting entschieden worden war. Demnach belegten die Niederlande den zweiten Platz hinter der Israelin Eden Golan („Hurricane“). Nemo aus der Schweiz landete hinter Armenien auf dem vierten Platz.

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