Tierquälerei für Klicks: Tierschützer kämpfen gegen grausame Videos im Netz und fordern härtere Strafen.
Härtere Strafen gefordertTierschützer wollen Gesetz gegen Qual-Videos im Internet

Für inszenierte Rettungsaktionen werden Tiere oft absichtlich misshandelt.
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Die Clips sind meist nur von kurzer Dauer: Man sieht ein schreiendes Affenbaby, einen gepeinigten Hund, eine malträtierte Katze. Ein User verlangt in den Kommentaren: „Mach es noch einmal!“, während ein anderer für weitere Folteraufnahmen Bezahlung anbietet. Der Handel mit online präsentiertem Tierleid floriert.
Eine als „Crushing“ bekannte Praxis gilt als besonders verstörend. Hierbei nehmen Anwender auf, wie sie lebendige Tiere zertrampeln oder zerquetschen und rufen zur Nachahmung auf. Wiebke Plasse, die bei der deutschen Welttierschutzgesellschaft (WTG) für Kampagnen zuständig ist, erklärt: „Es begann mit Insekten, aber mittlerweile werden unter anderem Katzenbabys, Hundewelpen und Kaninchen totgetreten“. Auf der Jagd nach Beachtung seien die Darstellungen immer gewalttätiger geworden.
Asien im Fokus und die Verantwortung der Online-Dienste
Auf der Insel Bali haben diese Woche Tierschutzaktivisten, Forscher sowie Repräsentanten von bedeutenden Online-Plattformen nach Lösungen gesucht, um die Verbreitung derartiger Inhalte zu stoppen. Bei dem erstmaligen weltweiten SMACC-Gipfeltreffen wurden eine effektivere Strafverfolgung sowie schärfere Vorschriften für die Plattformen diskutiert. Die Abkürzung SMACC bezeichnet die „Social Media Animal Cruelty Coalition“, eine weltweite Allianz von über 40 Organisationen für Tier- und Artenschutz. Die Wahl von Bali als Veranstaltungsort erfolgte gezielt, weil zahlreiche der Videos ihren Ursprung in Asien haben und Indonesien als einer der Hotspots der Problematik angesehen wird.

Der Gipfel auf Bali vereinte Experten aus aller Welt.
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Der Präsident der Tierrechtsorganisation Peta Asien, Jason Baker, unterstreicht, dass die Ermittlungsverfahren oft langwierig und kompliziert seien. „Strengere Gesetze sind nötig, aber auch die Social-Media-Unternehmen müssen ihren Beitrag leisten.“ Es müsse das Ziel sein, die Erstellung solcher Videos von Anfang an zu unterbinden. Auch die WTG verlangt, die Betreiber der Plattformen zur Verantwortung zu ziehen, insbesondere Facebook, da dort die Mehrheit der grausamen Videos kursiere. An dem Fachtreffen waren allerdings nur Repräsentanten von YouTube und Tiktok anwesend.

Wiebke Plasse nahm für die deutsche Welttierschutzgesellschaft teil.
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Ruf nach Gesetzesnovelle in Deutschland
Die in Berlin ansässige WTG engagiert sich für eine Novellierung der Gesetze in Deutschland. Die Vereinigung verlangt die Aufnahme von Tieren in die Bestimmungen, die sich gegen die Verherrlichung von Gewalt richten. Als Muster dient ein Abschnitt im Strafgesetzbuch, welcher schon die Glorifizierung von schwerer Gewalt gegenüber Menschen abdeckt.
„Es sieht gut aus für unsere Forderung“, äußerte sich Plasse auf Bali zuversichtlich. Ein entsprechender Entwurf sei in Berlin vorhanden. „Und wir haben bereits den Zuspruch aus den Regierungsparteien.“ Man verfolge das Ziel, dass die Weitergabe und der Konsum derartiger Inhalte zukünftig mit Haftstrafen geahndet werden. „Derzeit fühlen sich die TäterInnen noch völlig frei und sicher – wir hoffen, dass harte Strafen sie abschrecken werden.“
Motivation: Reichweite und sexuelle Anreize
Laut Plasse gehe es den Erstellern der Videos fast ausschließlich um Online-Präsenz und Zuspruch. Im Gegensatz dazu seien bei zahlreichen Konsumenten sexuelle Beweggründe ausschlaggebend. Das „Crushing“ von Tieren werde beispielsweise häufig mit speziellem Schuhwerk wie Stiefeln aus Leder oder Latex vollzogen. Erstaunlicherweise sind Ermittlungen zufolge oft Frauen involviert. „Es ist erstaunlich, aber oft handelt es sich bei denen, die solche Videos filmen oder klicken, um ganz normale Leute“, so Plasse. Um die psychologischen Ursachen zu ergründen, seien zusätzliche Studien erforderlich. Ihre Warnung lautet jedoch: „Und wenn das Tier irgendwann nicht mehr reicht, möchte der Mensch mehr.“
Der Fall Mini als Symbol der Brutalität
Als besonders erschütternd gilt der Fall des Makakenbabys Mini, das durch eine vielbeachtete Recherche der BBC zu einem Symbol wurde. Ein weltweites Netzwerk gab Folteraufnahmen von Affen in Auftrag. Mini wurde ihrer Mutter weggenommen und gelangte zu einem Mann in Indonesien, der das Tier für bezahlende Auftraggeber quälte. Auf Plattformen wie Telegram wurde sie in Chatgruppen als „Star“ gehandelt, für dessen Quälerei stetig neue Ideen geäußert wurden. Die BBC trug mit monatelanger Recherchearbeit dazu bei, dass einige der Beteiligten verhaftet werden konnten. Nach ihrer Rettung und über zwei Jahren der Genesung konnte Mini im Jahr 2024 schließlich wieder freigelassen werden.

Das Schicksal des Makakenbabys Mini wurde von der BBC aufgedeckt.
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Inszenierte Rettungen: Vorsicht vor Fälschungen
Sogenannte „Fake Rescues“ stellen ein zusätzliches Phänomen dar. Hierbei bringt man Tiere absichtlich in gefährliche Situationen – sie werden beispielsweise in Gruben platziert oder angebunden –, um sie danach vor der Kamera zu „befreien“. Zahlreiche User bemerken nicht, dass diese emotionalen Clips inszeniert sind. Die WTG meldet Fälle von Hunden in Uganda, die angeblich für Videos zur Spendengewinnung gequält oder dem Hunger ausgesetzt wurden. „Das ist nicht nur Betrug an gutgläubigen Tierfreunden, es ist massive Gewalt gegen Tiere, die erst durch Social Media möglich wird“, erklärt Plasse.
Auf Bali richteten die Tierschutzaktivisten einen Appell an Social-Media-Nutzer, Beiträge mit Tierquälerei zu melden und insbesondere jegliche Interaktion zu vermeiden. Peta-Präsident Baker fasste es prägnant zusammen: „Das Ansehen, Liken, Kommentieren und Teilen von Videos, die Tierquälerei zeigen, füttert lediglich die Algorithmen, die dazu beitragen, dass sich diese Inhalte verbreiten und Einnahmen generieren.“ (dpa/red)
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