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GeschäftsideeTomatenwein im Ausschank

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Bevor der besondere Wein verkauft werden kann, muss er mehrere Monate ruhen.

Ottawa – Jeden Tag geht Pascal Miche jetzt in seine Tomatenplantage. Sorgfältig begutachtet er die langsam rot werdenden Früchte. Sie haben eine schöne Größe erreicht. Nun fehlen noch ein paar Wochen Sonnenschein, die ihnen Aroma und Süße geben. „Mitte August ist es soweit“, sagt der 50-jährige. Dann will er ernten. Die eigentliche Arbeit aber beginnt erst im Herbst. In Miches Keller, in dem sechs Stahltanks stehen, riecht es dann nach Alkohol. Im kommenden Frühjahr hofft er, sein Produkt in Flaschen abfüllen zu können: Tomatenwein.

Pascal Miche ist vermutlich der einzige Tomatenweinbauer. Jedenfalls kennt er niemanden, der aus Tomaten Wein erzeugt. Er hat eine alte Familientradition, die ihren Ursprung vor etlichen Generationen in der belgischen Provinz Hainaut südlich von Brüssel hatte, zu einem Geschäft ausgebaut. Schon der Urgroßvater produzierte Tomatenwein, aber nur für den eigenen Gebrauch. Der Urenkel aber hat einen umfangreichen Kundenkreis in Quebec. Und bald wird der Aperitifwein aus Tomaten von seiner Domaine de la Vallée du Bras am St. Lorenz-Fluss außerhalb Quebecs zu kaufen sein. „Ab Herbst werden wir unsere Produkte in Europa und Hongkong vertreiben“, erzählt er.

Omerto heißt das nach seinem Großvater Omer benannte Produkt, das Pascal Miche vor drei Jahren als Weltneuheit in zwei Variationen – „moelleux“ (mild, süß) und „sec“ (trocken) – vorstellte. Er zieht eine Flasche Omerto mit der stilisierten Tomate auf dem Etikett auf und schenkt ein. Leicht golden schimmert der trockene Omerto, der idealerweise beim Servieren vier Grad kalt sein sollte. Noch verrät der Blick der Kunden in Pascals „Omerto Boutique“ Skepsis über das, was da kommen mag. Mit 16 Prozent Alkoholgehalt verbreitet der Wein ein Bouquet, das an einen trockenen Sherry erinnert. Eine leichte Säure prägt ihn und er bietet sich als Aperitif und Digestif, aber auch als Begleiter zu Käse und Meeresfrüchten an.

Kampf um die Produktionsgenehmigung

Der geübte Gaumen erkennt, dass es kein Wein von Weintrauben ist. Aber wer nicht weiß, dass es sich um einen Tomaten-Aperitif handelt, wird Schwierigkeiten haben, einen Tomatengeschmack zu erkennen. Der Preis scheint auf die Kanadier keinen Eindruck zu machen. Wegen der Steuern und Abgaben an die Alkoholbehörden sind sie die im Vergleich zu Europa hohen Weinpreise gewöhnt. Da macht der Omerto keine Ausnahme: Die 0,75-Liter-Flasche kostet 34 kanadische Dollar (etwa 24 Euro).

Von Hause aus ist Pascal Miche, der in Belgien geboren wurde, Metzger und studierter Önologe. 1998 wanderte er nach Kanada aus. In Montreal versuchte er, seine Wurstwaren zu verkaufen. Mit mäßigem Erfolg. Aber da war ja noch das Rezept für Tomatenwein, das er von seinem Vater kannte. Zunächst einmal musste Miche jedoch mit den Behörden um die Produktionsgenehmigung kämpfen. Die stuften Tomaten als Gemüse, nicht als Frucht ein. Das Gesetz aber verbietet es, Gemüse zu Alkohol zu verarbeiten. Das darf man nur mit Früchten. Miche schrieb ein ausführliches wissenschaftliches Papier, in dem er darlegte, dass Tomaten Früchte sind – und überzeugte.

Das Rezept ist und bleibt Familiengeheimnis. Aber ein wenig verrät Pascal doch. Die mehr als 30 000 Kilogramm Tomaten werden gepresst und dem Tomatensaft, rund 15 000 Liter, wird für die Fermentierung Hefe und Zucker zugegeben. Dann blubbert es in den Stahltanks. Nach vier bis sechs Wochen wird der Saft gefiltert. Dann muss der angehende Wein mehrere Monate ruhen. Etwa 45 000 Flaschen werden schließlich abgefüllt – ein Teil kommt demnächst auch nach Deutschland.