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Herbert Feuerstein wird 80 Jahre Glückwünsche vom ehemaligen Peiniger

Herbert Feuerstein

Herbert Feuerstein

Köln – Der Mann ist stur. Zu seinem 80. Geburtstag am 15. Juni – und überhaupt zu seinem Leben sagt er: „Ich möchte meine Ruhe haben.“ Es gebe immer wieder Versuchungen, erzählt er in einem seiner raren Interviews der „Süddeutschen Zeitung“, aber er lehne fast alle neuen Sachen ab. Er sei doch ein „alter Sack“, hatte er schon vor ein paar Jahren gemeint.

Herbert Feuerstein spricht nicht gern über sich selbst.  Etwas sagen will aber sein langjähriger TV-Partner Harald Schmidt. Was fällt ihm als Erstes ein, wenn er an Herbert Feuerstein denkt? „Frauen.“ Immerhin ist Feuerstein in dritter Ehe verheiratet, und seine derzeitige Frau, mit der er in Erftstadt lebt, ist 35 Jahre jünger als er.

Der Zyniker und der Bescheidene

Die Gegensätzlichkeit des „Schmidteinander“-Duos (1990-1994) macht den Reiz der Sendung aus. Schmidt ist 29 Zentimeter größer als Feuerstein. Schmidt war der gnadenlose Zyniker, Feuerstein schaute stets etwas gequält und schützte Bescheidenheit vor. „Ich kann mich nicht sonderlich leiden“ sagte er einmal. 

Schmidt peinigte ihn mit dem unvergessenen Ausdruckstanz und anderen Sketchen, in denen Feuerstein stets der Verlierer war. Der „Süddeutschen Zeitung“ erzählte Feuerstein, dass Schmidt ihn einst vor einer Live-Sendung auf sehr besondere Weise motiviert habe. Er sei eine Niete, und er werde wieder seine Texte vergessen, habe Schmidt gesagt, und dann seien sie rausgegangen in die Show.

Ob es da auch mal krachte zwischen den beiden? „Ich glaube, er hat es überwiegend genossen“, meint Schmidt. Feuerstein hatte seine stille Art, sich zu rächen: „Schmidt wurde relativ schnell faul und ließ mich alles schreiben, dadurch konnte ich die Inhalte an mich ziehen.“ Und dadurch wurde er umso beliebter.

Herbert Feuerstein kam 1937 im Bahnhofsgebäude von Zell am See (Österreich) zur Welt – in der Dienstwohnung seines Vaters, Fahrdienstleiter der eingleisigen Schmalspurbahn zu den Krimmler Wasserfällen. „Genau so verlief sein weiteres Leben: Eingleisig, schmalspurig und mit Getöse nach unten“, schreibt Feuerstein über sich selbst.

Verschlungener Lebensweg

Obwohl das natürlich gar nicht stimmt. Sein Lebensweg war eher aufregend verschlungen. Nach einem abgebrochenen Musikstudium folgte er 1960 seiner ersten Frau, einer hawaiischen Gaststudentin, nach New York. Dort arbeitete er als Redakteur der deutschsprachigen „New Yorker Staats-Zeitung“. Zurück in Europa wurde er 1973 Chefredakteur der deutschen Ausgabe der für die damaligen Verhältnisse anarchischen Satire-Zeitschrift „Mad“. Er steigerte die Auflage von 10.000 auf 400.000. 

Nebenbei begann er fürs Fernsehen zu schreiben und bekam 1986 seine erste WDR-Show „Wild am Sonntag“. Danach saß er im Rateteam von Harald Schmidts Spielshow „Pssst...“ – und das Paar fand sich.

Nach dem Erfolg mit „Schmidteinander“ war Feuerstein so populär, dass er lauter Lieblingsprojekte verwirklichen konnte – und zwar ohne lästiges Miteinander. Er trat in Operetten und in Theaterstücken auf, drehte „Feuersteins Reisen“, schrieb Bücher. Doch es wird weniger. Auch zum Reisen hat er keine Lust mehr.  Was auf seinem Grabstein stehen soll, hat er schon bestimmt: „Er konnte ständige Nähe nicht ertragen.“ (mit dpa)